„Das habe ich zehn Jahren Ortschaftsrat noch nicht erlebt, dass alle Besucherstühle bei einer Ortschaftsratssitzung belegt waren“, so ein positiv überraschter Ortsvorsteher Bernd Bucher nach der Sitzung des Ortschaftsrates Rietheim am Montagabend.

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Hintergrund des Besucheransturms mit rund 20 Personen war ein Leserbrief von Anwohnern, der wegen einer Erschließung eines Baugebietes entlang der Pfaffenweiler Straße bis zum Hohlenbach für Aufregung im Ort suchte. Dies war auch Anlass für die kontroverse Diskussion von Gegnern und Befürworten beim Tagesordnungspunkt „Fragen aus der Bürgerschaft“.

Noch keine kokreten Pläne

Ortsvorstehe Bucher machte gegenüber den Bürgern deutlich, dass noch nicht entschieden sei, wie viele Bauplätze erschlossen werden sollen. „Die Verhandlungen mit den Grundstückeigentümern und dem Liegenschaftsamt sind noch am Laufen, erst dann kann man genaueres dazu sagen“, betont Bucher. Das heißt: Die Anlieger und interessierten Bürger müssen noch abwarten, bis konkrete Aussagen und Pläne auf den Tisch kommen.

Die Bebauung der nassen Wiesenbereiche südlich der Ortsbebauung schließ Bucher definitiv aus. „Darauf baut sicher niemand“, so der Ortsvorsteher. Das Liegenschaftsamt der Stadt, so erläutert er den Zusammenhang, kaufe aber nicht nur die trockenen Bereiche, sondern erwerbe fairerweise auch die nassen, nicht bebaubaren Bereiche von den Eigentümern. Über das zahlreiche Interesse der Bürger zeigte sich Bucher erfreut, so verdeutlichte er auf Nachfrage des SÜDKURIER. Er wünsche sich, dass Sorgen und Anliegen auch zukünftig in den Ortschaftsratssitzungen diskutiert werden.

Das Thema hatte vor rund vier Wochen Wellen geschlagen, nach dem die Anliegerfamilien Doser und Glatz mit einem Leserbrief Alarm geschlagen hatten (der SÜDKURIER berichtete). Während die Orts- und die Stadtverwaltung von einer Erschließung für 15 bis 20 Bauplätze sprechen, gehen die Anwohner davon aus, dass auf den Grundstücken, über die derzeit Verkaufsgespräche stattfinden, bis zu 70 Bauplätze erschlossen auf dem Gebiet zwischen dem Wettgraben und Richtung Pfaffenweiler entstehen könnten.

Angst um mehr Verhehr 

Im Ortschaftsrat kam dies erneut zur Sprache. Wenn die Stadt für zehn Hektar Land vier Millionen Euro ausgeben wolle, habe sie gewiss etwas damit vor, worauf der Ortschaftsrat keinen Einfluss haben werde, sagte die Anwohnerin. Ein anderer Bürger äußerte die Befürchtung, dass das Neubaugebiet mehr Verkehr in den Ort bringe. Durch die geplante Erschließungsstraße gerieten die Anwohner zwischen zwei Straßen. Außerdem betonten einige Redner, dass das vorgesehene Gelände regelmäßig überschwemmt werde.

Ortsvorsteher beruhigt Anwohner

Ortsvorsteher Bernd Bucher und weitere Ortschaftsräte mussten die sich steigernde Erregung einiger Besucher zunehmend beruhigen. Es gebe höchstens 20 neue Bauplätze, versicherte der Ortsvorsteher. Wenn dies noch in diesem Jahr abgeklärt werden könne, komme man in ein schnelleres Verfahren, ansonsten würde es drei bis vier Jahre gehen, bis Baugrundstücke zur Verfügung stehen werden. Ob und wie weit dieses Gebiet bebaut werden könne, würden die Fachbehörden entscheiden, erklärte Bucher. Diese würden mit Bedacht planen. Wenn es überhaupt ein Baugebiet werde, gäbe es einen Unterschied zwischen Feld- und Baulandpreisen.

Am Ende versicherte der Ortsvorsteher, er werde die Bürger sofort über neue Entwicklungen informieren. Es sei ihm sehr wichtig, eine einvernehmliche Lösung zu finden, mit der alle im Dorf leben könnten.