In den Schwenninger Messehallen hob der scheidende IHK-Präsident Dieter Teufel die Stärken der mittelständisch geprägten Industrie im Schwarzwald hervor. „Im angeblich ländlichen Raum geht manchmal mehr als in Ballungsräumen“, sagte Teufel. Den Begriff „ländlicher Raum“ bezeichnete er allerdings als unpassend. „Wir sind – bei aller Achtung vor der Bedeutung der Landwirtschaft – kein Acker- und Weideland, sondern ein weltweit aktiver Industriestandort mit hoher Wertschöpfung“, sagte er. Sinnvoller sei es von der „kleinteiligen Wirtschaftsmetropole Schwarzwald-Baar-Heuberg“ zu sprechen.

Teufel betonte, wie wichtig es für den Mittelstand sei, auf Qualität zu setzen. „Qualität ist für den Mittelstand die einzige Möglichkeit, sich im knallharten Wettbewerb der heutigen Zeit durchzusetzen“, sagte er. Nur wer besser sei als die Großen werde am Markt bestehen. Einen Seitenhieb teilte Teufel Richtung VW aus. „Wer wie Volkswagen beim Abgas schlampt und sogar betrügt und danach den deutschen Kunden arrogant die kalte Schulter zeigt, kann sich das nur aufgrund seiner Größe leisten“, sagte er. „Bei einem anständigen Mittelständler würde man nicht einfach darüber hinweggehen.“ Lobende Worte fand Teufel dagegen für die Großkonzerne Daimler und Thyssen­Krupp. „Die Großbetriebe haben zwar hochtechnologische Stützpunkte in unserer Region, werden damit aber unsere mittelständische Struktur nicht dominieren“, sagte er. Regionale Zulieferer und Dienstleister würden von ihrer Präsenz profitieren. Daimler hat in Immendingen ein Prüf- und Technologiezentrum mit Teststrecken zum autonomen Fahren errichtet. ThyssenKrupp baute in Rottweil einen 246 Meter hoher Turm zum Testen von Aufzügen.

Kritisch äußerte sich Teufel zur weiter steigenden Zahl von Hochschulabsolventen. Unsere Gesellschaft leide unter einem „Akademisierungswahn“. Die Studienabbrecherquote von 30 bis 40 Prozent zeige, dass irgendetwas an unserem Bildungssystem faul sei. Dagegen lobte Teufel die duale Berufsausbildung, wo die Abbrecherquote gerade einmal drei Prozent betrage.

Die wirtschaftlichen Aussichten für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg bezeichnete Teufel als „wundervoll“. Die Arbeitslosigkeit sei „minimal“ und die Industriedichte mit 46 Prozent europaweit führend. Für Dieter Teufel war die Neujahrsrede der letzte große öffentliche Auftritt als IHK-Präsident. Der Steuerberater aus Tuttlingen tritt nach 20 Jahren an der IHK-Spitze nicht mehr zur Wiederwahl an. Sein Nachfolger soll am 11. April bestimmt werden.

Was Roland Mack in Schwenningen sagte

Roland Mack, Chef des Europaparks in Rust, sprach auf dem Neujahrsempfang über die Digitalisierung, Bildung und den ländlichen Raum. Hier die wichtigsten Aussagen:

  • Digitalisierung: Die Digitalisierung sei ein Themenfeld, dass tief in unseren Alltag vordringe und unsere Lebenswirklichkeit verändere. „Die Digitalisierung modernisiert alles, was unseren Tag bestimmt“, sagte Mack. Pointiert spitzte er die Veränderung im Vergleich zu früher zu: „Fragte mein Vater etwas technisch Kompliziertes, antwortete ihm ein Ingenieur – heute antwortet Alexa von Amazon.“
  • Bildung: Deutschland sei ein ressourcenarmes Land. Deshalb müsse unsere Gesellschaft „den Schatz der Bildung heben". Unter anderem plädierte Mack für Französisch-Unterricht schon in der Grundschule.
  • Ländlicher Raum: Abseits der großen Metropolen schlummere viel Potential, sagte Mack. „Dort gibt es Platz für freies Denken, Wohnen und schöne Kindheitstage“, sagte er. Wichtig sei, dass der ländliche Raum möglichst bald mit schnellen Internetverbindungen ausgestattet werde. Dann sei die Digitalisierung mehr Chance als Gefahr. Durch die Unabhängigkeit von Räumlichkeit in der digitalen Welt könnten Gemeinden wie Bonndorf, Waldkirch oder Nagold zu Digitalisierungsgewinnern werden. Die Politik müsse dafür sorgen, dass die Infrastruktur, insbesondere die Versorgung mit Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten, in kleinen Kommunen erhalten bleibe.