Wenn am 26. November beim Herbstkonzert des Musikvereins die neue Ortschronik Tannheim offiziell vorgestellt wird, dürfte dieses Werk selbst Geschichte schreiben. Wie sich der Leiter der städtischen Museen, Heinrich Maulhardt, mit sichtlichem Stolz und mit großer Begeisterung äußerte, wird sich die neue Ortschronik deutlich von anderen Werken dieser Art unterscheiden. „Ich kenne in ganz Süddeutschland keine Ortschronik, die sich einer solch neuen Technik bedient“, erklärt der Historiker aus der Zähringerstadt.

Innovative Technik:

Zum ersten Mal wird nicht nur ein gedrucktes Buch vorgelegt, darüber hinaus kommt modernste Technik zum Einsatz. Mit jedem Smartphone oder Tablet-Computer können Bilder und Zeichnungen in dieser Chronik „zum Leben“ erweckt werden. Hierzu hat der Ortschaftsrat Tannheim Martin Zimmermann von der Firma Imsimity beauftragt, eine völlig neue Technologie zu installieren. Wenn man über entsprechend gekennzeichnete Bilder das Kameraauge des Smartphones oder Tablets hält, erkennt dieses mit Hilfe einer zuvor heruntergeladenen App hierfür hinterlegte zusätzliche Informationen (augmented informations). Dies können zusätzliche Bilder, kurze Filme oder gar virtuelle dreidimensionale Animationen sein. So wird man sich mit Hilfe dieser Ortschronik zukünftig durch das ehemalige Paulinerkloster Tannheim ebenso bewegen können wie durch die normalerweise verschlossene Friedhofskapelle. Besonders interessant werden aber die Interviews mit Zeitzeugen über das Leben vergangener Tage sein.
Auch kleine Konzertausschnitte des Akkordeonvereins werden sich hinter dessen Bild in der Chronik verstecken. Diese sind über die Lautsprecher der tragbaren Minicomputer zu hören. Das Zustandekommen dieses modellhaften Projektes verdankt Tannheim mehreren glücklichen Zufällen.

Bürgerengagement:

Zum einen hat sich beim Zusammentragen von Texten und Bildern eine enorme Anzahl von Bürgern Tannheims engagiert. Beiträge von mehr als 30 Autoren hat Heinrich Maulhardt der Redakteurin der Chronik, Anja Rudolf, übergeben können. „Tannheim ist hier absolute Spitze!“, so der begeisterte Historiker. Auch die Ortsvorsteherin Anja Keller strahlte bei der Vorstellung des Projektes mit den Worten: „Ich bin stolz auf die Bürger, die so viele Beiträge für dieses innovative Projekt geliefert haben!“ Selbst bei der Vorstellung im Ortschaftsrat hatte sie keinerlei Probleme bei der Zustimmung. In diesem Zusammenhang dankte sie auch der Stadt für die umfangreiche Unterstützung.

Glückliche Umstände: Dazu kommt, dass Martin Zimmermann mit seiner Firma Imsimity nicht nur über die technischen Möglichkeiten verfügt, er engagiert sich auch seit Jahren im Freundeskreis der Heimatstube Tannheim, wohnt in Tannheim und seine Begeisterung für Tannheim ist in jedem seiner Worte spürbar. Und dann gibt es noch eine junge Dame, die derzeit ihren Master of Arts an der Hochschule Furtwangen University im Bereich Design interaktiver Medien macht, Anke Blessing. Sie ist in Tannheim keine Unbekannte, wirkt sie doch als stellvertretende Dirigentin beim Tannheimer Kirchenchor und ist in Tannheim aufgewachsen. Diese Gemengelage ermöglichte, dieses zukunftsweisende Konzept umzusetzen. Das Hand-in-Hand-Arbeiten der Master-Studentin Anke Blessing mit Profi Martin Zimmermann und Anja Rudolf ließ das innovative Projekt auch finanziell tragbar werden.

Historische Ursache: Völlig ohne neuste Technik, ohne Batterien und Bits, ohne Elektronik dagegen hat die eigentliche Ursache der 1200-Jahr-Feier die Zeiten überdauert. Die Stiftungsurkunde aus dem Jahr 817 ist mit Tinte für den Fachmann gut leserlich auf Papier niedergelegt und hinter Glas geschützt. In ihr werden die Orte Tannheim und Villingen erstmals erwähnt, was letztlich zum Jubiläumsjahr 2017 geführt hat.

Vorgänger-Chronik: Bereits 1972 hatte Herbert Berner eine große Ortschronik vorgelegt, die nun mit der neuen Chronik fortgesetzt werden soll. Diese kann übrigens bereits jetzt im Internet komfortabel am Bildschirm gelesen werden, wurde sie doch im Rahmen dieses Projektes vollständig digitalisiert. (http://www.villingen-schwennigen.de/verwaltung/ortschaften/tannheim/ortschronik.html.) Hinzugekommen sind laut der Kunsthistorikerin Anja Rudolf Beiträge über die Zeit des Nationalsozialismus und weitere ergänzende Texte aus dem Ortsgeschehen. Auf zukünftig etwa 250 Seiten wird die Ortsgeschichte fortgeschrieben. „Damit wir nicht wieder fast 50 Jahre auf eine neue Ortschronik warten müssen, kann mit Hilfe der neuen Technik die Geschichte nun in kleinen Etappen ergänzt werden“, so Anke Blessing in ihren Erläuterungen.