In Erinnerungen schwelgen, geheime Gänge erkunden und entdecken, was sich in den St. Ursula-Schulen seit ihrer Schulzeit getan hat, das konnten 21 SÜDKURIER-Leser bei einer exklusiven Führung. Schulleiter Johannes Kaiser führte die Gewinner der Aktion „SÜDKURIER öffnet Türen“ persönlich durch die geschichtsträchtige Schule, die einst ein Kloster war, das bis zum Sommer 2015 bestand.

Kaiser ist seit 1986 an der Schule und mittlerweile schon 14 Jahre Schulleiter und hatte so manche Anekdoten in petto, sehr zur Freude der ehemaligen Schüler, die auch mit netten Geschichten ihren Beitrag zur Unterhaltung leisten konnten.

In der Aula, der früher ein Innenhof war und nicht betreten werden durfte, empfing Kaiser die Gruppe. „Eine der Türen führte vom Innenhof zum Waschhaus, und über dem Hof hing die Unterwäsche der Schwestern“, sagt Kaiser. Er erinnert an die vorletzte Superiorin Schwester Marie, die den jungen Lehrern sagte: „Als wir noch Stallungen hatten, war hier das Sauhöfle, und manchmal ist es nach der großen Pause immer noch eins“.

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In den vergangenen Jahren hat die Schule einige Veränderungen erfahren. Im Ostflügel herrscht noch Ruhe, nachdem die Schwestern ausgezogen sind. „Lediglich im unteren Stock wurde das Refektorium zur Mensa umgestaltet, der mittlere Stock wird bleiben und im oberen Stock wird die Tagesschule eingerichtet“, so Kaiser über die Baumaßnahmen, die im nächsten Sommer beginnen. Das werde dann der dritte Bauabschnitt.

Der Nordflügel wurde bereits im ersten Bauschnitt fertiggestellt und seit Kurzem ist auch der zweite Bauabschnitt beendet, der Bereich über der Turnhalle hin zum Bärengebäude. Bevor es dann auf die Tour ging, gab es noch Angaben zu den Kosten der Sanierung. „Wir haben ein Volumen von 6,7 Millionen Euro, die in den drei Bauabschnitten verbaut werden, wobei der größte Teil des Geldes aus dem Kirchensteuertopf kommt“, sagt Kaiser. Rückstellungen aus der Schulstiftung, Zuschüsse und ein bisschen Geld vom früheren Kloster würden zur Finanzierung beitragen.

Für 21 SÜDKURIER-Leser/innen öffneten sich am Donnerstag die Türen zu den St. Ursula-Schulen und wurden von Schulleiter Johannes Kaiser und Redaktionsleiter Norbert Trippl (von links) in der Aula begrüßt.Bild: Roland Dürrhammer
Für 21 SÜDKURIER-Leser/innen öffneten sich am Donnerstag die Türen zu den St. Ursula-Schulen und wurden von Schulleiter Johannes Kaiser und Redaktionsleiter Norbert Trippl (von links) in der Aula begrüßt. | Bild: Roland Dürrhammer

Der Weg führte von der Aula mit einem kurzen Schwenk an der Küche vorbei in die Mensa. „Hier besteht die Möglichkeit für alle Schüler, Mittag zu essen“, sagt Kaiser. Ein erstauntes Raunen ging durch die Gruppe, als Kaiser voller Stolz verkündete, dass am Dienstag mit 237 Essen ein neuer Rekord aufgestellt wurde. „Liana Tröndle-Pfleger ist eine wahre Meisterin und kocht immer frisch.“ Eine Mutter zitiert ihre Kinder: „Das Essen schmeckt sehr lecker.“

Auf dem Weg in den ersten Stock erinnert sich Margot Schaumann daran, als hier noch Guzele gebacken wurden und Schwester Marie an Fastnacht die Türen für Stachis und Narros öffnete, obwohl das Kloster für die Fasnacht tabu war. „Wie Kinder haben wir uns gefreut, die Schwestern haben für uns gebacken und wir haben gesungen und geschunkelt“, so Schaumann. Pater Hirt sei sogar als Narro ins Häs gegangen.

Nach 60 Jahren sitzt Roswitha Oppermann wieder an ihrem ehemaligen Tisch.
Nach 60 Jahren sitzt Roswitha Oppermann wieder an ihrem ehemaligen Tisch. | Bild: Roland Dürrhammer

Oben angekommen im Nordflügel, in dem sich einst die Wirtschaftsräume befanden, wurden aus ehemaligen Waschräumen zwei neue Klassenzimmer geschaffen. Durch ein Glas im Boden sind die einstigen Fliesen noch zu sehen. Weiter ging es durchs Treppenhaus. Beim Blick durch Fenster sieht man den Übergang vom Kloster in die Klosterringschule, in der anfangs nur Klosterfrauen unterrichtet haben.

Eine besondere Tür öffnete Kaiser im engen Flur Richtung zweiten Bauabschnitt. „Bei den Umbauten haben wir eine Räucherkammer entdeckt. Sie muss Anfang 20. Jahrhunderts gebaut worden sein“, erzählt Kaiser. Der Bauleiter habe darin einen mumifizierten Schinken gefunden. Kein Klostergeist, aber fast eine Mumie. „Es riecht noch ganz stark nach Mumie“, scherzt Kaiser.

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Besonders stolz ist Kaiser auf den kleinen Konferenzraum im Dachgeschoss und auf die Räume für die Schulsozialarbeit, einst Gästezimmer des Klosters. „Als ich die Räume zum ersten Mal gesehen habe, war ich schon erstaunt: Ein Doppelbett im Kloster?“

Einen anderen Raum hat Roswitha Oppermann noch sehr gut in Erinnerung. Sie war vor 60 Jahren für drei Monate wegen der Erkrankung ihrer Mutter im Internat des Klosters. Ihr Herz ging auf, als sie den Aufenthaltsraum sah und sich auf ihren alten Platz setzen konnte. „Es war für mich wie ein Sechser im Lotto, als ich die Nachricht bekam, an der Führung teilzunehmen“, freut sich Oppermann und erinnert sich an die blaue Schulkleidung mit Baskenmütze, strenge Schwestern und so manche Streiche. „Heute Resümee gezogen, war es eine schöne Zeit“.

Die Besucher im ehemaligen Waschraum des Klosters, heute Klassenzimmer.
Die Besucher im ehemaligen Waschraum des Klosters, heute Klassenzimmer. | Bild: Roland Dürrhammer

Über einen Außensteg, mit toller Aussicht über den Schulgarten, zur Hans-Kraut-Gasse und der Klosterringschule, ging es weiter in Richtung Bärengasse. Im zweiten Bauschnitt wurden hier die naturwissenschaftlichen Räume umgebaut. „Wir konnten dem Schulträger eine Wunschliste abgegeben und alle unsere Wünsche wurden erfüllt“, so Kaiser. Man habe in den Räumen und Fluren Schallschutzdecken und moderne Medientechnik.

Platz nehmen wie einst in der Schule hieß es zum Abschluss für die Gruppe im Chemiesaal, um letzte Fragen zur Schule mit Kaiser zu klären. Für die Aufmerksamkeit der Gruppe gab es ein Tütchen St. Ursula-Biogummibärchen und einen kräftigen Applaus für Kaiser. „Bei Schwester Eva-Maria gab es in den Privatgemächern einen Cognac und sie hat nachgeschenkt“, verrät Schaumann. So waren die 70er Jahre.