Die Fußball Weltmeisterschaft in Russland interessiert viele Menschen. Die Neugier ist riesig, ob der amtierende Weltmeister Deutschland seinen Titel aus dem Jahr 2014 verteidigen kann. Bei Spielen unserer Nationalelf treffen sich meist tausende Fans in Kneipen, Biergärten, Zelten oder zuhause, um die Partien gemeinsam anzuschauen.

Katerstimmung herrscht am Schwenninger-Bahnhof beim Spiel gegen Mexiko. <em>Bild: Bartler</em>
Katerstimmung herrscht am Schwenninger-Bahnhof beim Spiel gegen Mexiko. | Bild: Bartler Team

Die Straßen sind dann fast menschenleer, Autos fahren nur vereinzelt durch die Stadt. Abseits der Fanmeilen herrscht eine angenehme Ruhe. So war das auch am Sonntag, als unsere Mannschaft ab 17 Uhr gegen Mexiko auflief und kurz vor 19 Uhr als Verlierer den Platz wieder verließ.

Enttäuscht: Mario Gomez, Marco Reus und Joshua Kimmich nach dem Spiel.
Enttäuscht: Mario Gomez, Marco Reus und Joshua Kimmich nach dem Spiel. | Bild: FEDERICO GAMBARINI, dpa

Während das Verkehrsaufkommen und die Ruhe eher gefühlte Werte waren, geben andere Bereiche ganz konkrete Hinweise darauf, dass das Großereignis im weit entfernten Russland, messbare Auswirkungen bei uns im Schwarzwald hat. Wir haben daher viele Daten, die während der Partie von den Stadtwerken und der Stadtverwaltung gesammelt wurden, ausgewertet. Aus einigen Messergebnissen lassen sich interessante Rückschlüsse über die Gewohnheiten von Fußballfans schlussfolgern.

Während die Massen Fußball schauen, können Nicht-Fußball-Fans viele Dinge in aller Ruhe erledigen. Bild: Götz
Fußballfans schauen sich das Spiel Deutschland gegen Mexiko in der Villinger Färberstraße an. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Wasserverbrauch

Am deutlichsten schlägt sich die WM-Übertragung am Sonntag beim Wasserverbrauch der Doppelstadt nieder, ein Phänomen, das sich realtiv einfach mit dem Begriff Pinkel-Kurve erklären lässt. Wie die Auswertung der Stadtwerke zeigt, steigt der Verbrauch rund zehn Minuten vor dem Anpfiff am Sonntag deutlich an. Vermutlich haben viele Fans vor lauter Nervosität noch einmal die Toiletten aufgesucht und artig die Spülung gedrückt und ihre Hände gewaschen. Offenbar schafften es auch nicht alle Fans wieder rechtzeitig vor den Bildschirmen zu sitzen. Die Werte sind auch während der ersten Spielminuten noch erhöht. In der Folge verläuft die Kurve gleichmäßig bis etwa 17.48 Uhr. Mit dem Halbzeitpfiff schnellt der Verbrauch erneut in die Höhe. Der Ausschlag ist fast doppelt so groß, wie vor dem Spiel. Auch den Beginn der zweiten Spielhälfte haben einige Fans nach einem erneuten Toilettengang verpasst. Mit steigender Spannung gegen Spielende sinkt der Verbrauch kontinuierlich ab, um mit dem Schlusspfiff gegen 18.52 Uhr erneut nach oben zu schnellen.

Der VS-Wasserverbrauch während dem Spiel Deutschland gegen Mexiko. | Bild: Quelle: Stadtwerke VS

An dieser Stelle lohnt ein Blick ins Jahr 2014. Nach dem WM-Finale stieg der Wasserverbrauch in Villingen nur geringfügig an. Die Menschen feierten auf der Straße. Für eine Erleichterung war keine Zeit. Am Sonntag was das anders. Viele Menschen hatten vermutlich keine Lust auf Feiern und gingen zur Frustbewältigung lieber zur Toilette.

Der Wasserverbrauch während dem WM-Finale in der Villinger Innenstadt.
Der Wasserverbrauch während dem WM-Finale 2014 in der Villinger Innenstadt. | Bild: Stadtwerke VS

Eine nahezu identische Wiederholung des Verlaufs am Sonntag ist in abgeschwächter Form auch am späteren Abend aus den Daten ablesbar. Ab 20 Uhr stand nämlich die Partie Brasilien gegen die Schweiz auf dem Programm, was erneut viele Zuschauer live mitverfolgten.

Der VS-Wasserverbrauch während den Spielen Deutschland gegen Mexiko und Brasilien gegen die Schweiz. | Bild: Quelle: Stadtwerke VS

Stromverbrauch

Hier sind die Kurven nicht ganz so eindeutig. Die Ausschläge fallen geringer aus und lassen sich nicht so einfach erklären. Um 17 Uhr ist zumindest ein kleiner Rückgang beim Energiehunger der Stadt erkennbar. Erst in der Mitte der ersten Halbzeit geht es in Villingen spürbar nach unten, in Schwenningen steigt der Verbrauch zu diesem Zeitpunkt eher an. In der Pause ist in beiden Stadtteilen ein leichtes Zwischenhoch zu sehen. Deutlicher nach oben geht die Stromkurve erst ab der 60. Spielminute. Vielleicht wurde zu diesem Zeitpunkt in vielen Haushalten bereits das Abendessen zubereitet. Vielleicht haben aber auch viele Fußballfans schon mal ihre Elektrogrills eingeheizt, anstatt weiter das Spiel zu verfolgen, angesichts der überschaubaren Anzahl an Torchancen für die Elf von Trainer Joachim Löw. Der Energiebedarf steigt während der Nachspielzeit weiter an. Diesen Mehrbedarf könnte man vielleicht damit erklären, dass viele enttäuschte Fans bereits den Heimweg antraten, um die Spielanalysen in Ruhe zuhause anzuschauen, um zu kochen oder ihre Handyaufzuladen. Mehr elektronische Geräte am Netz, bedeuten einen höheren Stromverbrauch.

Der Stromverbrauch während dem Spiel Deutschland gegen Mexiko in Villingen und Schwenningen. | Bild: Stadtwerke VS

Datenvolumen

Auch die Nutzungsdaten des kostenlose WLAN-Netzes der Stadt bringen Interessantes zu Tage. Die Messwerte wurden alle 15 Minuten erhoben, daher ist eine Analyse nicht ganz präzise möglich. Einige Erkenntnisse gibt es dennoch. Zwischen 15 und 16 Uhr wurden mehrere Gigabyte Daten ausgetauscht. Das könnte darauf hindeuten, dass sich viele Nutze vor dem Spiel noch einmal über das Spiel und die Mannschaften informiert haben. Auch Verabredungen zum gemeinsamen Fußballschauen könnten die Datenmenge angehoben haben. Es wurden viel weniger Daten gesendet als empfangen. Zum Spiel-Auftakt ist im WLAN-Netz kaum Bewegung. Alle Nutzer schauen gebannt das Spiel. Im Verlauf steigt der Wert stetig an. Vermutlich surfen immer mehr Fans lieber im Internet, als die sich die WM live anzuschauen. Zum Spielende fällt der Verbrauch rapide ab, vermutlich weil es einfach keine schönen Jubelbilder zum Versenden an Freunde gab.

Bild: Stadtverwaltung VS / Stadtwerke VS
Das Datenvolumen im öffentlichen WLAN-Netz der Doppelstadt während dem WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko. | Bild: Quelle: Stadtverwaltung VS

Stadtbild

Auch das Stadtbild hat sich verändert mit der Fußball-WM. An vielen Fenstern und Balkonen hängen Deutschlandfahnen. Auch einige Autos sind mit Schwarz-Rot-Gold geschmückt. Einen besonders bunten Vorgarten, der ganz im Zeichen der Fußball Weltmeisterschaft gestaltet ist, können Passanten und Autofahrer derzeit in der Schwenninger Kreuzstraße bewundern. Neben vielen Fahnen und Wimpeln ist dort auch ein Schriftzug "WM 2018" in großen Buchstaben zu lesen. Eine lebensgroße Comicfigur, eine Schaufensterpuppe im Deutschland-Trikot sowie weitere Details gibt es zu entdecken.

Bild: Jens Fröhlich
Bild: Jens Fröhlich

Der Bewohner, der nicht genannt werden möchte, sagt gegenüber dem SÜDKURIER: "Ich schmücke den Vorgarten zum Beispiel zu Halloween, Weihnachten und der Fasnet. Immer etwas anders." Er mache das seit rund zehn Jahren, einfach weil er Spaß daran habe. "Die Welt ist traurig genug", fügt er hinzu. Besonders freut es ihn, wenn Kinder mit ihren Eltern die Figuren entdecken und bewundern. Allein das sei die Mühe für die wechselnden Kulissen schon wert.

Bild: Jens Fröhlich
Bild: Jens Fröhlich