Dieter Stenzel ist Anwohner am Kopsbühl. Seit 40 Jahren wohnt er hier. Und seit Februar ist der 63-jährige Naturliebhaber verärgert. Er kann nicht verstehen, warum die Stadtverwaltung das kleine Wäldchen hinter dem Rundling so massiv durchforstet hat. Stenzel nennt es "Kahlschlag" und sagt: "Es ist schade, was hier passiert ist." Hunderte Bäume wurden gefällt, Büsche und Strächer abgeräumt. Hinter dem Rundling am Hang, dort, wo Stenzel täglich mit seiner Dogge Bella spazieren geht, stehen nur noch vereinzelt Bäume, man hat fast freie Sicht über Villingen. "Vor den Forstarbeiten im Februar konnte man von hier oben den Rundling kaum sehen", erzählt er, so dicht sei der Bewuchs gewesen. Jetzt sei alles kahl.

Blick von der Straße aus auf die ausgelichtete Fläche.
Blick von der Straße aus auf die ausgelichtete Fläche. | Bild: Fröhlich, Jens

Er hat die Aufräumaktion auch mit seinem Handy dokumentiert. Auf den Bildern sind große Holzstapel zu sehen.

Riesige Holzstapel warten im Februar auf Abholung. So viel Bäume wurden bei der Aufräumaktion geschlagen.
Riesige Holzstapel warten im Februar auf Abholung. So viel Bäume wurden bei der Aufräumaktion geschlagen. | Bild: Dieter Stenzel

Dann folgen Fotos aus der Zeit vor den Arbeiten. Dichte, grüne Bäume und Buschwerk säumen den Weg, Dogge Bella genießt den Spaziergang entlang des Bolzplatzes. Der Zaun um den Platz, die Tore und ein Basketballkorb sind bei Forstaktion ebenfalls verschwunden.

Anwohner Dieter Stenzel wundert sich über das Verschwinden des Zaunes und der Tore beim Bolzplatz. Noch im April soll der Platz hergerichtet und aufgewertet werden.
Anwohner Dieter Stenzel wundert sich über das Verschwinden des Zaunes und der Tore beim Bolzplatz. Noch im April soll der Platz hergerichtet und aufgewertet werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Warum? Das weiß Stenzel nicht. Auch andere Anwohner hätten ihm keine Antworten geben können. Viele seien vom Eingriff ebenfalls überrascht worden.

Ausgleichsfläche

Hintergrund der Waldauslichtung ist, dass die Stadtverwaltung hier eine Ausgleichsfläche schafft. In einer Mitteilung heißt es, dass die rund 1,7 Hektar große Fläche großzügig durchforstet wird, um einerseits die Sicherheit von Fußgängern zu gewährleisten sowie den östlichen Siedlungsrand attraktiver zu gestalten. Andererseits soll das Gelände für eine Schafbeweidung aufbereitet werden und die bestehende, südlich angrenzende Weidefläche ergänzen.

Video: Fröhlich, Jens

"Es handelt sich um rund 20 Tiere, die abwechselnd auf verschiedenen Flächen grasen. Während ihrem Aufenthalt im Bereich Kopsbühl sind die Tiere eingezäunt", erklärt Stadtsprecherin Madlen Falke.

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Die Auslichtung soll Lebensraum für verschiedene Tierarten und Pflanzen optimieren und den Zustand vor dem wilden Bewuchs mit vereinzelten Kiefern, Kirschen und anderen Baumarten wiederherstellen. "Magerwiese" lautet der Fachbegriff dieser ökologisch wichtigen Landschaftsform. Weitere Baumfällungen seien nicht mehr vorgesehen. Die an vielen Stämmen angebrachten Markierungen hätten keine Bedeutung, so Falke.

Video: Fröhlich, Jens

Zuvor war der Bereich über Jahrzehnte hinweg zugewuchert. Die Stadt kann mit solchen Eingriffen auch ihr Ökokonto auffüllen. Die Ökopunkte-Bilanz ist entscheidend dafür, wie viel Bauland künftig ausgewiesen werden darf. Punkte gibt es zum Beispiel für die Entsiegelung von Grundstücken, die naturnahe Umgestaltung von Wasserläufen, oder für die Schaffung von Waldbiotopen und Vogelschutzgebieten. Ein Ankauf ist ebenfalls möglich.

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Für Stenzel ist das nur ein schwacher Trost. Er vermisst seine lieb gewonnenen Schattenplätze und zwei Obstbäume. Im Sommer hat er dort stets leckere Mirabellen und Kirschen gepflückt. Jetzt zeugen nur noch Baumstümpfe mit knapp 30 Jahresringen von den Lieblingsplätzen.

Bild: Fröhlich, Jens

Die gute Nachricht

Eine weitere Mitteilung der Verwaltung könnte Stenzel aber wieder positiv stimmen. Der beliebte Bolzplatz wurde vor vielen Jahren auf Initiative der Anwohner eingerichtet. Daher sei er für viele eine Herzensangelegenheit, so Stenzel. Schon bald soll er zu neuem Leben erwachen.

Der Zaun und die Tore beim Bolzplatz sind weg. Noch im April soll der Platz hergerichtet und aufgewertet werden.
Der Zaun und die Tore beim Bolzplatz sind weg. Noch im April soll der Platz hergerichtet und aufgewertet werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Noch im April soll der gesamte Bereich samt Spielplatz im Auftrag des Amtes für Straßenbau, Stadtgrün und Altlasten grundlegend neu gestaltet und aufgewertet werden. Die Spielgeräte werden aufgelockert. Erdmodellierungen sollen eine besser gegliederte Raumstruktur schaffen. Der Rutschenturm bleibt erhalten. Eine inklusiv nutzbare Nestschaukel sowie eine Drehscheibe kommen hinzu. Die Spielgeräte werden durch Balancierbalken und flache "Kletterfelsen" zu einem Parcours verbunden. Etwas abseits soll ein multifunktionaler Mehrgenerationen-Parcours entstehen.

Der Spielplatz soll bald erweitert und aufgewertet werden.
Der Spielplatz soll bald erweitert und aufgewertet werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Beim Bolzplatz werden Belag und der Zaun erneuert, die Tore wieder aufgestellt. Anstatt einem, wie bisher, soll es künftig zwei Basketballkörbe geben. Mit der Neugestaltung wurde die Firma Schäfer aus Schramberg beauftragt.