Demokratisches Verhalten ist nicht angeboren, sondern muss wie Schreiben oder Rechnen gelernt werden. Diese Ansicht vertritt Nadine Schumacher, Leiterin der Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung. Gemeinsam mit Mitgliedern des Jugendgemeinderats stellt sie die Arbeit des Jugendgremiums und eine Neuerung für die kommenden Wahlen vor: Kandidaten können sich nun auch im Internet bewerben.

Noch auf Kandidatensuche

Im November wird ein neuer Jugendgemeinderat gewählt. "Wir sind noch auf Kandidatensuche", erklärt Nadine Schumacher. Noch bis Donnerstag, 27. September, können Interessierte zwischen 14 und 21 Jahren, die in Villingen-Schwenningen leben oder dort zur Schule gehen, bewerben. "Ein Kandidat braucht kein Vorwissen", erklärt Lea Bloß, stellvertretende Vorsitzende des Jugendgemeinderats. "Es werden lediglich Interesse, Neugierde und Motivation benötigt", sagt sie. Alles weitere werde in der Praxis gelernt oder beim Einführungsseminar, das dieses Jahr vom Samstag, 8. bis Sonntag, 9. Dezember, stattfindet.

So wird die Tätigkeit aussehen

Doch was erwartet einen Jugendlichen, der in dieses Gremium gewählt wird? "Der Jugendgemeinderat ist kein Planspiel", sagt Nadine Schumacher. "Die Mitglieder verfolgen die Anliegen der Jugend in unserer Stadt, führen Diskussionen, sprechen mit der Presse, lernen politische Akteure und Ämter kennen." Das sei auch für das weitere Leben wichtig. "Bei dieser Arbeit werden wir sehr ernst genommen", sagt Sören Pfundstein, Vorsitzender des Jugendgemeinderats. "Wir haben auch schon erlebt, dass Mitglieder des Gemeinderats auf uns zukamen und zu verschiedenen Vorhaben unsere Meinung haben wollten." Das Vorzeigeprojekt der bisherigen Arbeit – der Jugendgemeinderat besteht seit 2015 – ist die Planung des Skateparks am Klosterhof. "250 000 Euro hat der Gemeinderat uns zugesichert", sagt Pfundstein. Außerdem soll der Stadtverwaltung bald schon ein Mobilitätsplan überreicht werden. "Die Jugendlichen nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel noch am ehesten. Sie wissen deshalb genau, wo es noch Probleme gibt", fasst Nadine Schumacher das Projekt zusammen.

Ein Mitglied des Jugendgemeinderats ist für ein Jahr im Amt. "Diese Zeit reicht, um Projekte auf den Weg zu bringen", sagt Sören Pfundstein. Nach der Amtszeit können Mitglieder außerdem eine Verlängerung um ein weiteres Jahr erklären. Eine Wiederwahl wird dafür nicht benötigt. "Diese Mitglieder werden dann zu den neu gewählten Vertretern hinzugezählt", erklärt der Vorsitzende. Aus diesem Grund kann das Gremium jedes Jahr unterschiedlich groß sein: Die 20 gewählten Gemeinderäte plus die Mitglieder, die ein weiteres Jahr politisch aktiv sein wollen. "Für die kommende Amtszeit werden das vier bis fünf Jugendräte sein", sagt Pfundstein. Dies habe den Vorteil, dass erfahrene Mitglieder dem Jugendgemeinderat erhalten bleiben und Projekte und Aktionen auch über einen längeren Zeitraum verfolgt werden können. Sören Pfundstein und Lea Bloß streben beide so eine Verlängerung an. "Wir wollen dann aber im Hintergrund arbeiten und den Vorsitz frei machen", sagt Bloß.

Um die Wahlbeteiligung zu verbessern, wollen die Jugendlichen sich wieder ins Zeug legen: "Wir werden direkt auf Schulen zugehen und dort unsere Arbeit vorstellen", sagt der Vorsitzende. Auch Plakate wurden schon entworfen und gedruckt. "Natürlich sind wir auch auf Instagram unterwegs und haben unser eigenes Modul in der Stadtapp", sagt Nadine Schumacher.