Es ist Mittwoch, 14.50 Uhr: Gemüse und Obst sind auf 20 grüne Plastikkisten verteilt, das Kühlregal ist komplett befüllt. Renate Priß bringt noch die letzten Preisschilder an den Warenregalen an, während Waltraud Jaklin einen Stapel Metallkörbe am Eingang zurechtrückt. Seit eineinhalb Stunden sind die ehrenamtlichen Helferinnen der Tafel Villingen mit den Vorbereitungen für den Einkaufstag beschäftigt.

Schließlich mischt Ingrid Stockmayer mit schnellen Bewegungen einen Stapel Zahlenkarten, der die Reihenfolge der Einkäufer festlegt. Fairness ist der Ergotherapeutin wichtig: "Es sollen nicht immer die Gleichen als Erste einkaufen dürfen." Der Stapel wird jetzt an die im Vorraum wartenden 30 Kunden verteilt. Jeder erhält eine der Karten. Im Gegenzug bekommt Renate Priß die Tafel-Ausweise ihrer Kunden überreicht, die die Rentnerin sorgsam in einem Karteikasten verwahrt. Zum Großteil sind die Namen auf den Ausweisen dem arabischen Sprachraum zuzuordnen. Im Gegensatz zu montags und freitags werden mittwochs ausschließlich Asylbewerber bedient.

Helgina Zimmermann ist Vorsitzende des Trägervereins Mach Mit! und Projektleiterin der Tafel Villingen-Schwenningen. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER spricht sie über den Aufbau der Tafel und erklärt, mit welchen Problemen sie konfrontiert ist.

Raled ist einer von ihnen. Um Punkt 15 Uhr betritt der großgewachsene Syrer mit seiner zweijährigen Tochter den Einkaufsraum in der Herwigstraße. "Guten Tag! Wie geht es Ihnen?", begrüßt er die drei Helferinnen freundlich. Schnell füllt sich Raleds Einkaufskorb mit frischem Obst und Gemüse. Am Kühlregal dauert die Auswahl etwas länger. "Viele Kunden sind Moslems", erklärt Stockmayer. "Da wird darauf geachtet, dass man nicht aus Versehen Schweinefleisch einkauft." Besonders beliebt seien helles Brot, Obst, Gemüse und Eier, erzählen die Ehrenamtlichen, die sich alle drei schon seit mehreren Jahren bei der Tafel engagieren.

"Heute ist vergleichsweise wenig los", verrät Priß. Im vergangenen Dezember seien es noch an die 70 Menschen gewesen, die sie an einem Mittwoch versorgen mussten. "Da sind wir schon an unsere Grenzen gestoßen." Richtig eskaliert sei die Situation aber nie. Nur ein einziges Mal musste ein Einkaufsverbot ausgesprochen werden.

Heute geht alles friedlich zu. In einer Mischung aus Deutsch und Englisch erkundigt sich ein junger Mann aus Asien nach dem Inhalt der Parfüm-Flaschen, die in der Nähe der Kasse aufgebaut sind. Als ihm Ingrid Stockmayer probeweise etwas vom duftenden Inhalt auf den Arm sprüht, verzieht sich sein Gesicht: "Bäh!" Beide müssen herzlich lachen. Überhaupt merkt man in der Tafel schnell, dass Sprachbarrieren hier weniger Hindernis sind als viel mehr Anlass, in Kontakt zu kommen.

2016 wurde ein spezieller Tag für Flüchtlinge bei der Villinger Tafel eingeführt, der ist inzwischen nicht mehr notwendig. Damit versuchte das Helferteam den speziellen Anforderungen gerecht zu werden. Bild: Archiv Daniel Schottmüller
2016 wurde ein spezieller Tag für Flüchtlinge bei der Villinger Tafel eingeführt, der ist inzwischen nicht mehr notwendig. Damit versuchte das Helferteam den speziellen Anforderungen gerecht zu werden. Bild: Archiv Daniel Schottmüller | Bild: Daniel Schottmüller

Als eine junge Syrerin von etwa 20 Jahren an der Reihe ist, bei Waltraud Jaklin zu bezahlen, kommen die beiden regelrecht ins Plaudern. "Sie hat auf ihrem Handy eine Sprach-App", verrät Ingrid Stockmayer im Vorbeigehen. "Damit hat sie uns schon ein paar Mal aus der Patsche geholfen." Jüngst habe man zum Beispiel das Wort Stachelbeere zusammen ins Arabische übersetzt.

Mittlerweile haben sich die Regalinhalte gelichtet. Der Stapel leerer grüner Kisten am Ausgang ist hingegen mehr als mannshoch. "Nur der Kohlrabi ist heute nicht so gut gegangen", bemerkt Renate Priß, als sie um 17 Uhr dem letzten Kunden beim Hinausgehen den Tafel-Ausweis zurückgibt.

Die drei Ehrenamtlichen lassen die Rolläden hinunter. Für heute ist Feierabend.