Bei der SÜDKURIER-Sommerredakion zum Thema Parken in der Stadt fehlte leider, vermutlich ferienbedingt, eine wichtige Gruppe: Die Berufspendler, die täglich aus dem Umland in die Stadt einfahren und dort irgendwo, oft in Wohngebieten, einen möglichst kostenfreien Parkplatz zu ergattern. Damit sind Konflikte mit den Anliegern programmiert. Zu diesem Kreis regelmäßiger Pendler gehören seit kurzem auch die Polizei-Studenten, die im Bereich Dattenbergstraße in wachsender Zahl die ehemaligen Franzosenwohnungen belegen. Diese Pendler sind, neben den notorischen Parkplatzsuchern, die in den Gassen der historischen Innenstadt unverdrossen ihre Runden drehen, bis sie fündig werden, das Hauptproblem bei diesem Thema.

Die Zahl der Autofahrten und damit der Parkproblematik kann nur gesenkt werden, wenn die Pendler eine attraktive Alternative bekommen. Doch bei uns ist der öffentliche Nahverkehr in Summe für viele Bürger zu teuer und unzureichend vertaktet. Kaum einer ist bei uns bereit, für den Weg zur Arbeit täglich längere Wartezeiten für Bus und Bahn in Kauf zu nehmen. Würde der Ringzug diesbezüglich attraktiver gestaltet, wäre dies sicher für eine wachsende Zahl von Pendlern akzeptabel.

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliches gilt für den Fahrradverkehr: Die Radwege innerhalb der Stadt und in die Stadt weisen große Mängel auf, vor allem das Radwegenetz in Schwenningen verdient das Prädikat ungenügend. Angesichts des Siegeszuges elektrisch unterstützter Fahrräder, den E-Bikes, erlebt das Fahrradfahren seit wenigen Jahren spektakuläre Zuwächse. Fahrradfahren muss nicht mehr beschwerlich sein. Die E-Bike-Welle rollt. Allerdings offensichtlich vor allem im Freizeitbereich. Das muss sich ändern. Die Verantwortlichen von Stadt und Landkreis sind, auch unter dem Vorzeichen der brisanten Klimaentwicklung gefordert, hier mehr zu tun und neue Wege zu gehen. Wenn die Infrastruktur stimmt, dann wird sie auch genutzt.

Zur Wahrheit gehören noch zwei andere Aspekte. Im ländlichen Raum werden viele Menschen noch lange auf den Individualverkehr und damit auch auf das Auto angewiesen sein. Der ÖPNV und das Fahrrad können den eigenen Wagen für die meisten längst nicht ersetzen. Sie können das Auto allenfalls ergänzen. Und genau hier muss die Entwicklung ansetzen, damit wir nicht in der Blechlawine ersticken, wie dies bereits in Ballungsräumen der Fall ist. Wenn die Menschen öfter mal zu Fuß gingen, das Rad nutzten oder den Ringzug, wäre schon viel gewonnen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Viele sind hierzulande bequem geworden. Zwei, drei Kilometer mit dem Fahrrad ins Geschäfts zu fahren, erachten nicht wenige als Zumutung, mit dem Fahrrad gar von Villingen nach Schwenningen zur Arbeit zu radeln, oder umgekehrt, ist für die Allermeisten völlig unvorstellbar. Auch hier muss das Umdenken einsetzen. Denn Bewegung, sie entsteht zuerst im Kopf.