Untersuchungen der Fischkadaver blieben ebenso ergebnislos wie insgesamt 15 Schlamm- und Wasserproben. Zusätzlich wurde eine Kleinstlebewesen-Untersuchung an einem Brigach-Abschnitt bei St. Georgen veranlasst. Diese habe ergeben, dass diese Fischnährtiere aufgrund toxischer Wirkung stark geschädigt wurden. Im Wasser der Brigach müsse folglich eine giftartige Substanz auf die Fischnährtiere gewirkt haben. Daraus lasse sich jedoch nicht gleichsam schließen, dass auch die Fische an Gift gestorben seien.

Die Ursachenforschung ist damit nicht abgeschlossen. Bereits im September wurde mit einem Fisch-Monitoring begonnen, bei dem die Mitglieder des Anglervereins täglich mehrere Aufzuchtkästen kontrollieren. Geplant ist außerdem eine weitere, vertiefte Gewässeruntersuchung. Auch werde die Stadt St. Georgen im Kanalnetz so genannte Aufwuchskörper installieren. Auf diesen bilden sich Ablagerungen, wodurch wiederum geprüft werden kann, ob sich im Abwasser, das in die Kläranlage gelangt, außergewöhnliche Schadstoffkonzentrationen befinden, die auf irreguläre Einleitungen hinweisen. Zudem soll die Idee verfolgt werden, ob spezielle Untersuchungen des Wassers zwischen St. Georgen und Villingen im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Tübingen und der Hochschule Reutlingen weiterhelfen könnten.

Perspektive für die Angler

Christian Föhrenbach, Vorsitzender der Villinger Anglergesellschaft, ist froh darüber, dass weitere Untersuchungen stattfinden sollen. "Damit sind wir auf dem richtigen Weg. Es ist toll, dass die Behörden aktiv werden und nicht auf der Stelle treten." Für die Anglergesellschaft sei es wichtig, eine Perspektive an der Brigach zu haben. "Angeln bedeutet nicht nur, Fische aus dem Wasser zu holen", verdeutlicht er. Vielmehr hätten die Angelvereine auch Hege- und Pflegeaufträge für die Gewässer, denen sie auch gewissenhaft nachkommen würden. Ein intaktes Ökosystem sei unerlässlich. Nach dem jüngsten Fischsterben hatte der Verein vorerst keine neuen Fische eingesetzt. Die Villinger Angler haben die Brigach von der Stockburger Mühle bis zur Gemarkungsgrenze nach Marbach gepachtet.

Das Fischsterben in diesem Frühjahr ist nicht das erste in jüngster Vergangenheit: Im Sommer 2013 waren hunderte Brigach-Fische an einer Nitritvergiftung verendet, weil die Biologie der St. Georgener Kläranlage massiv gestört wurde. Laut einem Gutachten der Universität Stuttgart hatte höchstwahrscheinlich betriebliches Abwasser die empfindliche Biologie der Anlage aus dem Gleichgewicht gebracht. In der Folge wurde das im Abwasser enthaltene Ammonium zu Nitrit, aber nicht weiter zu Nitrat oxidiert, so dass Nitrit in hoher Konzentration in die Brigach gelangte. Nitrit hemmt die Sauerstoffaufnahme im Blut. Damals hatten Christian Föhrenbach und seine Vereinskollegen etwa 500 verendete Bachforellen, Äschen, Mühlgroppen und Döbel aus der Brigach geborgen.