"Desch isch dä Dumme, där schittelt diä Pflumme, där liest sie uf, där träit sie haim un dar klai Luusär isst si alle älei." Oder "Schlaf, Kindlein, schlaf, der Vater hüet die Schaf, die Muetter schüttelts Bäumelein, da fällt herab ein Träumelein, schlaf Kindlein schlaf". Kurz nachdem Bärbel Brüderle beim Muettersprochstammtisch der Villinger Gruppe erscheint, geht es im Café Leute nonstop mit Kinderliedern und -Reimen los. Die Vorsitzende ist in ihrem sympathischen Eifer fast nicht zu bremsen und die an diesem Tag kleine Gruppe hängt an ihren Lippen.

Krankheitsbedingt und eventuell auch hitzebedingt sind es an diesem Tag nur acht Mitglieder, die sich dem von Brüderle vorgegebenen Thema widmen. Angela Klein, früher Kindergärtnerin, hat gleich mehrere Bücher zu dem Thema mitgebracht, die auf großes Interessen stoßen. "Zeig mal", heißt es immer wieder mal, wenn ein weiteres Mitglied zur Gruppe stößt.

Während dessen zieht Bärbel Brüderle das ein ums andere lose Blatt hervor und weiter geht es. "Ringel, Reihe, Rose, schöne Aprikosen, Veilchen blau, Vergissmeinnicht, alle Kinder setzen sich". Und schließlich landet die bis auf Julius Grießhaber durchwegs weibliche Gruppe mit dem "Fuchs geht rum" bei den Spielen. "Friiär hät mer kenne no uf dä Stroß spilä, do isch kei Auto kumme", erinnert sich Anneliese Waldvogel und wird darin von Ingrid Hoge bestärkt.

Hoge spricht zwar kein Alemannisch, obwohl sie in Villingen aufgewachsen ist, aber die Gesellschaft in der Gruppe gefällt ihr und die Gespräche "wirken bei mir oftmals nach". Zuhause schlägt sich dann den einen oder anderen Begriff auch mal nach. Auf ihre Aussage, dass sie alles verstehe, weil der Dialekt nicht so schlimm sei, bekommt sie gleich die Retourkutsche aus der Gruppe. "Aber so urig, dass Dus bis hiit no itt kasch." Ein Beitrag, der von allen mit Lachen quittiert wird. Der Spaß, den alle in der Gruppe haben, ist deutlich spürbar.

Im kommenden Jahr besteht der Stammtisch 20 Jahre, die Muettersproachgsellschaft ist 50 Jahre alt. Was Bärbel Brüderle an der Mundart so wichtig ist, kann sie auf den ersten Blick gar nicht sagen. Sie gibt Identität, "mer ghert irgendwo na und kennt sinne Wurzle". Für sie ist das Alemannische auch kein Dialekt, sondern eine eigene Sprache, die in der Schweiz, im Allgäu, Vorarlberg und im Elsaß gesprochen wird. Und trotz aller Unterschiede "vostohn sich alle".

Ob das so bleibt? In der Stammtischgruppe jedenfalls kämpft man um Nachwuchs. Die Mitglieder gehören alle schon der älteren Generation an, Nachwuchs ist auch in diesem Verein gesucht. "Schriibe sie des, vilicht kunnt dann ebber". Treffpunkt ist jedenfalls jeden dritten Dienstag um 15 Uhr im Café Leute. Und Interessenten sind jederzeit willkommen.