Auf dem alten Tonhallen-Gelände sollen nach etlichen gescheiterten Versuchen jetzt zur Stärkung der Innenstadt ein Hotel mit Gastronomie sowie ein Lebensmittelversorger, bevorzugt ein Biomarkt, angesiedelt werden. Investoren haben ihre Pläne bereits vorgestellt. Der Villinger Hans-Georg Reinsch ist allerdings der Meinung, dass die Stadt „genügend Konsumtempel„ habe. Er bringt eine ganz andere Idee ins Spiel: „Die Villinger haben einst einen Stadtgarten gehabt, der dann der Erweiterung der Firma Binder geopfert worden ist“, so Reinsch.

Hans-Georg Reinsch will kein Hotel auf dem alten Tonhallen-Gelände: Er regt an, dort einen Stadtgarten anzulegen. Ein solcher Garten existierte bis 1956 vor dem Oberen Tor, bis er der Erweiterung der Firma Binder weichen musste.
Hans-Georg Reinsch will kein Hotel auf dem alten Tonhallen-Gelände: Er regt an, dort einen Stadtgarten anzulegen. Ein solcher Garten existierte bis 1956 vor dem Oberen Tor, bis er der Erweiterung der Firma Binder weichen musste. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Der Stadtgarten vor dem Oberen Tor existierte von 1907, er war nach einer großen Gewerbeschau auf dieser Fläche eingerichtet worden, bis 1962, als die Firma Binder expandieren wollte und mehr Fläche brauchte.

Der idyllische Villinger Stadtgarten war bis 1962 ein beliebtes Ausflugsziel direkt vor den Toren der Stadt, viele Villinger denken noch heute mit Wehmut an diese grüne Oase.
Der idyllische Villinger Stadtgarten war bis 1962 ein beliebtes Ausflugsziel direkt vor den Toren der Stadt, viele Villinger denken noch heute mit Wehmut an diese grüne Oase. | Bild: Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

„Damals ist den Villingern versprochen worden, dass es für diesen Stadtgarten einen Ersatz geben soll.“ Dieses Versprechen sei bis heute nicht eingelöst worden, so Reinsch. Es habe aber seine Gültigkeit nicht verloren. Er plädiert jetzt dafür, auf dem alten Tonhallen-Areal einen solchen Stadtgarten anzulegen. „Das Gelände wäre wunderbar mit der Nähe zur Brigach.“

Vor allem der Schwanenteich im Stadtgarten an der Mönchweiler Straße war ein beliebter Treffpunkt für die Villinger, die sich in der Parkanlage erholten.
Vor allem der Schwanenteich im Stadtgarten an der Mönchweiler Straße war ein beliebter Treffpunkt für die Villinger, die sich in der Parkanlage erholten. | Bild: Stadtarchiv Villingen-Schwenningen

Seiner Meinung nach hätten da viele Villinger etwas davon. „Natürlich müsste das Ganze ordentlich angelegt und gestaltet werden.“ Aber auch im Zuge der Klimadiskussion wäre dies ein wichtiger Beitrag, den die Stadt leisten könne.

Erinnerungen an Früher

Der alte Villinger Stadtgarten war eine beliebte Parkanlage direkt vor den Toren der Stadt. Vor allem die Jugendlichen liebten diesen Platz, wo sie herrlich herumtollen konnten, wie sich Herbert Schroff und Werner Jörres 1992 in einer SÜDKURIER-Serie „Villingen früher und heute“ erinnern. Die Wiese auf der der Stadtgarten errichtet worden ist, war die sogenannte Amtsmannwiese, die früher dem Kloster St .Blasien gehörte.

Dieses Kloster hatte in Villingen einen Amtmann angestellt. Nach einer Gewerbe- und Industrieausstellung 1907 blieben die meisten Gartenanlagen erhalten und waren die Basis für die Parkanlage.

In einem Pavillon fanden regelmäßig Konzerte statt und vor allem der Schwanenweiher war ein beliebter Treffpunkt. Kurz bevor der Stadtgarten 1962 plattgemacht und alle Bäume abgeholzt worden sind, fand dort ein letztes großes Fest statt: Helmut Glatz aus Unterkirnach wiederholte die Wette des Villinger Radmachers, der 1562 ein Wagenrad an einem Tag gefertig und von Hand nach Rottweil und zurückrollte.

Unter dem Jubel der Villinger Bevölkerung gelang Helmut Glatz dieses Bravourstück am 25. August 1962. Die Riesensause nach seiner Rückkehr aus Rottweil fand im Villinger Stadtgarten statt, der damit das letzte Mal Kulisse war für ein fröhliches Bürgerfest.