Zwei Abende ein ausverkauftes Haus mit Gästen aus der ganzen Region, jeweils dreieinhalb Stunden Programm. Bekanntermaßen kleckert die Narrenzunft Schwenningen bei ihren Eröffnungsbällen nicht, sie klotzt. Den Narren graute es vor gar nichts, das Beethovenhaus wurde zum Abschluss seiner Existenz zum Gruselkabinett. Es ist erstaunlich, was sich die Akteure jedes Jahr neu einfallen lassen – immerhin ist es allein im Beethovenhaus das 47. Jahr gewesen, dass die Bälle gefeiert wurden.

Zwölf Punkte umfasste das Programm, bei dem das alte Gemäuer zum Gruselkabinett wurde, in dem die Grabsteine der Gebäudeleichen Schwenningens das Treppenhaus zierten. Das Beethovenhaus sei nach dem Emes-Areal und dem Schlachthof ein weiterer "Lost Place" in Schwenningen, ein Schatten seiner selbst und könne ohne Probleme für jeden Horrorfilm als Kulisse dienen, eröffnete Vize-Zunftmeister Lutz Melzer im Narrenratzwirn der 1949er-Jahre den Abend. In Hollywood als Drehort angeboten und mit OB Rupert Kubon als Horrorclown könnten mit den so verdienten Millionen die Straßen des Grauens der Stadt saniert werden.

Das Programm eröffneten nach dem Fanfarenzugauftakt und dem Einmarsch auf bezauberndste Weise die Power Kids, indem sie, wunderhübschen schwarz-weißen Schmetterlingen gleich, als Hui-Buh-Schlossgespenster über die Bühne huschten. Allein etwa 130 Darsteller – Moosmulle, Fanfarenzug, Stadtmusik, Organisations- , Technik- und Helfercrews noch nicht mitgerechnet – sorgten für einen unvergesslichen Abend, den das Publikum anschließend mit tosendem Beifall belohnte.

Natürlich wurde ausgeteilt. Gegen die Stadtverwaltung und den Gemeinderat im Speziellen, Villingen im Allgemeinen, knüppelhart gegen den OB und überhaupt und sowieso. Beethovens erwachtem Geist (Jochen Schwillo) stank es zum Himmel, Raphael Rabe als "krah krah krah" der kleine Rabe kommentierte mit herausragendem Wortwitz, spitzzüngiger Ironie und spitzer Feder aus den VS-Stadtgeschichten, denn: "Es gibt in vielen Orten Ärger und zuweilen auch Stress, doch solch groben Unfug gibt es nur in VS." Egal, ob gesungen oder gesprochen, alle Pointen trafen ins Schwarze.

Fetzig und mitreißend dargeboten wurden sämtliche Tanznummern vom Publikum bejubelt. Besonders übertrafen sich dabei die Untoten des Männerballetts, des Narrenzunft-Balletts und die Happy Neckar Dancers. Zu den weiteren Akteuren gehörten die Teenie Dancers, die zwei Necklemer (dieses Mal zu dritt), die Schwantastischen, die Angsthasen (Familie Schlenker), Igors Geisterbahn und Beethovens Erben. Alle Kostüme und Masken waren unglaublich detailreich kreiert. Mit dem nunmehr letzten Ball im altehrwürdigen Gemäuer Beethovenhaus hat sich die Narrenzunft ein Denkmal gesetzt. Den ganzen Abend über schwang ein bisschen Wehmut angesichts der alten, tollen und nun vergangenen Zeiten mit. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Narrenzunft mit ihrem Elan in der Neckarhalle nächstes Jahr so klasse weitermacht.