Kein Zweifel, null Fragezeichen. Der Neujahrstreff der IHK hat am Montagabend Maßstäbe gesetzt. Wir sind nicht irgendwer und wir sind nicht irgendwo. Oder, um es mit den Worten des Präsidenten Dieter Teufel auszudrücken: Der Begriff ländlicher Raum passt mir eigentlich nicht. Wir sind ein weltweit aktiver Industriestandort mit hoher Werstschöpfung, passender ist dieser Begriff für uns: Die kleinteilige Wirtschaftsmetropole Schwarzwald-Baar-Heuberg."

Wer noch Zweifel hatte, der musste sich nur umsehen, zum Beispiel beim Motto des Abends. Sorge vor der Digitalisierungswelle? Seit gestern gilt: "Analoge Erfahrungen sind die Grundlage digitaler Erfolge." Oder, noch schwungvoller ausgedrückt: "Willkommen im Wunderland der Möglichkeiten", um noch ein anderes Schlagwort von Montagabend zu zitieren.

Fast alle waren sie gekommen, vor allem die Mischung machte den Spirit des Abends aus. Da flachste im Foyer der FDP-Bundestagsabgeordnete Marcel Klinge mit dem Villinger Wueschtvater und Firmeninhaber Roland Weisser. Da geleitete sehr fürsorglich der langjährige CDU-Landtagsabgeordenete Franz Schuhmacher den Altministerpräsidenten Erwin Teufel in den Saal, die beiden aus Spaichingen sind Freunde fürs Leben, bewährt seit Jahrzehnten. Oder Details wie diese: Ein – natürlich – blau-weißes Licht verlieh der Szenerie mit den 2300 Gästen einen spannungsgeladenen Guss: Blau-weiß wie IHK oder wie VS.

Teufel, Teufel: Der Altministerpräsident schenkt dem IHK-Präsidenten ein Lächeln: Erwin Teufel (links) und Dieter Teufel (rechts).
Teufel, Teufel: Der Altministerpräsident schenkt dem IHK-Präsidenten ein Lächeln: Erwin Teufel (links) und Dieter Teufel (rechts). | Bild: Roland Sigwart

Die Dekoration im Foyer für den Imbiss nach den Reden – ein einziges Bekenntnis zur Schaffer- und Tüftler-Region, durchdacht kreiert und liebevoll ausstaffiert warteten große Treffpunkt-Tische im Werkbank-Look auf die Gäste. Darauf servierte das Kummerländer-Team handfeste Schmankerl wie Schmalzbrot und Mett.

Dieter Teufel hatte es mit seiner Rede nicht leicht, zumindest optisch. Er musste nach den Vegas-Showgirls auf die Bühne, die in goldfarbenen Kostümen bei einigen Gästen die noch frischen Erinnerungen an den Zunftball aufkommen ließen. Aber der IHK-Präsident hielt locker mit – er konterte mit sinnstiftenden Inhalten. Teufel sprach vielen Unternehmern aus der Automobilzulieferer-Branche aus der Seele, als er, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, den Volkswagen-Konzern attackierte. "Geschlampt und betrogen beim Abgas und dann den deutschen Kunden die kalte Schulter zeigen", holzte er los. In Anwesenheit vieler Hersteller, die Teile für Verbrennungs- und Dieselmotoren nach Wolfsburg und anderswohin liefern, formulierte er weiter: "Es kann unserer Meinung nach nicht sein, dass diese tolle Technologie durch die Dummheit eines Konzerns kaputt geredet wird."

Wir sind nicht irgendwer und nicht irgendwo: Die IHK lässt die Vegas-Showgirls auf die Messe-Bühne los.
Wir sind nicht irgendwer und nicht irgendwo: Die IHK lässt die Vegas-Showgirls auf die Messe-Bühne los. | Bild: Roland Sigwart

Szenenbeifall für Teufel. Laut und deutlich und auch akzentuiert zustimmend. Überdies: Sehr bemerkenswerte Sätze von einem, der am 16. Januar 2015 auf der gleichen Bühne den früheren VW-Chef Winterkorn zu Gast hatte. Teufel glättete anschließend wieder sein Fahrwasser, schaltete um von der Tonalität des Bierzelts hin zum galanten Gastgeber. Ein Neujahrsempfang Mitte Februar? "Lieber spät als nie", ulkte er. Dann sandte er einen Gruß an die designierten politischen Partner der großen Regierungskoalition: "Wunder dauern etwas länger", prognostizierte der Präsident. Das Koalitionspapier trage so "manche unmögliche Vereinbarung in sich. Auf die Wunder werden wir bis zum Ende der Regierungsperiode vergeblich warten", orakelte er voller Selbstgewissheit.

Teufel beließ es nicht bei diesem Urteil. Er fragte in den Saal, was daraus folge. Und er stellte fest: "Die Wirtschaft wird sich noch weiter von der Regierungspolitik entfernen." Sie müsse vielmehr "selber sehen, wie sie die Zukunft erfolgreich gestalten kann". Dies sei "schade, aber nicht wirklich neu".

Dann besann sich Teufel auf die Stärken der von ihm benannten kleinteiligen Metropolregion. Und stellte fest: Europameister! "Wundervoll" sei die aktuelle wirtschaftliche Lage, zu verdanken "ist dies unserer Wertschöpfung in der industriellen Fertigung". Mit 46 Prozent habe die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg schließlich die höchste Industriedichte in Europa, unterstrich er.

Sehen und gesehen werden: Der Empfang gelingt im Miteinander, branchen- wie generationenübergreifend.
Sehen und gesehen werden: Der Empfang gelingt im Miteinander, branchen- wie generationenübergreifend. | Bild: Roland Sigwart

Dass "an allen Ecken und Enden Fachkräfte fehlen", verhehlte Teufel nicht. Für ihn ist das die Kehrseite der extrem niedrigen Arbeitslosenquote. Das Rezept zur Heilung dieses Missstandes hatte er auch parat: Duale Ausbildung. Fachkräfte aus dem eigenen Stall also. So klappt die Zukunft der Region.

 

Teufel Finale

Für Dieter Teufel war es der letzte Neujahrsempfang als amtierender IHK-Präsident. Er gibt sein Amt demnächst ab. Der 66-Jährige trat bei der regulären Neuwahl der IHK-Vollversammlung nicht mehr an. Sie fand im Dezember 2017 statt. Teufels Amtszeit als IHK-Präsident endet, wenn sich die neue Vollversammlung konstituiert. Dann wird sich entscheiden, welche Persönlichkeit Dieter Teufel im Amt des IHK-Präsidenten nachfolgt. 20 Jahre wirkte der Steuerberater aus Tuttlingen im Amt des IHK-Präsidenten.