Die Zukunft der Postfiliale im ehemaligen Postgebäude in der Bahnhofstraße 6 scheint ungewiss. Die Post AG hat den bis Juni 2018 laufenden Mietvertrag für ihren Zustellstützpunkt sowie das Finanzcenter der Postbank nicht mehr verlängert. Die Frage ist daher: Was wird aus dem zentralen Standort der Post in Villingen?

Dies wurde am Mittwoch im Gemeinderat von Stadtrat Bertold Ummenhofer thematisiert. Mit dem Auslaufen des Mietvertrages drohe die Gefahr, dass die Post nicht mehr im Postgebäude untergebracht sei und der Postservice in Villingen auf "Kleinstadt-Niveau" absinken könnte. Ummenhofer forderte die Wirtschaftsförderfrau der Stadt, Beate Behrens auf, mit der Post in Kontakt zu treten, um dies zu verhindern. "Ich habe die Sorge, dass, wenn nicht gehandelt wird, künftig in vier, fünf Lebensmittelgeschäften in Villingen nebenbei noch Briefmarken verkauft werden", erklärte Bertold Ummehofer auf SÜDKURIER-Nachfrage. Der Stadtrat fordert: "Die Bevölkerung muss weiterhin eine Poststelle in einem repräsentativen Rahmen in Villingen haben."

Der Landkreis, der das gesamte Gebäude zum Jahresbeginn von einer Luxemburger Investmentgesellschaft gekauft hat, bestätigte gestern auf SÜDKURIER-Nachfrage den Sachverhalt. Das Gebäude werde derzeit vom Landkreis an die Deutsche Post AG vermietet, diese hat das Foyer mit der Schalterhalle an die Deutsche Postbank AG (seit 2015 Tochter der Deutschen Bank) untervermietet. Der bis Mitte 2018 laufende Mietvertrag beinhalte eine Klausel für eine Verlängerung des Mietvertrages um voraussichtlich ein Jahr. "Es ist richtig, dass die Deutsche Post AG die Option zu einer Verlängerung des Mietvertrages nicht in Anspruch genommen hat", bestätigte die Pressesprecherin des Landratsamtes, Heike Frank.

Weiter berichtete sie, der Landkreis plane derzeit den Umbau und die Nutzung des gesamten Gebäudes für die Verwaltung des Landkreises. Wie berichtet, will der Kreis mehrere seiner Außenstellen mit 100 bis 140 Mitarbeitern in dem Gebäude, das in räumlicher Nähe zum Landratsamt liegt, zusammenfassen und darin auch das Kreisarchiv unterbringen. Der Umbau soll bis zum Herbst 2021 abgeschlossen sein.

Neben dem Postbank-Finanzcenter im Foyer ist im Hauptgebäude auch ein Zustellstützpunkt und eine Postfachanlage der "Deutschen Post DHL Group" untergebracht. Diesen Standort mit 75 Zustellern und Verwaltungsleuten will die Deutsche Post definitiv aufgeben. Gebaut werden soll an anderer Stelle, möglicherweise in einem Gewerbegebiet, ein moderner Zweckbau. "Wir suchen nach einem neuen Standort und führen auch schon erste Gespräche", bestätigte der Pressesprecher des Unternehmens, Hugo Gimber. Über den künftigen Standort ließ die Post DHL Group aber noch nichts verlauten.

Mehr interessieren dürfte die Bürger aber, wo sie künftig ihre Päckchen abgeben, ihre Briefmarken kaufen und ihre Postbank-Geschäfte abwickeln werden. Dazu war gestern von der zuständigen Postbank-Zentrale in Bonn keine Auskunft mehr zu erhalten.

Das Postgebäude

Die Deutsche Post hat sich bereits 2008 vom Gebäude der ehemaligen Villinger Hauptpost getrennt und das 1967 errichtete Haus an eine Investmentfirma verkauft. Sie ist nur noch als Mieter in dem Gebäuder. Am 31. März 2017 hat der Landkreis Schwarzwald-Baar das 3200 Quadratmeter große mehrstöckige Bürogebäude für 1,8 Millionen Euro gekauft, um darin Teile der Kreisverwaltung unterzubringen. (est)