Höchstwert 36 Grad. Seit morgens um acht ist die Temperatur in der Doppelstadt am Donnerstag unaufhörlich nach oben geklettert. Einblicke in Arbeitsalltage voller Schweiß und Gratis-Eis.

  • Eiscafé Zampolli: Experimentelle Eissorten sind die Sache von Cesare Gianotti nicht. „Wir haben hier nur klassisches Eis im Angebot“, sagt Gianotti am Donnerstagmorgen und zuckt mit den Schultern: „Mehr brauchen wir auch nicht.“ Morgens um 9.30 Uhr verkaufen sie das erste, abends um kurz nach 22 Uhr oft noch das letzte Eis. Werden die Tage heißer, wird auch das Personal mehr. Mit acht bis zehn Leuten decken sie die zwölfeinhalb Stunden am Tag ab. Wie viel Eis er wirklich verkauft, das kann er aus dem Stegreif nicht sagen. „Die Produktion ist den ganzen Tag am Laufen“, sagt er. Von jeder Sorte gehen im Schnitt ein bis eineinhalb Behälter am Tag weg. Am beliebtesten, sagt Gianotti noch, sind bei diesen Temperaturen die Fruchteis-Sorten.
Cesare Gianotti, Inhaber der Eiscafé Zampolli, hat bei der Hitze gut Lachen: Von morgens halb zehn bis abends um 22 Uhr verkaufen sie zur Zeit Eiskugeln im Akkord.
Cesare Gianotti, Inhaber der Eiscafé Zampolli, hat bei der Hitze gut Lachen: Von morgens halb zehn bis abends um 22 Uhr verkaufen sie zur Zeit Eiskugeln im Akkord. | Bild: Greiner, Anja
  • Bauunternehmen: Sascha Schultz vom gleichnamigen Bauunternehmen Schultz in Pfaffenweiler bleibt auch bei der größten Hitze cool. Seit 7.30 Uhr ist er mit drei Mann in Rietheim damit beschäftigt, ein Haus an der Hauptstraße abzureißen. Arbeiten werden sie noch bis 17 Uhr. Am anstrengendsten ist bei der Hitze das Sortieren von Balken und anderen Baumaterialien, sagt Schultz. Ansonsten sieht er alles aber recht gelassen. Eigentlich gibt es nur eine Arbeit, die er seinen Männern bei großer Hitze nicht zumuten würde: „Ich würde jetzt keinen aufs Dach schicken.“ Manchmal, sagt er noch, fangen sie mal früher an und hören mal früher auf. Aber ansonsten wird eben gearbeitet. Auch bei knapp 40 Grad.
  • Klinikum: Dienstkleidung ist Dienstkleidung. Diese Regel bleibt im Schwarzwald-Baar-Klinikum auch bei fast 40 Grad bestehen. Hose hochkrempeln ist nicht. Hygieneregeln stechen Schwitzen. Daran kann auch Pflegedirektor Arne Holthuis nichts ändern. „Aber die Belegschaft weiß, wie man mit der Hitze umgehen soll.“ Bei sich selbst und was vielleicht noch wichtiger ist, bei den Patienten. Morgens lautet daher die Devise: Fenster und Türen auf – sofern die Patienten das zulassen, schließlich haben sie noch ein Recht auf Privatsphäre. „Und dann“, sagt Holthuis, „ist es echt wichtig, wenn auch nicht immer einfach, dass die Fenster zu bleiben“. Besonders leiden unter der Hitze die älteren Menschen, die Patienten mit Immunschwäche, die auf der Onkologie. „Und die ganz Kleinen darf man auch nicht vergessen“, sagt Holthuis. Bei den Mitarbeitern leidet mitunter am meisten, wer bei solchen Temperaturen die Nachtschicht hat. Denn auch wenn das Arbeiten angenehmer sein mag, das Schlafen am Tag bei über 30 Grad ist mitunter unmöglich.
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  • Sparkasse: Am Donnerstagmorgen war es dann soweit: Der Vorstand der Sparkasse Schwarzwald-Baar hat den Krawattenzwang aufgehoben. Gelockert war die Kleiderordnung bereits ein paar Tage zuvor. Bei Temperaturen über 24 Grad Celsius, so die Pressesprecherin Katrin De Giovanni, ist beispielsweise das Ausziehen des Sakkos sowie das Tragen von kurzärmligen Hemden erlaubt. In den Sommermonaten Juli und August wird allen Mitarbeitern außerdem kostenfreies Mineralwasser zur Verfügung gestellt. „Das wird gerne angenommen“, so De Giovanni.
  • Altenheim: Christian Fett, Heimleiter des St. Lioba Altenheims, bekommt die Hitzewarnung immer gleich morgens vom Deutschen Wetterdienst auf seinen PC gemailt. Diese Warnung geht raus bei 32 Grad. Gut Lüften und dafür sorgen, dass alle genug Trinken ist dann das A und O. Außerdem wird der Speiseplan auch mal spontan umgestellt. Statt den geplanten Fleischküchle gibt es dann eben Wurstsalat. Außerdem bieten sie viel Melone, Fruchtsäfte und Kaltschalen an. Schwierig wird es in den oberen Stockwerken, das Gebäude ist alt, klimatisiert ist dort nichts. Die Mitarbeiter leiden oft mehr, als die Patienten, sagt Fett. Sie sind eigentlich dauernd in Bewegung, da hilft es am Ende auch nur wenig, dass sie bei Hitze die Arbeitshose hochkrempeln dürfen. Den Bewohnern mache die Hitze mitunter gar nicht so viel aus. „Viele stehen noch bei 30 Grad mit der Strickjacke da und sagen mir ist doch bisschen kalt.“
  • Continental: Zu den derzeit wohl unbeliebtesten Arbeitsplätzen beim Autozulieferer Continental im Industriegebiet Vockenhausen zählen die Leiterplattenfertigung und die Spritzguss-Fertigung. Dort wird es durch die ganzen Maschinen mit am wärmsten, so Christoph Schrecke, der Sprecher des Unternehmens. Mehr Gratis-Wasser lautet dann die Devise. Investiert wird auch ganz konkret in den Hitzeschutz für die Mitarbeiter. Mehr Wasserspender werden aufgestellt, die Deckenisolation in Produktion wurde verbessert und Sonnenschutz installiert. Am meisten freuen werden sich die Mitarbeiter dann aber wohl über die Gratis-Eisaktion Anfang Juli.
  • Kindergarten: Zu einer der ersten Amtshandlungen von Jasmin Mauch, Leiterin der Kita Maria Frieden zählt bei Hitze: das Planschbecken aufpumpen. „Da können die Kinder dann mit der Badehose rein und sich abkühlen.“ Auch beliebt bei diesen Temperaturen: die Matschanlage im Garten. Das Personal ist vor allem geschult, darauf zu achten, dass die Kinder genug trinken und draußen eine Mütze tragen. „Klar“, sagt Mauch, „wenn es so heiß ist, sind die Kinder auch ein bisschen schlapp.“ Aber mit Wasser und Planschen ist der Alltag dann gut durchzustehen.
  • Getränkemarkt: Michael Zschoche, Leiter des gleichnamigen Getränkemarkts im Villinger Süden muss erst mal kurz lachen, als er am Telefon gefragt wird, was die Hitze für sein Geschäft bedeutet. Als er aufgehört hat, sagt er: „Nichts“. „Es läuft ganz normal weiter.“ Das ganze Gerede über die Hitze, noch angefeuert von den Medien, er kann es schon nicht mehr hören. Klar, ein paar mehr Kunden werden kommen, sagt er. „Aber sonst passiert nichts.“ Sie werden auch nicht mehr Wasser bestellen als sonst. „Erst wenn die Hitzewelle einmal sechs bis acht Wochen am Stück dauert, werden die Bestände vielleicht etwas weniger“, sagt Zschoche. Bis dahin laufe alles ganz normal weiter. Wie jeden Sommer eben.