Die Schwenninger Legende in der Uhrenherstellung, das Familienunternehmen Mauthe, kämpft wieder um Marktanteile auf dem Markt der Zeitmesser. Zumindest knapp 40 Kilometer abseits der ehemaligen Werkräume in exponierter Lage in der Schwenninger Innenstadt, in der 3500-Seelen-Gemeinde Wehingen im Landkreis Tuttlingen.

Bernd Mauthe hat sich die Markenrechte des prestigeträchtigen Uhrenherstellers gesichert und produziert seit 2011 in einer Halle in der Daimlerstraße. Dabei sagt der ehemalige technische Leiter eines namhaften Uhrenherstellers im Südwesten mit über 30 Jahren Berufserfahrung: „Ob ich mit den Mauthes des Familienunternehmens hinsichtlich meines Nachnamens über fünf Ecken verwandt bin, weiß ich nicht. Ich habe familienhistorisch auch nie danach geforscht.“

Eines verbindet Mauthe und Mauthe jedoch definitiv im Geiste: die Ansprüche an eine gehobene Qualität, welche das Prädikat Made in Germany auch bei den Zeitmessern einst in die Welt trug. So geht die jetzige Mauthe Uhren GmbH den Weg einer klassischen Manufaktur, bei der 90 Prozent der in einem mechanischen Uhrwerk benötigten Teile in überwiegend handgemachter Eigenregie hergestellt werden.

Bei der Produktpalette knüpft der neue Mauthe keineswegs an die Produktneuheit des so genannten Kiss-Kiss-Weckers an, der 1974 als letzter Rettungsanker des damals insolvenzreifen Mauthes in Schwenningen wider den Untergang auf den Markt geworfen wurde. Erlesene Individualanfertigungen im Premium-Bereich für gut betuchte Kunden, deren Wunsch nach Stil und Optik weit über das Maß der Stangenware hinaus geht, stehen auf dem Programm. Knapp vier Jahre bewegte sich Bernd Mauthe im kundenspezifischen Projektbereich, die Pläne der Einzelkompositionen sind Verschlusssache, mit intensiver Kundenabstimmung. Erst zum Jahresende 2015 wurde auf der Messe Munichtime eine schmucke Kollektion mit einem Portfolio von acht Uhren präsentiert, welche bezeichnende Namen wie Shalise, Dulcia oder Seraphina tragen. Das Preissegment ist mit einem Betrag ab 4000 Euro klar definiert. „Bei uns suchen die Leute etwas, was Lieschen Müller zu Hause nicht hat“, blickt Bernd Mauthe auf seine Uhren.

Für den schlichteren Geldbeutel finden Swarovski-Schmucksteine Verwendung, auf Kundenwunsch gehen auch Edelsteine, Gold und Silber ihren Weg in die Sockel. Die Räder, Zeiger oder Federn werden nach traditionsreichem Kunsthandwerk in Fertigungsprozessen von mehreren hundert Arbeitsstunden hergestellt. Über 60 Prozent der Produktion ist pure Handarbeit. Etwa die Hälfte der Aufträge ist noch von Individualbestellungen geprägt. Eine minimale Kooperation mit einem Schweizer Partnerunternehmen besteht noch bei der Montage der Gangregler. „Wir sind einfach noch zu jung und klein, um diese Lücke entgültig zu schließen. Sollten Manpower und Investitionen folgen, werden wir auch diese Fertigung komplett im Hause machen“, so Mauthe.

Besonderen Aufwand erfordern die hausintern vollbrachten Emaillierungen, das Schleifen, Polieren und die Goldschmiedearbeiten in Handarbeit. „Die eigene Kreativität mit höchster Präzision und edelsten Materialien in ein formschönes Design bringen“, verweist Mauthe auf das selbstgesteckte Ziel in seinem Internetauftritt. „Kein Spielraum bei der Qualität, selbst die Uhren der Kollektion sind durch die Handarbeit eigentlich immer noch Unikate“, beschreibt Mauthe seine Arbeitsweise und blickt ehrfürchtig auf die Pionierleistung von Friedrich Mauthe aus Schwenningen zurück. „Vor ihm ziehe ich heute noch den Hut. Über 1000 Mitarbeiter, fünf Generationen mit fast 150 Jahren Unternehmensgeschichte. Dazu weltweite Kundschaft.“

Der Abnehmerkreis von Bernd Mauthe umfasst heute ebenfalls eine internationale Gemeinde mit besonderen Ansprüchen, darunter das Königshaus von Abu Dhabi. In Anlehnung an das traditionsreiche Haus führt das Label auch heute den Adler mit Schriftzug: „Mauthe. Since 1844. World finest clocks handmade in Germany.“