Trugen bislang Martin und Thorsten Schmitt als Skiathleten den Namen Tannheims in die Welt, so dürfte die aus Anlass der 1200-Jahrfeier jüngst vorgestellte Tannheimer Chronik den Bekanntheitsgrad noch um ein Vielfaches steigern – ist sie doch bundesweit wohl einzigartig. Nicht nur die Entstehungsgeschichte dieser Chronik, auch deren Konzept dürfte Maßstäbe für derartige Publikationen setzen. Neben der reinen Schriftform beinhaltet diese Chronik auch eine digitale Komponente, mit deren Hilfe man Geschichte und Geschichten aus Tannheim auf dem Tablet zum virtuellen Leben erwecken kann.

Im Jahr 2012 fiel der Entscheid des Ortschaftsrates mit der damaligen Ortsvorsteherin Helga Eilts an der Spitze und des leidenschaftlichen Lokalhistorikers Helmut Neininger, zum Jubiläumsjahr 2017 eine neue Ortschronik zu erstellen. Die aus dem Jahr 1971 stammende Chronik endete mit der Eingemeindung in die Doppelstadt. Leider konnten Eilts und Neininger beide durch ihren allzu frühen Tod das Ergebnis ihrer Initiative nicht mehr erleben. In der jetzigen Ortsvorsteherin Anja Keller und Helmut Neiningers Ehefrau Rosl fanden sich jedoch zwei Personen, die mit großem Engagement das Werk fortzusetzen wussten.

Als vor zwei Jahren ein erster Aufruf zur Mitgestaltung egstartet wurde, meldeten sich spontan 40 Personen, die zur Mitarbeit bereit waren. Der Themenkatalog, der von Kunsthistorikerin Anja Rudolf zusammengestellt worden war, fand allenthalben Zustimmung und somit auch Autoren, die sich auf die entsprechenden Inhalte stürzten. Mit Fleiß und Akribie haben diese Geschichten und Texte geschrieben, die von Anja Rudolf redaktionell zusammengesellt wurden.

Mit einem digitalen Part wird die neue Chronik außerdem zu einer ganz besonderen: Mit Anke Blessing und Martin Zimmermann konnte ein Team gewonnen werden, das die Publikation zum virtuellen Leben erweckt. Im Rahmen ihrer Masterabschlussarbeit hinterlegte Anke Blessing Bilder, Filme, 3-D-Animationen und Tondokumente im Internet, die durch das Scannen bestimmter Bilder mit Hilfe von Tablet oder Smartphone auf den Geräten aktivietr werden. Somit stehen dem Leser ganz neue Möglichkeiten des Erlebens einer Ortschronik offen.

Oberbürgermeister Rupert Kubon erinnerte an das knappe Abstimmungsergebnis im Jahr 1972, als der Tannheimer Gemeinderat mit 6:5 Stimmen für die Eingemeindung nach Villingen votierte. Der Umstand, dass die Chronik mit einem Zitat August Bebels, dem Gründer der deutschen Sozialdemokratie, beginnt: "Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten", fand Kubon eine Bemerkung wert. "Wer so ein Werk angeht, hat Mut!", so Kubon, "Mut für die Zukunft!"

Stadtarchivar Heinrich Maulhardt wies in seinen Grußworten auf die völlig neue Form des Autorenkollektivs bei der Erstellung von Ortschroniken hin. Das Einbeziehen von Bürgern stärke die Identifikation mit dem Werk.

Die Chronik bestehe aus einem "interessanten Gewebe", sagte Anja Rudolf, das mit unterschiedlichen Maschenweiten aus persönlichem Interesse und technischen Möglichkeiten entstanden sei. Anke Blessing und Martin Zimmermann gingen mit einem Mundartwortspiel auf die digitalen Inhalte der Chronik ein. "Äbs von Danne!" so deren homophone Anlehnung an kleine digitale Programme – gemeinhin als App bekannt. Die in alemannischer Mundart gehaltene Vorstellung der Tannheim-App nahm die Besucher sofort mit in die Vorstellung des digitalen Parts der Chronik. Dank einer freien WLAN-Installation durch den Glasfasernetzbetreiber Stiegeler konnten die Besucher sich sogleich von der Funktion dieser digitalen Seite der Chronik überzeugen.

Die Chronik

"Tannheim 817 – 2017 -1200 Jahre Ortsgeschichte – Eine digital erweiterte Chronik" kann zum Preis von 24,90 Euro bei der Ortsverwaltung Tannheim erworben werden. Die digitalen Inhalte sind auch online abrufbar.

Die Digitalinhalte im Netz finden sie hier.