Die Ära Kubon geht zu Ende. Jeden Tag heißt es für den amtierenden Oberbürgermeister, ein Stückchen Abschied zu nehmen aus seinem Amt und den zahlreichen damit verbundenen Funktionen. Am heutigen Mittwoch wird das 61-jährige Stadtoberhaupt nach der letzten Sitzung des Jahres vom Gemeinderat verabschiedet, am Freitag folgt der offizielle Abschied in der nagelneuen Neckarhalle in Schwenningen. Nach 16 Jahren endet damit seine Amtszeit, in der Kubon ein riesiges Arbeitspensum für die gemeinsame Stadt und ihre Bürger geleistet hat.

  • Symbolischer Ort: Bei der bevorstehenden Verabschiedung in der Neckarhalle in Schwenningen schließt sich für den Sozialdemokraten und bekennenden Katholiken Kubon gewissermaßen auch ein politischer Kreis. Das zentrale und erfolgreichste Projekt seiner Amtszeit, die Durchführung der Landesgartenschau 2010 in Kombination mit einem Stück Stadtsanierung in Schwenningen, findet mit der Fertigstellung der neuen Stadthalle in diesem Quartier sozusagen seine bauliche Vollendung. Nicht umsonst war es dem Scheidenden ein besonderes Anliegen, als allererste Veranstaltung in der Neckarhalle seinen Abschied zu feiern. Das tut er in der ihm eigenen, die weit entfernt ist von Pomp und Weihrauch.
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  • Rastloser Arbeiter: Als der Sozialdemokrat Kubon im Jahr 2002 die OB-Wahl in einem rasanten Endspurt gegen den favorisierten CDU-Bewerber Wolfgang Stein für sich entschied, deutete sich schon an, welche Art von Stadtoberhaupt die Doppelstädter da auf den Chefsessel im Rathaus gewählt haben: Einen umtriebigen und ratslosen Arbeiter mit Hang zur Hyperaktivität, der die Fülle der Aufgaben mit Fleiß und Entscheidungsfreude angeht, und einen durch und durch politischen Kopf. Dazu brachte der studierte Geisteswissenschaftler einen weiten Blick auf das politische und gesellschaftliche Leben sowie eine ausgeprägte christliche Wertevorstellung als Kompass in sein politisches Amt mit.
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  • Harter Start: Allerdings war der Einstieg in sein Amt kein Zuckerschlecken. 2003 befand sich die Stadt in der Finanzkrise und Kubon war es, der gleich zu Beginn dem Gemeinderat ein hartes Sparpaket vorsetzte. Dazu gehörte auch Schließung des Familienfreizeitparks und der Jugendmusikschule, zwei Entscheidungen, die tiefe persönliche und politische Wunden schlugen. Der nette Herr Kubon demonstrierte, dass er auch anders kann: Knallharte Machtpolitik. Der Konflikt um den Familienpark und die geschlossene Jugendscheune schwelte im Prinzip durch Kubons gesamte Amtszeit. Erst mit der bald bevorstehenden Fertigstellung des Jugendkulturzentrums scheint nun auch diese Wunde zu verheilen.
  • Höhepunkt Gartenschau: Die erste Amtszeit Kubons war in den Folgejahren vor allem geprägt durch die Vorbereitung und Durchführung der Landesgartenschau im Jahre 2010, die mit einer umfassenden Sanierung des Bahnhofsgeländes und der Schaffung einer großen Grünanlage um die Möglingshöhe in Schwenningen verbunden war. Kubon war dafür zwar nicht der Ideengeber, doch er wurde zum Macher, zum politischen Motor und Antreiber des Projekts, der auch die nötigen Mehrheiten im Gemeinderat beschaffte. Auch das ging nicht ohne Widerstände. In Erinnerungen bleiben so manche harten Auseinandersetzungen mit den Freien-Wähler-Stadträten Wolfgang Berweck oder Ernst Reiser. Auch andere Konservative taten sich mit dem Sozialdemokraten und Pazifisten schwer. Doch in dieser Zeit funktionierte das von Kubon praktizierte Prinzip von "teile und herrsche" reibungslos. Grüne und SPD standen stets hinter dem Stadtoberhaupt, während sich die CDU immer wieder zwischen Schwenninger und Villinger Stadträten spaltete. Das reichte immer aus, um Mehrheiten zu bekommen.
  • Stadt der Gegensätze: Die Gartenschau wurde, wie auch die damit gekoppelte Sanierung des Bahnhofbereichs, ein Erfolg, der mit vielen Millionen Euro Zuschüssen von Bund und Land umgesetzt werden konnte. Freilich: Alle Vorbehalte gegen die Gartenschau konnte Kubon nicht ausräumen. Im Stadtbezirk Villingen und einigen Ortschaften hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Auch mit dieser Großveranstaltung von landesweiter Strahlkraft gelang es nicht, die Gegensätze der Stadtbezirke, die zur DNA der Doppelstadt gehören, zu überdecken.
  • Triumph und Niederlage: Die vielfach vernachlässigte öffentliche Infrastruktur sollte in der zweiten Amtszeit von Kubon das große Thema werden. Mit dem Rückenwind der erfolgreichen Landesgartenschau konnte Kubon 2010 einen klaren Wahlsiege gegen den CDU-Kandidaten Siegfried Lorek einfahren. Vor allem der Stadtbezirk Schwenningen lag Kubon zu Füßen und sicherte seine Wiederwahl. Wie wetterwendisch aber Mehrheiten und Wählerwille sind, musste der umtriebige Rathauschef erfahren, als er gleich das nächste Großprojekt auflegte: Den Bau eines Zentralen Rathauses. Dieses sollte nicht nur die städtische Administration modernisieren, sondern auch das Zusammenwachsen der Stadtbezirke symbolisieren. Doch die Wähler kippten 2012 per Bürgerentscheid mit klarer Mehrheit das Großprojekt. Kubon und mit ihm die große Mehrheit des Gemeinderates hatten die Stimmung in der Bevölkerung völlig falsch eingeschätzt. Die Bürger wollte kein neues Verwaltungsgebäude, sie wollte, dass endlich die Straßen und Brücken, die Schulen und Kindergärten in der Stadt saniert werden, eine Aufgabe, die sowohl von Kubon als auch seinen Vorgängern vernachlässigt wurde.
  • Regieren erschwert: Dank florierender Wirtschaft und sprudelnden Steuereinnahmen ist die Sanierung der städtischen Infrastruktur in den vergangenen Jahre gut vorangekommen. Zum Leuchtturm in der Region wurde das mit dem Landkreis gemeinsam geschaffene zentrale Klinikum. Das Scheitern des Zentralen Rathauses jedoch war für Kubon eine tiefsitzende Enttäuschung und hat ihm etwas von jenem Elan genommen, der ihn bei der Gartenschau beflügelt hatte. Hinzu kam, dass die Ratsfraktionen von CDU und Freien Wählern verstärkt Opposition gegen den Rathauschef machten und ihm mit "bürgerlichen Mehrheiten" das Regieren erschwerten.
  • Viele gute Jahre: Zu einer weiteren Kandidatur für eine dritte Amtszeit konnte sich Kubon daher mehr durchringen. Er hat wohl gespürt, dass er sich nach 16 Jahren im politischen Geschäft als OB abgenutzt hat. Der Zuspruch aus der Bürgerschaft, er möge noch einmal antreten, ließ zu wünschen übrig. Mit seinem Rückzug lag er wohl richtig. Unabhängig davon bleibt der Befund, dass die Kubon-Jahre für Villingen-Schwenningen insgesamt gute Jahre waren. Das lag nicht allein am OB, aber er hat mit seinen Initiativen daran maßgeblich mitgewirkt. Die Stadt ist vorangekommen, wächst und prosperiert, die Gemeinsamkeiten sind gewachsen. Eine harmonische Einheit allerdings ist die Stadt noch lange nicht. Dafür müssen vermutlich noch viele Oberbürgermeister lange und hart arbeiten.