Was bedeutet es, nachts durch einen stockdunklen Wald zu laufen, ohne zu wissen, wo man ist? Für die Klassen 7a und 7b des Hoptbühl-Gymnasiums auf jeden Fall jede Menge Action und Spaß. Es stand nämlich der Nachtorientierungslauf auf dem Plan. In Kleingruppen wurden die Schüler mit verbundenen Augen an einen unbekannten Ort gefahren und dort ausgesetzt. Aufgabe war es, nur mit Hilfe von Karte und Kompass den Weg zu einem etwa fünf bis sieben Kilometer Luftlinie entfernten Zielpunkt zu finden. Natürlich wurde jede Gruppe von einem Erwachsenen begleitet. Dieser war aber nur für Notfälle dabei – helfen durfte er nicht. Das berichtet die Schule in einer Pressemitteilung.

Projektziel: Abenteuer

Im Hellen weitaus übersichtlicher: Das Lager am Morgen.
Im Hellen weitaus übersichtlicher: Das Lager am Morgen. | Bild: Gymnasium am Hoptbühl

Die Nachtaktion war Höhepunkt des diesjährigen GfP-Projekts „Project Adventure“. Hinter dem Kürzel GfP verbirgt sich die Bezeichnung „Gemeinschaftsförderndes Projekt“. Über ein Jahr hinweg wird dabei die Klassengemeinschaft durch verschiedene Aufgaben, so genannte Wellen, gestärkt. Martin Werner und Andreas Schulz-Weiling, die das Projekt betreuten, erklären dazu: „Die Schüler erhalten dabei immer ein Aufwärmspiel, eine Individualaufgabe und eine Gruppenaufgabe. Die Aufgaben sind so angelegt, dass sie geschafft werden können. Ebenso können die Schüler aber auch scheitern.“ Aufgabe der beiden war es, die Schüler selbst auf Lösungen kommen zu lassen. „Wir helfen lediglich mit Impulsfragen. Ziel ist es, die einzelnen Schüler und die Gruppe an Grenzen zu bringen“, erklärt Martin Werner. Jede „Welle“ hatte ein eigenes Thema: Kommunikation, Konzentration, Wahrnehmung, Vertrauen oder auch Verantwortung wurden eingeübt. Vor dem Nachtorientierungslauf gab es eine letzte „Orientierungswelle“ mit Karte und Kompass, dann waren die Schüler bereit für das große Finale.

Am frühen Abend begann der Vorlauf. Kleine Tipps wurden wiederholt und die einzelnen Gruppen wurden gelost. In einem ersten Spiel konnten sich die Gruppen zusammenfinden und um einen Bonusgegenstand spielen, den sie mit ins Abenteuer nehmen durften. Das restliche Gepäck war natürlich limitiert – Smartphones mussten daheim gelassen werden. Jede Gruppe musste sich außerdem auf neun Gruppengegenstände einigen, die das Fortkommen und die restliche Nacht erleichtern sollten. Weil zahlreiche Eltern eifrig mithalfen, konnten alle Schüler bei Einbruch der Dunkelheit gleichzeitig an ihre Ausgangspunkte gefahren werden. Dort hieß es dann aussteigen und orientieren.

Und das gelang den Gruppen unterschiedlich gut. Während die erste bereits um kurz vor Mitternacht am Zielort ankam, fand die letzte Gruppe sich erst um kurz nach drei Uhr morgens ein. Da warteten bereits das Zelt und ein Lagerfeuer. Wie schwer es für die Begleitpersonen war, sich zurückzuhalten, erzählt ein Lehrer lachend: „Wir waren 200 Meter vor dem Ziel und sind dann noch eine Stunde im Kreis gelaufen.“ Verwunderung äußerte ein anderer ob der Wahl der Gruppengegenstände, auf die die Schüler sich einigten: „Ich werde nie vergessen, dass einer der neun Gegenstände ein kleines, pinkes Kissen war. Warum, ist mir bis jetzt ein Rätsel“ – und es wird womöglich eines bleiben.

Gemeinschaft stand auch am nächsten Morgen auf dem Programm. Ein Schüler schwärmt: „Richtige Teamarbeit kam auf, als uns morgens kalt war und wir gemeinsam versucht haben, das Feuer wieder anzumachen.“ In der großen Runde wurde die Nacht dann reflektiert. Dabei meinte ein Schüler stolz: „Jeder hat Fehler gemacht, aber wir haben uns nicht gestritten“. Wie viele Eindrücke ganz am Rand mitgenommen wurden, erklärte ein anderer, der sich an eine kurze Pause unter klarem Sternenhimmel erinnerte.

Im Anschluss durfte ein vom Verein der Freunde finanzierter Bus müde, aber glückliche Schüler wieder zurück nach Villingen fahren. Ebenso fühlten sich auch die Begleitlehrer. „Wieso wir das machen?“, fragte Martin Werner, um gleich die Antwort hinterherzuschieben: „Die Schüler sollen raus aus der Komfortzone, erfahren, was echter Zusammenhalt heißt, nicht gleich aufgeben.“ Dann ergänzt er noch: „Außerdem: Es macht einfach Spaß.“