Polier Simon Fröhlich steht am Dienstagmittag auf der Baustelle in der Rietstraße, blickt in das aufgebuddelte Loch und zählt auf, welche Rohre und Leitungen es dort eigentlich gar nicht geben sollte. Hier eine Gasleitung mehr, die nicht eingezeichnet war, dort eine Stromleitung. "Die Leitung ganz links ist komplett unbekannt, da weiß keiner, wofür die gebraucht wird. Unity Media vielleicht", sagt er.

Es dauert, die Leitungen freizulegen. Millimeterarbeit, sagt Fröhlich. Dann vor allem, wenn noch eine extra Schicht Beton darum gegossen wurde. Mitunter müssen sie die Rohre auch in Handarbeit freilegen. Da die meisten Leitungen am Kreuzungspunkt Marktplatz liegen, haben sie den Großteil nun bereits ausgebuddelt. "Jetzt müsste es schneller gehen", sagt er und blickt in Richtung Färberstraße. Dort wollen sie bis zum 15. November sein. "Wir sind sehr guter Dinge, dass wir das schaffen", sagt Rainer Baumgart. Leiter der Abteilung Straßenbau bei einem kleinen Baustellenrundgang am Dienstag dann auch voller Inbrunst.

Seit zwei Wochen laufen die Bauarbeiten in der Rietstraße. Seit zwei Wochen haben die Arbeiter neben den empfindlichen Leitungen mit einem weiteren, kleinen Problem, zu kämpfen: Der Grundwasserspiegel ist aufgrund des vielen Regens nun ein wenig höher als gedacht. "Jetzt müssen wir 20 bis 30 Zentimeter tiefer graben, als geplant", sagt Baumgart.

Alles kein Beinbruch. Bislang, da sind sich auf der Baustelle alle einig, sei alles noch im Zeit- und Kostenplan. Bis Ende des Jahres sollen nun die Abwasserkanäle bis zur Färberstraße erneuert werden. Bislang sind Regen- und Abwasserrohre getrennt. Künftig soll beides durch ein Rohr fließen. Der Grund: Es gibt immer weniger Abwasser – der Pro-Kopf-Verbrauch hat sich von 140 Liter auf 80 Liter verringert. Dadurch wäre der Durchfluss mitunter zu gering und das Wasser würde zum Stehen kommen, erklärt Baumgart.

Neben den Kanälen werden auch die Hausanschlüsse geprüft. 35 sind es in der gesamten Straße. Die ersten drei haben sie bisher mit einer Kamera abgefahren. "Einer sieht gut aus, zwei sind grenzwertig", sagt Fröhlich. Je mehr Anschlüsse sie austauschen müssen, desto länger dauert es, bis sie weiter nach vorne kommen. "Wir sind optimistisch", sagt Baumgart, "dass wir das gut über die Bühne bringen."

Wer das Ganze nicht so optimistisch sieht, der kann immer dienstags, um 13.30 Uhr, auf dem Münsterplatz im Baustellencontainer vorbeikommen und mit der Bauleitung sprechen. Händler, Anwohner, Bürger kommen dort vorbei. Ihre größte Sorge bisher: die Erreichbarkeit der Wohnung oder des Geschäfts. Wie bringe ich meine Waren rein und wieder raus?

Die Frage, die sich Polier und Bauleiter derzeit wohl am häufigsten stellen: Wie wird das Wetter? Frost ist kein Problem, Regen hingegen eine Katastrophe. "Wenn es richtig regnet, dann geht nichts mehr", sagt Sigg. Die Rohre würden volllaufen. Er hofft jetzt einfach auf gutes Wetter.

Was dem Bauleiter der Regen ist dem Einzelhändler der Veranstaltungsausfall. Auf Drängen der Einzelhändler haben sich die zuständigen Planer bereits im Vorfeld darauf verständigt, die Winterpause so zu legen, dass das Weihnachtsgeschäft nicht beeinträchtigt wird.

Bis Weihnachten ist es noch ein paar Tage hin. Die größte Sorge, die Rainer Böck, Vorsitzender des Gewerbeverbandes (GVO) gerade umtreibt: das Lichterfest am 19. Oktober. Wie wird der Marktplatz dann aussehen? Zu wird er sein, davon ist Baumgart überzeugt. "Er wird komplett bespielbar sein." Auf Bitten des Bürgeramtes habe man sich beeilt, damit die Arbeiten bis zum Lichterfest beendet sind und der Marktplatz in den normalen Ablauf einbezogen werden kann. Als Rainer Böck das hört, sagt er: "Jetzt muss ich noch einmal umplanen." Eigentlich hatte er gedacht, dass das Fest nicht auf dem Marktplatz stattfinden könne. Die Elemente, die für dort benötigt würden, hat er bereits abbestellt. Er wird den Lieferanten heute noch mal anrufen müssen.

Was hingegen erst mal nicht mehr stattfinden kann, sind die Jahrmärkte im Frühjahr und im Herbst. Auch wenn das Bürgeramt das gerne hätte, sagt Baumgart. Aktuell sei man da noch ein wenig im Disput. Ginge es nach ihm, können die Veranstaltungen jedenfalls nicht stattfinden. Zu aufwendig und zu gefährlich sei es. "Es ist immer irgendwo ein Loch und irgendwo liegen immer Pflastersteine, vom Baustellenverkehr ganz zu schweigen." Er hat nun einen entsprechenden Antrag eingereicht.

Auf der Baustelle sind in den vergangenen zwei Wochen nicht nur beständig neue Leitungen aufgetaucht, sondern auch Zuschauer. Seit dem Beginn der Bauarbeiten gab es keinen Tag, an dem sich nicht ein paar Senioren, Jugendliche, oder Eltern mit ihren Kindern, vor den weißen Bauzäunen versammelt und zugeschaut haben, wie der Bagger Erdmassen aushebt oder ein Bauarbeiter Leerrohre verlegt. Simon Fröhlich muss ein wenig grinsen. "Ja", sagt er, "manche grüßt man schon". Ein Jahr werden die Bauarbeiten noch dauern. Simon Fröhlich kennt dann wahrscheinlich halb Villingen.