Der Tod des eigenen Kindes gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Die Trauer um ein verlorenes Kind hört auch nicht nach einem Jahr auf, sondern belastet und begleitet Eltern und Geschwister ein Leben lang. Um betroffenen Familien hier eine therapeutische Hilfestellung zu geben, bietet die Kinderkrebsnachsorgeklinik in Tannheim bereits seit vielen Jahren gezielte Reha-Maßnahmen für betroffene Familien an. Aus dieser Erfahrung heraus ist nun ein Buch unter dem Titel "Zurück ins Leben" entstanden. Das Konzept für dieses Buch haben die Journalisten Dieter Wacker, ehemaliger stellvertretender Redaktionsleiter des SÜDKURIER, Wilfried Dold aus Vöhrenbach zusammen mit Jochen Künzel, dem Leiter der Verwaisten-Reha und Roland Wehrle, Klinikgeschäftsführer und Stiftungsvorstand der Deutschen Kinderkrebsnachsorge, entwickelt. Neben vielen Interviews mit betroffenen Familien finden sich auch einige Beiträge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Nachsorgeklinik und weiteren Journalisten.

Eine Dokumentation

"Das ist kein Trauerbuch, sondern eine Dokumentation, die Angehörigen und Mitarbeitern helfen soll, besser mit der Situation umgehen zu können", so Wehrle. Da derzeit die Nachsorgeklinik in Tannheim im Grunde genommen immer noch die einzige Klinik mit einem derartigen Reha-Angebot im Bundesgebiet sei, hofft Wehrle, mit diesem Buch auch weitere Kostenträger und Verantwortliche für solch ein Angebot zu gewinnen. "Wir bieten pro Jahr bis zu 80 Familien solch eine Reha an", sagt Wehrle, "aber damit sind wir mit unserer Kapazität erschöpft, und der Bedarf ist weitaus größer". Außerdem würden immer noch nicht alle Kostenträger solche Maßnahmen unterstützen.

Abseits des Alltags

In diesem Buch wird anschaulich und verständlich beschrieben, wie so eine Reha-Maßnahme für verwaiste Familien in der Nachsorgeklinik Tannheim im Detail abläuft. "Solch eine Reha schließt die ganze Familie ein und dauert vier Wochen, abseits des Alltags und zusammen mit anderen Familien", führt Jochen Künzel aus. Es kommen sowohl Familien, die ein Kind durch Krankheit verloren haben, aber auch welche, deren Kind durch einen Unfall zu Tode gekommen ist. "Ich mache das nun schon viele Jahre, aber jeder Fall ist anders", so Künzel, "aber in der Gruppentherapie, gemeinsam mit acht Familien, können wir helfen, das Leid zu mindern und die Trauer um das verlorene Kind besser bewältigen zu können". In der Gruppentherapie können die Familien nicht nur gemeinsam trauern, sondern lernen auch wieder das gemeinsame Lachen.

Gespräche mit Experten

In dem Buch kommen auch Experten wie Roland Kachler oder Chris Paul zu Wort, die sich seit vielen Jahren mit den Themen Verlust, Trauer und deren Bewältigung beschäftigen. Der Klinikseelsorger Karl-H. Richstein äußert sich zu Fragen des Glaubens im Zusammenhang mit dem Tod. Die Freiburger Bestatterin Dorothea Klaer berichtet über besondere Rituale rund um die Beerdigung von Kindern.

Schmerzhafte Erfahrungen

Eine ganz wichtige Rolle nehmen in diesem Buch Familien ein, die ein Kind verloren haben. Sie haben den Autoren ihre ganz persönlichen Geschichten erzählt oder berichten selbst über ihre schmerzhaften Erfahrungen. "Selten sind mir in meiner langjährigen journalistischen Laufbahn Interviews so nahe gegangen wie bei diesem Projekt", so Dieter Wacker, der auch die redaktionelle Leitung bei diesem Buch übernommen hat.

Die Beiträge über Familien sind keine voyeuristischen Einblicke, sondern sensibel geschriebene Texte, die dem Buch die Seele und ein großes Stück weit die Authentizität geben. "Trauer wird vonseiten mancher Kostenträger immer noch nicht als Krankheit eingeschätzt", so Wehrle, "aus Erfahrung wissen wir aber, dass es durchaus ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor sein kann, wie schnell ein Betroffener wieder am normalen Arbeitsalltag produktiv teilnehmen kann".