"Ich war schockiert, als ich davon hörte." Helgina Zimmermann, Vorsitzende des Trägervereins Mach mit, der fünf Tafelläden in der Region unterhält, versucht gar keine diplomatischen Winkelzüge und missbilligt klar die Maßnahme ihrer Essener Kollegen. Weil im Ruhrgebiet der Anteil der Flüchtlinge auf über 75 Prozent stieg, erließ die dortige Tafel einen Aufnahmestopp für Ausländer. "Das muss eine Kurzschlusshandlung gewesen sein", versucht Zimmermann doch noch so etwas wie eine Erklärung. Wichtiger ist ihr allemal die Botschaft, wofür die Tafelläden, die für einen kleinen Obolus Lebensmittel an Bedürftige abgeben, stehen sollten: "Wir helfen denen, die in Not geraten sind – unabhängig vom Pass." Dass sich viele Flüchtlinge unter die Empfänger mischen, in Villingen seien es etwa 30 Prozent, sei nun mal ein Spiegel der Gesellschaft, wir "sind inzwischen multi-kulti".

Sie konnte auch nicht feststellen, dass sich Flüchtlinge hier schlechter benehmen als Einheimische, was in Essen zur Zuspitzung führte. Es gebe Spielregeln, an die sich alle halten müssten. In den zwölf Jahren, in denen sie Mach Mit-Vorsitzende sei, musste einmal einem Kunden der Ausweis entzogen werden. Das heiß aber nicht, dass nicht auch die Tafeln mit einem erhöhten Ansturm fertig werden mussten. Das war vor etwa zwei Jahren. Damals war der Tafelladen gefordert und "wir mussten schnell reagieren". In Villingen "führten wir den Mittwoch speziell für Flüchtlinge ein". Auch für die ehrenamtlichen Helfer sei die Zeit nicht immer einfach gewesen – "wir vermissten vor allem Dolmetscher", das sei man doch von staatlicher Seite allein gelassen worden. Dennoch: Trotz Übersetzungsproblemen, der Verständigung mit Händen und Füßen oder mit Hilfe von Apps habe es auch in dieser Zeit keine größeren Schwierigkeiten gegeben. Inzwischen gibt es diesen Mittwoch nur für eine Gruppe nicht mehr, in Villingen wie in Schwenningen können alle Bedürftigen an drei Tagen in der Woche einkaufen. Auch eine einmal eingeführte Unterscheidung der Tafel-Ausweise sei nicht mehr notwendig.

Der Großteil der Bedürftigen lebe in Villingen, von den rund 500 Ausweisen entfallen auf diesen Stadtbezirk 246, 150 auf Schwenningen, der Rest auf die weiteren Läden in Donaueschingen, St. Georgen und Triberg. Auf einen Ausweis kommen oft mehrere Personen. Auch Wechsel seien zum Glück nicht selten: Manche fänden Arbeit und müssten nicht mehr bei der Tafel einkaufen. In Triberg kämen nur sehr wenige Kunden, dort sei die Befürchtung sehr groß, geoutet zu werden. Die Menschen schämen sich, doch das stecke in den Deutschen drin, meint Zimmermann. Auch die Spendenbereitschaft sei nach wie vor hoch. Viele bedeutenden Unternehmen stellen Nahrungsmittel zur Verfügung, dabei seien auch Bäckereien, Metzgerein oder eine Räucherei, sogar ein großer VS-Konzern finanziert den Kauf von Salz, Öl, Essig, Zucker und mehr. Die Villinger Tafel werde nächstes Jahr 20 Jahre alt, viele hielten es Ende der neunziger Jahre für ein vorübergehendes Phänomen, doch dem war nicht so.