Der einzig wirklich ausgebaute Villinger Turm erhebt sich am Kaiserring. Prächtiges Interieur, liebevolle Gestaltung und das Ganze hinter Schloss und Riegel. Villingen sperrt hier ein echtes Prachtstück weg, andere Kommunen locken an solche Adressen die Touristen und kassieren ein paar Taler. VS ist eben anders. Und voll mit großartiger Geschichte.

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Bild: Jens Fröhlich
Bild: Jens Fröhlich | Bild: Fröhlich, Jens

Historie begeistert. Und bei der Veranstaltung des SÜDKURIER war das in vollen Zügen zu spüren. Oberbürgermeister Rupert Kubon führte die Bürger erst von der einen Turmseite auf die andere, erklärte die Architektur, die sich von anderen Bauwerken dieser Art hier bei uns abhebt.

OB Kubon (links) begrüßt die Teilnehmer der SÜDKURIER-Führung unten vor dem Kaiserturm.
OB Kubon (links) begrüßt die Teilnehmer der SÜDKURIER-Führung unten vor dem Kaiserturm. | Bild: Fröhlich, Jens

Zum Beispiel: Das Gebäude ist nahtlos in der Außenlinie der Stadtmauer eingefügt, nicht zurückgesetzt, wie etwa das Bickentor.

Bei einer exklusiven Führung erkunden SÜDKURIER-Leser Ende August die fünf Etagen des historischen Kaiserturmes in VS-Villingen. OB Rupert Kubon und Hansjörg Fehrenbach erklären die Historie.
Bei einer exklusiven Führung erkunden SÜDKURIER-Leser Ende August die fünf Etagen des historischen Kaiserturmes in VS-Villingen. OB Rupert Kubon und Hansjörg Fehrenbach erklären die Historie. | Bild: Fröhlich, Jens

Der früher als Gerber- und Schnabelturm bezeichnete Turm ist vergleichsweise filigran, seine Mauern sind nicht annähernd so massiv wie etwa die des Romäusturms. Dies liege daran, dass der Turm eher als Wachturm genutzt worden sei, zum Ausspähen und auf die Stadt aufpassen, durchaus auch vor dem Ausbruch eines Feuers. Geschossen worden sei vom Kaiserturm aus früher wohl auch, eher kleinkalibrig aber, erklärte der Rathaus-Chef.

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31 Meter hoch ist das Kaisertürmle, skizzierte Kubon die Ausmaße, und Hansjörg Fehrenbach, der als Kenner der Villinger Türme die Tour mit leitete, ergänzte: „Aber nur, wenn man bis zur Dachspitze misst.“ 1220 wurde die Stadtmauer gebaut, der Kaiserturm sei in nur einem Jahr hochgezogen worden. „Aha, raunte ein Bürger aus der Zuhörerschaft: So lange würde es also nur dauern, wenn man endlich mal das fehlende Niedere Tor wieder aufbauen würde. Oder wäre das heute viel komplizierter?“

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Fakt ist: Der Kaiserturm wurde von innen nach außen gebaut. Das Gerüst auf den erstellten Mauern immer höher gesetzt. Der Grundstein von 1373 ist am Durchgang von innen rechts zu sehen. Die ältesten Teile des Turms seien die Dachbalken, sie sind auf das Jahr 1370 terminiert worden.

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Der Turm ist heute ein Villinger Stadtmuseum, heißt aber nicht so. In der Wachstube ganz oben ist eine Villinger Bilderstafette zu sehen. Auf jeder Etage gibt es viele Erklärungen zur Stadt und tolle Dokumente wie etwa eine Darstellung des Angriffsplans des Franzosen Tallard am 17. Juli 1704. Und der Verweis auf den 22. Juni des selben Jahres, als Tallard abziehen musste, weil seine Kriegeskünste andernorts gebraucht wurden.

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Kubon, frisch zurück aus dem Kanada-Urlaub, führte mit seiner ganzen Historienkenntnis durch die Stockwerke. Er erklärte Villingens Architektur auch am Beispiel der Freiburger Wehranlage und an der von Neuf-Brisach. Hansjörg Fehrenbach zeiget das älteste Foto von Villingen, das hier abgebildet ist. Eine Szene mit dem Vortor am Bickentor ist darauf abgebildet. Entdeckt wurde das Bild bei der Sanierung des Denkmals am Kaiserring, als im Fuß eine Messingkassette gefunden wurde, in der das Bild eingelagert war.

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Das Kaisertürmle heute ist nicht ganz so, wie es früher einmal aussah. Natürlich gab es in der Stadtmauer seinerzeit keinen Durchgang. Dieser sei hier vor 1900 angelegt worden, es sei die Zeit gewesen, als Villingen die heute bekannten Anlagen bepflanzt habe. Die vielleicht größte Schau ist auch in diesem Turm die Aussicht. In gerader Linie gegenüber ist der Romäusturm sichtbar.

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ein seitlicher Blick auf Münster und Johanneskirche, Impressionen von Villinger Dachlandschaften.

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Und: Der museale Charakter im Turm am Kaiserring ist Resultat von Bemühungen vieler Villinger Firmen, die sich diesen sehr detailverliebten und stilsicheren Ausbau zur Herzenssache gemacht hatten. Leider: Viele der Firmen von damals gibt es heute nur noch in der Erinnerung.

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Video: Aufstieg in den Villinger Kaiserturm