Was macht ein Senior, wenn die Rente nicht mehr zu seinem bisherigen Lebensstandard passt? Diese Frage beantwortete der inzwischen 81 Jahre alte Angeklagte aus dem Raum Freiburg mit mehreren Banküberfällen, bei denen er insgesamt 340 000 Euro erbeutete.

Als dieses Geld nach rund zehn Jahren aufgebraucht war, startete der kriminelle Senior einen erneuten Versuch, eine Geldquelle illegal abzuschöpfen. Er hatte allerdings nicht mit der Ausdauer und den Fahndungsmethoden der Polizei gerechnet. Zum einen hatte der Überfall in Balingen nur rund 35 000 Euro eingebracht, zum anderen klickten beim Verlassen der Sparkasse am 2. Mai die Handschellen.

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Das Landgericht Hechingen ahndete nun nach zwei Verhandlungstagen diese Art der Geldbeschaffung mit einer siebenjährigen Freiheitsstrafe. Die große Strafkammer aus zwei Berufs- und zwei Laienrichtern unter Vorsitz des Vizelandgerichtspräsidenten Hannes Breucker befand den Rentner in drei Fällen der schweren räuberischen Erpressung und in einem weiteren Fall der versuchten räuberischen Erpressung schuldig.

Der von Anfang an geständige Täter wird die Strafe in einer speziell für Verurteilte ab 60 Jahren eingerichteten Vollzugsanstalt verbüßen. Er hat aber Aussicht darauf, so betonte der Vorsitzende Richter, bereits vor Ende der regulären Haftzeit entlassen zu werden. Sowohl der verurteilte Täter als auch Staatsanwalt Michael Schneider nahmen das Urteil sofort an. Es wurde damit rechtskräftig.

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Als besonders schwerwiegend werteten die vier Richter den Überfall am 9. Dezember 2009 auf die Commerzbank-Filiale in Villingen. Dabei spielte weniger die Beute von 110 000 Euro eine Rolle, sondern die Vorgangsweise des aus der Nähe von Freiburg stammenden Täters. Er hatte zwei Bankmitarbeiter gezwungen, Attrappen von Handbomben in die Taschen ihrer Anzugsjacken zu stecken. Weil die Banker nicht wussten, dass es sich um harmlose Attrappen handelt, glaubten sie sich in Lebensgefahr und gerieten dadurch, wie sie vor Gericht aussagten, in Todesangst. Das dadurch erlittene Belastungstrauma war für einen der beiden Bankangestellten einer der Gründe für mehrere Krankenhausaufenthalte. Heute ist der im Kreis Tuttlingen lebende Mann arbeitslos.

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Nach drei Jahren war die Villinger Beute aufgebraucht. Nächstes Ziel eines mit 230 000 Euro aus Sicht des Täters erfolgreichen Raubzugs war die Sparkasse in Waldkirch. Diese Summe reichte dem Täter bis 2019. Der nächste Beutezug in die Sparkasse Balingen wurde dem Senior dann zum Verhängnis.

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Natürlich war die Polizei in den zehn Jahren nach dem ersten erfolgreichen Überfall nicht untätig geblieben. Aber weder die akribische Fahndungsarbeit, noch die zwei Mal eingeschaltete Fernsehsendung Aktenzeichen XY brachten die Beamten weiter. Wie einer der Fahnder vor Gericht aussagte, rechnete er sich aus, wie lange bei einem durchschnittlichen Geldbedarf die Beute ausreichen würde. Er nahm an, dass dann der Rentner erneut zuschlagen würde.

Deshalb war es für die Kriminalisten keine Überraschung, als der Täter 2019 wieder auftauchte. Er ging nach der gleichen Masche wie früher vor und drohte mit einer Bombenattrappe. Damit hatte er zunächst in Waldkirch keinen Erfolg. Er überreichte dem Regionalleiter einer Bank dort einen Zettel, auf dem er die Forderung nach 100 000 Euro mit der Drohung verband, zehn Kilo TNT-Sprengstoff zu zünden, falls er die Summe nicht bekäme. Anstatt auf die Forderung einzugehen, flüchtete der Bankchef durch eine Sicherheitstür und ließ den Rentner in der Schalterhalle stehen. Unverrichteter Dinge ergriff der Senior die Flucht.

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Weil er immer gleich vorging, sich stets gleich verkleidete und Aufnahmen einer Überwachungskamera vorhanden waren, war es für die Kripo nun kein Problem mehr, eine Bankenwarnung in Umlauf zu bringen. Deswegen erkannten die Mitarbeiter der Sparkasse in Balingen im Mai die Gefahr, alarmierten rechtzeitig die Polizei.

Der 81-Jährige bekannte sich über eine von seinem Verteidiger Fritz Westphal verlesene Erklärung in allen Anklagepunkten schuldig. Sein Motiv wurde während des Prozesses deutlich. Er hatte durch die Pleite der Lehman-Bank in den USA viel Geld verloren. Sogar das Haus musste verkauft werden. Wie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer ausführte, wollte der Angeklagte für sich und seine Angehörigen den Lebensstandard halten. Das war, wie Schneider feststellte, trotz der vergleichsweise guten Rente nicht möglich. Er beantragte sieben Jahre Haft. Der Verteidiger stellte die Haftdauer in das Ermessen des Gerichts.

 

Räuberische Erpressung

 

Das Strafgesetzbuch sieht für dieses Delikt, zu dem auch Banküberfälle gerechnet werden, Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren vor. Für die drei Banküberfälle erkannte die Strafkammer auf insgesamt rund 13 Jahre Haft. Dazu kommen noch zwei Jahre für den versuchten Überfall in Waldkirch. Das wären dann insgesamt 17 Jahre. Diese Einzelstrafen wurden auf die erwähnten sieben Jahre Gesamtfreiheitsstrafe reduziert. Angesichts der hohen kriminellen Energie und der Leiden besonders der beiden erwähnten Zeugen hätte die Strafe, so Breuker, noch höher ausfallen können. Allerdings müssen die Richter auch Zukunftsperspektiven in Freiheit für den Verurteilten berücksichtigen.