Vieles hat Oberbürgermeister Jürgen Roth in seiner rund 40-minütigen Rede zum Jahresauftakt angesprochen: Leistungen aus 2019 und Herausforderungen in 2020 und darüber hinaus. Und über allem stand seine Vision für die Doppelstadt. Gleichzeitig gab der OB den Doppelstädtern aber auch eines klar zu verstehen: Auf das Kritisieren legt er keinen allzu großen Wert.

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Es sei ein Fehler, sich zu sehr mit Kritik aufzuhalten, so Roth. Vielmehr sollten sich die Bürger auf die Stärken konzentrieren. dafür soll noch bis zur 50-Jahr-Feier 2022 eine Stadtmarke entwickelt und der Region bewiesen werden, „dass wir stolz auf unsere gemeinsame Stadt sind“. Wie diese Stadtmarke aussehen soll, blieb am Sonntag vor rund 450 Gästen in Villingen und nicht ganz 300 in Schwenningen offen.

Oberbürgermeister Jürgen Roth bei seiner Neujahrsrede.
Oberbürgermeister Jürgen Roth bei seiner Neujahrsrede. | Bild: Elke Rauls

OB Roth bleibt bei seiner Linie

Stattdessen sprach er Projekte an, die 2019 abgeschlossen oder ins Rollen gebracht wurden. Der Radweg zwischen Marbach und Brigachtal, die Erweiterung der Polizeifachhochschule in Schwenningen, das neue Domizil der Katzenmusik – alles bildlich untermalt. Auch seine umstrittene Entscheidung zur Dünnschichtasphaltierung von Straßen ließ Jürgen Roth nicht aus. „Die Bevölkerung war uns sehr dankbar“; betonte er. Auch wenn es mit Teilen des Gemeinderats – deren Kritik das Regierungspräsidium mittlerweile bestätigte – deswegen Ärger gab. „Ich habe daraus gelernt, dass es hier nicht unkompliziert praktisch geht.“

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Einen Seitenhieb gegen seinen Vorgänger erlaubte sich OB Roth hinsichtlich des „Investitionsstaus“ im Hoch- und Tiefbau. „Die Bugwelle der Vergangenheit von 1,2 Milliarden Euro“ bedürfe einer neuen Strategie. So könne das Straßennetz mit 471 Kilometern Länge nach und nach wieder in Ordnung gebracht werden. „Wir werden diesen Zustand nach und nach weiterhin verbessern.“

Interessiert folgen die Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt Villingen-Schwenningen der Rede von Oberbürgermeister Jürgen Roth.
Interessiert folgen die Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt Villingen-Schwenningen der Rede von Oberbürgermeister Jürgen Roth. | Bild: Elke Rauls

Kritik gab es vom OB auch für Proteste gegen die Erhöhung von Betreuungsgebühren in Kindertagesstätten. Es brauche „keine Panikmache von einigen Wenigen, gespickt mit gezielt falschen Informationen, um Stimmung zu machen“, sagte er. Das löse das Problem nicht, sondern sorge für eine vergiftete Diskussionsbasis. „Raten Sie denjenigen, die Gelbwesten daheim zu lassen, und motivieren Sie diese Mitmenschen, sich an der konstruktiven Diskussion zu beteiligen.“

Expertenrunde überbrückt Wartezeit

Besonders an diesem Neujahrsempfang war, dass OB Roth seine Zeit zwischen Villingen und Schwenningen aufteilte und mehrmals hin- und herfuhr. Um die Wartezeit zu überbrücken, beantworteten Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Experten Fragen, die die Bürger im Vorfeld gestellt hatten. Rainer Müldner von der Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen sagte zur Frage, ob Wohnungsbau immer auf Kosten der Natur „durchgepeitscht“ werden müsse: Lösungen seien hier die Nachverdichtung und der Bau in die Höhe. Das hieße, sieben oder acht Stockwerke anstatt drei oder vier.

Vor der Rede des Oberbürgermeister informieren Mitarbeiter der Stadtverwaltung – hier Sabine Braun (links) vom Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport – die Gäste über aktuelle Projekte.
Vor der Rede des Oberbürgermeister informieren Mitarbeiter der Stadtverwaltung – hier Sabine Braun (links) vom Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport – die Gäste über aktuelle Projekte. | Bild: Elke Rauls

Kommen Tablets und andere moderne Geräten bald an den Schulen? Dazu machten Jörg Röber von der Stabsstelle Digitalisierung und Stefan Assfalg, Leiter des Amts für Jugend, Bildung, Integration und Sport, Hoffnung. Man sei dabei, zusammen mit den Schulen Pläne zu erarbeiten, um festzustellen, wo eine solche Ausstattung sinnvoll sei. „Das ist ein Stück weit die Zukunft. Der können wir uns nicht verschließen“, sagte Röber. „Schule muss so digital sein wie das Leben“, ergänzte Assfalg.