Rupert Kubon hat seinen Borgen für die Zukunft des Oberzentrums gespannt. Ein Fünf-Punkte-Plan bildet dazu das Kernstück seiner Vorstellungen, die der 60-Jährige am Sonntag beim Neujahrsempfang im Theater am Ring offenbarte.

Die Taktik seiner Rede ging so: Den Schwung und die Begeisterung der großen Jubiläumsveranstaltungen 2017 in das Jahr 2018 mitzunehmen, Bilder, Videos und ein schwelgerisch rückblickender Rathaus-Chef. Gemeinsames Tun, so der OB, sei der Motor für das "erfolgreiche Handeln in unserer Stadt", formulierte er eingangs.

Die Gemeinsamkeit. Klar wurde in den 45 Minuten, in den der Verwaltungs-Vorsitzende sprach: Kubon sehnt sich nach mehr Miteinander, weniger Gegeneinander und mehr menschlicher Wärme. Dass er seine dritte Kandidatur an genau diese Hoffnungen knüpft, hat er am Sonntag unmissverständlich gesagt. Wie er seinen "noch nicht abgeschlossenen Prüfungsprozess" dazu bilanzieren will, das lässt er freilich offen. Machtspiel? Eiskalter Poker, um potente Gegenbewerber abzuhalten?

Traditionell mit Trachtenträgern aus Villingen und Schwenningen findet Jahr für Jahr der Neujahrsempfang statt.
Traditionell mit Trachtenträgern aus Villingen und Schwenningen findet Jahr für Jahr der Neujahrsempfang statt.

Dass die Stadt in Kubons Augen wieder auf den Weg der Gemeinsamkeit gefunden hat, wurde ebenfalls unterstrichen. Nach dem Bürgerentscheid 2012 zum Rathausneubau auf der Steig und dem Scheitern des Projekts sei es nun gelungen, einen Neuanfang zu starten. Dass große Teile der Verwaltung in den kommenden Jahren auf dem Villinger Manging-Areal unweit der Saba räumlich gebündelt werden können, sei auch "ein Glücksfall" in Form des plötzlichen Abzugs der letzten Franzosen.

"Erfinden wir die Stadt der Zukunft." Mit diesem Satz umgarnt der Oberbürgermeister ein Stadtentwicklungskonzept, das der Gemeinderat in den kommenden Wochen debattieren und verabschieden soll. Viele Menschen und Interessensgrupen dabei mitnehmen, das sei besonders wichtig. Fünf Punkte des im SÜDKURIER bereits vorgestellten 20-Themen-Konzepts erläuterte Kubon in seiner Neujahrsansprache nun detaillierter.

Die Groove-Connection des Villinger Hoptbühl-Gymnasiums umrahmt schwungvoll das festliche Ereignis im Villinger Theater.
Die Groove-Connection des Villinger Hoptbühl-Gymnasiums umrahmt schwungvoll das festliche Ereignis im Villinger Theater.
  • VS als Bildungsstadt: Kubon erkennt auf diesem Sektor viel Dynamik, vor allem in den vergangenen beiden Jahren. 40 Prozent der laufenden Mittel (86 Millionen Euro jährlich) würde die Stadt hier investieren. Der OB betonte: In den vorschulischen Bereich, aber auch in die Schulen und Hochschulen. Es gelte nun, Strukturen zu schaffen, dass die Unterstützung der Hochschulen "dauerhaft gewährleistet werden kann". Erfolgreich laufe dies bereits bei der Hochschule für Polizei, bei der Dualen Hochschule müssten die sozialwissenschaftlichen Studiengänge ausgebaut und bei der HFU – "der wichtigsten Kaderschmiede für unsere erfolgreichen Industrieunternehmen" – müssten dringend benötigte Labore endlich realisiert werden.
  • Flächenmanagement: Wie kann die Stadt wachsen, sich ausdehnen und dabei die Umwelt möglichst nicht beeinträchtigen? Darum geht es bei diesem Punkt und zwar für Gewerbe und Wohnen, wie Kubon betonte. Sinnvolle Potenziale sollen erfasst werden, den Bedarf, so der OB weiter, gelte es auch "zu befriedigen". Kubon spricht von einer erfolgreichen Ansiedlungspolitik in den letzten Jahren.
    Auch in den Ortschaften will die Verwaltung genau hinsehen: Hier solle "kostengünstig und nachhaltig sowie bedarfsorientiert" Entwicklung stattfinden können – auch hinsichtlich der sich verändernden Altersstrukturen in der Gesellschaft.
  • Wohnraum für alle: "Villingen-Schwenningen ist eine wachsende Stadt und zwar unabhängig von der Zuwanderung durch Flüchtlinge." Kubon betont den Satz besonders und lenkt auch ein wenig davon ab, wenn er darauf mit der 100 000er-Grenze wedelt, eine Zahl von Einwohnern, die auch schon nach der VS-Fusion vor 45 Jahren verfehlt worden sei. Nun aber stünden "die Indikatoren positiv". Kubon betont den konjunkturellen Schub von 2017 und wohl auch 2018. Einseitige Schwerpunkte müssten vermieden werden, sagt er gewunden. Gemeint ist unter anderem, günstigen Wohnraum nicht geballt entstehen zu lassen. Wo Villingen-Schwenningens neues und großes Baugebiet sein wird, sagt der OB ganz klar: Er nennt das den "zweiten Bauabschnitt im Bereich Lämmlisgrund", also die Wiesenhänge, die sich zwischen Schilterhäusle und ehemaligem Freizeitpark erstrecken.
  • Die Stadtzentren: Vor allem in Schwenningen sollen hier, so Kubon, "strukturelle und städtebauliche Defizite beseitigt werden". Die neue Neckarhalle sei hierbei ein wichtiger Schritt. In Villingen gehe es um die Aktivierung von Tonhallenareal und Neunutzung der Stadtkasse sowie um die Sanierung der Rietstraße. Mit einem City-Management soll strukturiert agiert werden.
  • VS in Bewegung: Oberflächlich betrachtet geht es hier um die Weiterentwicklung von Bus- und Bahnverkehr. Ein eigener Stadtverkehr werde 2019 ausgeschrieben. Eine besondere Idee zündet Kubon für die Verbindung zwischen Villingen und Schwenningen. Eine Seilbahn mit Mehrpersonen-Gondeln könnte hier künftig verkehren, idealerweise die Strecke Klinikum und Polizei-FH bedienen und in Schwenningen vielleicht bis zur Messe gondeln. Eine Machbarkeitsstudie hierfür bezahle das Land, offenbarte der OB jetzt neu zu der bereits unlängst in dieser Zeitung vorgestellten Seilbahn-Vision. Kubon sieht Vorteile einer VS-Seilbahn. Sie sei "kostengünstiger als jede neu zu errichtende Schienenverbindung". Für seine Rede erhielt er längeren und anerkennenden Applaus.

 

"Klares Bekenntnis zur Stadt"

Oberbürgermeister Rupert Kubon hat beim Neujahrsempfang seine Bereitschaft für weitere acht Jahre als OB angedeutet. Erklärt hat er seine Kandiatur noch nicht.

  • Renate Breuning, Fraktionsvorsitzende der CDU im Gemeinderat, interpretiert die Rede des OB als ein Ja zur Kandidatur, wobei er aber noch weiter gebeten werden möchte. „Ich sehe das als klare Aussage“, sagt sie. So interpretiere sie die Aussage Kubons, dass Gemeinsamkeiten gefunden werden müssen. „Es ist seine Art, dass so zu sagen.“ Sie hätte sich aber eine klare Aussage gewünscht.
  • Edgar Schurr, Fraktionsvorsitzender der SPD, sieht ebenfalls eine deutliche Aussage in Kubons Worten. „Das ist ein klares Bekenntnis zur Stadt“, sagt er. Voraussetzung sei für Kubon aber, dass an einem Strang gezogen wird. Dies sei in der Vergangenheit in vielen Punkten gelungen und die Mehrheit im Gemeinderat stehe hinter dem Ziel, Villingen-Schwenningen auf den richtigen Weg zu bringen. „Es sind viele Gemeinsamkeiten da.“
  • Joachim von Mirbach, Fraktionsvorsitzender der Grünen, nimmt es dem OB nicht übel, dass er keine eindeutige Aussage zur Kandidatur gegeben hat. „Es ist der Wunsch von anderen, dass er sich erklärt“, sagt von Mirbach. Kubon mache sich genau Gedanken darüber, ob er erneut kandidieren will. „Ich finde es in Ordnung so.“ Er unterstütze den Wunsch des OB nach Zusammenhalt. Das sei notwendig, um etwas zu bewegen.
  • Bertold Ummenhofer, Stadtrat der Freien Wähler, lobt die politisch geschickte Äußerung des Oberbürgermeisters. „Ich halte das für eine sehr geschickte Formulierung.“ Kubon halte sich damit alle Wege offen. Er habe ohnehin nicht damit gerechnet, dass es eine eindeutige Antwort auf die Kanidatenfrage geben wird. Kubon werde bis zum letzten Moment abwarten und schauen, welche Gegenkandidaten es gibt.
  • Frank Bonath, Stadtrat der FDP, ist sich sicher, dass Kubon erneut antreten wird. „Er hat deutlich gemacht, dass er das machen will“, sagt er. „Mir fehlt die Fantasie, wie er jetzt noch sagen möchte, dass er nicht kandidiert.“ Lob gibt Bonath für die gute Rede, insbesondere den Wunsch, vom Schubladendenken abzukommen. „Wenn wird das hinkriegen könnten, wäre das was Schönes.“
  • Wolfgang Wurbs, Vorstandsmitglied bei der Sparkasse Schwarzwald-Baar, zeigt Verständnis für das Zögern Kubons. "Es wird sich Zeit lassen, zu sondieren", sagt er. "Die Zeit muss man ihm zugestehen." Er stimme dem OB dahingehend zu, dass Gemeinsamkeiten wichtig seien. "Man kann unterstreichen, dass es nur gemeinsam geht."
  • Detlev Bührer, erster Bürgermeister, glaubt, dass Kubon kandidieren wird. "Ich fasse das als Wunsch auf, weiterzumachen", sagt er. Für ihn selbst war eine Kandidatur für das Amt der Oberbürgermeisters kein Thema. Das habe sich auch nach der Rede von Kubon nicht geändert. (tol)

 

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €