Herr Roth, Sie starten am 1. Januar als neu gewählter Oberbürgermeister. Wie genau lautet dann Ihre Amtsbezeichnung und weshalb ist das so?

Meine Amtsbezeichnung lautet Oberbürgermeister und ich fungiere als Amtsverweser. Das ist die Folge des Einspruchs und des noch laufenden Verfahrens der Dauerbewerberin, die ja auch in VS versucht hat, bekannt zu werden. Dieses Verfahren wird am 18. Januar in Freiburg fortgeführt und ich hoffe dann auf eine sofortige Klärung dergestalt, dass das Verfahren eingestellt oder der Einspruch zurückgewiesen wird. Beides ist nach Auffassung von Fachleuten denkbar. Für mich hat das zur Folge, dass ich bis zur Klärung der Sache im Gemeinderat nicht stimmberechtigt bin.

Sie starten nicht von Null auf Hundert sondern von 2950 Einwohner wie jetzt in Tuningen in Ihrem Verantwortungsbereich als Bürgermeister auf 85 000 Bürger in Villingen-Schwenningen. Wie wappnen Sie sich auf das, was das auf Sie zurollt?

Ganz ehrlich: Meine Neugierde ist ungebrochen und vieles wird natürlich neu sein. Viele Arbeitsfelder kenne ich aus meinem derzeitigen Verantwortungsbereich. In VS sind die Themen ähnlich nur um ein Vielfaches größer. Aber eine Schulsanierung bleibt eine Schulsanierung und eine holprige Straße kann im Oberzentrum genauso wie in Tuningen saniert werden.

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Es ist ja nicht nur das Rathaus und der Gemeinderat, was da auf Sie wartet. da sind ja noch der Klinikums-Aufsichtsrat, den Vorsitz im Spitalfonds, den Verwaltungsrat der Sparkasse oder bei den Stadtwerken die Leitung des Aufsichtsgremiums.

Ja, das sind einige Herausforderungen. Ich starte auch mit dem Vorsitz des Aufsichtsrates des Klinikums. Hier bin ich beispielsweise schon bislang stark eingebunden als Sprecher der CDU-Fraktion. Aber die neue Position ist anders: Ich will mit allen Beteiligten zusammen diese herausragende Einrichtung weiter voranbringen, ich möchte betonen: Für dort Beschäftigte wie auch für die Patienten.

Zurück ins Rathaus: Stimmt es, dass Rupert Kubons Sekretärin auch Ihr Vorzimmer managen wird?

Ja, das ist so. Und ich freue mich da sehr darauf. Wir hatten in der Vergangenheit viele berufliche Berührungspunkte.

Wie gehen Sie an Ihre neue Aufgabe heran: Wollen Sie beispielsweise ein weiteres Dezernat mit einem weiteren Bürgermeister, etwa für Schule und Bildung? Wollen Sie Abteilungen auflösen? Zusammenlegen?

Ich will jetzt alles mal kennenlernen. Ich werde durch die Stuben gehen, alle am Arbeitsplatz besuchen. Das dauert bei 1500 Beschäftigten. Ich werde da hoffentlich vieles hören, Wünsche, Kritik, Hoffnungen, Verbesserungsvorschläge. Daraus will ich mit dem Team zusammen etwas richtig Gutes machen. Wie das dann aussieht, werden wir gemeinsam entwickeln. Das ist ein Teamprozess, Amtsleiter, Abteilungsleiter, Mitarbeiter.

Wie sieht der ideale Ort der Zukunft für die Stadtverwaltung VS aus? Mangin?

Ich will das Projekt Mangin intensiv kennenlernen. Mir fehlen hier Informationen, die ich mir erarbeiten werde. Dazu gehört die Im Wahlkampf angekündigte Bürgerbefragung. Wie werde dorthin gehen, wo die Bürger sind: Auf dem Wochenmarkt, im Internet, in den Fußgängerzonen. Ich will wissen, was wollen die Bürger von einer Stadtverwaltung. Wie sieht der Bedarf aus. Wo soll was sein, mit kurzen Wegen, was genügt als digitales Angebot. Ich will Abendsprechstunden machen, das soll aber für die Mitarbeiter trotzdem familienfreundlich sein. Die Ortschaften insgesamt will ich stärken durch mehr Gestaltungskompetenz. Zu Mangin: Die Zusammenführung der Stadtverwaltung muss uns allen als Stadt einen finanziellen Vorteil bringen. Genau diese Frage ist zu beantworten. Ich möchte erst alle Fakten kennen: Was bringt das unter dem Strich für wen und was kostet das wirklich? Klar ist für mich jedoch: Alle Bürger müssen bestens vor Ort versorgt werden. Das ist das Ziel. Meine Aufgabe ist es, das beste Konzept zu erarbeiten und dann umzusetzen.

Kindergärten:

Eine Mega-Aufgabe!

Wie schwierig ist die letzte Ratsentscheidung dazu für Sie?

Wir haben zur Lösung dieser Herausforderung parallel zwei Aufgaben. Wir haben bauliche Herausforderungen im Sinne von: Wir müssen Gruppenräume schaffen. Und wir haben personelle Herausforderungen. Wir brauchen zusätzliche Fachkräfte. Beantragt waren 80 weitere Stellen für Fachleute. Das ist der Weg.

Und die Blockade im Rat von Ihrer CDU und den Freien Wählern?

Ich sehe hier nicht wirklich eine Blockade. Alle sind den beiden Problemen offen gegenübergestanden. Die Verwaltung muss jetzt die Umsetzung vorantreiben. Zuletzt fehlten ja 450 Plätze in VS für Kinder.

Das geht doch nicht. Das ist doch gegen alle Ansprüche einer bürgergerechten Verwaltung. Wie schnell lässt sich das jetzt lösen?

Wir versuchen mit all unseren Talenten zu improvisieren. Ich kenne Eltern, die fahren ihr Kind vom Schilterhäusle in die Außenbezirke. Das kann nicht unser Ziel sein. Wie sind da sehenden Auges drauf zu gelaufen. Ich setzte mich im Januar mit Amtsleiter Stefan Assfalg und den Vertretern der freien Träger zusammen. Das Problem muss vom Tisch und zwar so rasch wie möglich. Wir suchen Personal. Der Markt ist leer gefegt.

Wo bekommen Sie das Personal her und wie wollen Sie das bezahlen?

Wir werden an die Schulen gehen, für uns werben, es wird aktives Marketing geben um uns als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Bezahlen werde ich das aus dem Verwaltungshaushalt, die Finanzierung erfolgt also aus Fördergeldern, Elternbeiträgen und direkt aus dem Steuertopf.

Wenn ich mir die Entwicklung am Friedrichspark ansehe – Hunderte neuer Wohnungen. Kein Kindergarten? Wer hat sich da verplant?

Da gibt es Kindergärten: Johanna Schwer, Pauluskindergarten, die Einrichtung in der Hammerhalde, der private Hort in der Saba-Villa. Die Planung für zusätzliche Plätze muss dem Rechnung tragen.

Wie sieht Ihr erster Arbeitstag als OB aus?

Acht Uhr auf dem Hubenloch beim Neujahrsschießen. Das wird es krachen. Dann Krawazisuppe. Abends darf ich beim Neujahrskonzert im Franziskaner und einem neuen Dirigenten der VS-Sinfoniker auf die Bühne. Am 2. Januar beginnt der Alltag. 8.30 Uhr werde ich anfangen. Es gibt gleich einen ersten Termin mit den engsten Mitarbeitern. Der Rest ist dann Überraschung (lacht).

Was steht auf Ihrer Prioritätenliste für die ersten 100 Tage?

Ganz oben: Kindergarten. Straßensanierung. Schulinstandhaltungen. Zuschnitt, Ausrichtung der Stadtverwaltung.

Schulen, Horte, Straßen – da geht doch das Geld rasch aus.

Völlig korrekt. Diese Projekte sind für mich unaufschiebbar. Ich möchte die Themen einzeln mit den Verantwortlichen durchgehen, ich meine Amtsleiter und beispielsweise Rektoren, und dann priorisieren wir das Ganze. Kommt die Kneippstraße vor Rathenau oder umgekehrt, um mal ein Beispiel zu nennen. Oder wie klappt das jetzt bitteschön mit dem Sportplatz am Hoptbühl-Gymnasium. Parallel dazu werden im Haushalt Möglichkeiten der Finanzierung gesucht. Dazu brauche ich unseren Kämmerer.

Das klingt ja spannend. Es gibt ja auch einen Paradigmenwechsel an der Spitze des Rathauses. Muss sich jemand Sorgen machen?

Niemand muss sich Sorgen machen. Wir alle wollen doch besser werden! Jeder hat seine Aufgaben und gemeinsam werden wir daraus etwas Gutes für diese Stadt machen. Das ist mein Ziel. Ich werde auch Einiges anders machen.

Beispiele:

Wir werden stark in projektorientiertes Arbeiten einsteigen. Zielfoto und Bürgerinformation, Meilensteine, Gelder, Zeitplan. Umsetzung. Vollzug: Ich meine damit: Wir müssen mit den Dingen fertig werden.

Sie ändern doch noch mehr?

Die Art der Kommunikation. Ich meine damit, wie wir als Verwaltung unsere Arbeit, die Entscheidungen und den Weg zum Ziel verständlich transparent machen. Mir geht es hier um rechtzeitige Information. Ein gutes Beispiel hierfür ist für mich die Rietstraßensanierung. Wir müssen auf dem Social Media-Kanal noch besser werden. Die Bürger sind hier Kunden und sollen Bescheid wissen. Es geht mir darum, dass wir als Verwaltung uns überall dorthin begeben, wo und wie die Menschen angesprochen werden wollen. Das heißt, wir müssen auf mehreren Kanälen kommunizieren,

Hand aufs Herz bitte: Kann der neue OB all dies von Tuningen aus erfolgreich in die Wege leiten?

Nein. Mein Amtssitz ist in Villingen-Schwenningen (lacht). Klar: Ich suche mir in VS ein Häuschen, das muss passen. Um es klar zu sagen. Da will ich dann auch bleiben. Ich habe keine Not – mir fehlt aktuell aber die Zeit für die Suche. Ich verlasse mich darauf, dass mir in meiner Heimatstadt das Glück vor die Füße fällt.

Fragen: Norbert Trippl