Zum Abschluss des Prozesses um mehrmaligen schweren sexuellen Missbrauch an einem vier bis sechs Wochen alten Baby und an einem acht bis neun Jahre alten Kind fand Joachim Dospil, der Vorsitzende Richter der Zweiten Strafkammer am Konstanzer Landgericht, deutliche Worte: „Das war ein ganz schreckliches Verfahren, mit dem wir es hier zu tun hatten.“ Es ging um ein ehemaliges Paar, das zeitweise gemeinsam im Raum Villingen-Schwenningen lebte, und sich durch bizarre sexuelle Fantasien über Missbrauch und Vergewaltigung nicht nur aufstachelte.

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Die Zweite Strafkammer sieht es als erwiesen an, dass sich die heute 31 Jahre alte Mutter im Jahr 2017 an ihrem wenige Wochen alten Baby oral vergangen hatte, angefeuert durch Handybotschaften ihres damaligen Partners, der „richtig heiße“ Bilder und Videos forderte. Teilweise hatte er diese dann auch bekommen. Ebenfalls in Bildern festgehalten waren Szenen, in denen das acht bis neun Jahre alte Mädchen im Jahr 2012/13 den heute 42-Jährigen mit Mund und Hand sexuell befriedigte. Diese Bilder und Tausende gewalt-erotisch aufgeladene schriftliche Dialoge auf Handy dienten dem Gericht unter anderem als Beweismittel.

Ebenso die Angaben des missbrauchten Mädchens, das heute im jugendlichen Alter ist. Deren Aussagen wertete eine hinzugezogene Psychologin in einem Gutachten als glaubwürdig. Die Strafkammer verurteilte den Mann zu fünf Jahren Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs in drei Fällen, wegen der Anstiftung dazu in vier Fällen und wegen dem Anfertigen kinderpornografischer Bilder zum Eigengebrauch. Die Frau muss drei Jahre in Haft, unter anderem wegen drei Fällen schweren sexuellen Missbrauchs und dem Anfertigen pornografischer Bilder mit Kindern.

„Perverse Bedürfnisse“

Der Frau hielt die Kammer zugute, dass sie Teile der Vorwürfe eingeräumt hatte, und dass durch sie das Verfahren überhaupt ins Rollen gekommen war. Sie hatte sich an eine Familienhelferin gewandt, weil sie sich bedroht und erpresst fühlte durch den früheren Partner. Dabei soll es um ein Video gegangen sein, indem die Frau dem Mann versprochen hatte, er werde der Erste sein, der sexuell mit ihrer Tochter verkehren dürfe. Das Paar habe seine „perversen sexuellen Bedürfnisse“ gnadenlos auf Kosten der Kinder ausgelebt, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Beide hätten ihren ausgeprägten Sexualtrieb und ihre Fantasien nicht im Griff gehabt und sich gegenseitig hochgeschaukelt. Beide hätten keinerlei Einfühlung in Bezug auf die geschädigten Kinder gezeigt. Als besonders schlimm wertete es Dospil, dass sich die Mutter nicht hinter ihre Tochter gestellt hatte, als diese schon 2013 in der Schule Andeutungen über den sexuellen Missbrauch gemacht hatte. Sie sei zum Widerruf überredet worden. Die Kinder der Verurteilten leben inzwischen in einem Kinderdorf. Im Strafmaß berücksichtigte die Kammer, dass die Zahl der nachgewiesenen schweren Missbrauchsfälle überschaubar war.

„Das war ein ganz schreckliches Verfahren, mit dem wir es hier zu tun hatten.“
Joachim Dospil, Vorsitzender Richter

Unmittelbar nach der Verurteilung wurde der 42-jährige Ex-Partner noch im Gerichtssaal festgenommen. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, Revision ist zugelassen, muss er vorerst in Untersuchungshaft. Die Strafkammer erläuterte, sie wolle so einer Fluchtgefahr und denkbaren Kurzschlussreaktionen vorbeugen. Der Langzeitarbeitslose hat nach Ansicht der Kammer niemanden mehr, der ihn stützen könnte. Der Mann hatte im Prozess die Vorwürfe abgestritten.

Er sei kein Pädophiler, sondern das Opfer einer Intrige. Seine frühere Partnerin habe ihn mit K.-o.-Tropfen betäubt und die Tochter dann zu den sexuellen Handlungen an ihm angestiftet. Ein Polizeibeamter hatte als Zeuge in der Verhandlung gesagt, die Körperhaltung auf den Bildern spreche gegen diese Version. „Schade, dass Sie nicht dazu stehen können“, sagte Dospil mit Blick auf die Taten des Mannes. Zu beiden sagte er: Er hoffe, dass es ihnen in Haft gelinge, über ihre Vergehen nachzudenken, und sich einer Sexualtherapie zu unterziehen.