Etwa zehn junge Männer, nach Angaben der Polizei "Asylsuchende arabischer und afrikanischer Herkunft", sollen am Sonntag zwischen 5 und 5.30 Uhr in der Färberstraße zwei Passanten im Alter von 50 und 53 Jahren schwer verletzt haben. Diese mussten im Krankenhaus ärztlich versorgt werden. Zeugen konnten einen 23-jährigen Tatverdächtigen bis zum Eintreffen der Beamten festhalten, heißt es in der Mitteilung der Polizei, die nun nach Zeugen sucht. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung. Auch weitere Nachtschwärmer wurden in den Vorfall verwickelt.

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Die Gruppe junger Asylsuchender, so schildert es die Polizei, sei aus einem Club in der Färberstraße, schräg gegenüber der Kapuzinergasse, gekommen. Dort waren sie wegen Pöbeleien hinausgeworfen worden. Sie zogen weiter, legten sich mit einem Türsteher einer Bar bei der Bogengasse an, der ihnen den Zutritt verweigert hatte. Lautstark sei die Gruppe bis zum Irish Pub am Romäusring weitergegangen, wo sie auf eine kleine Gruppe traf, die gerade auf dem Nachhauseweg war. Aus der Reihe der pöbelnden und aggressiven Gruppe junger Männer sei zunächst eine Flasche gegen die Heimkehrer geworfen worden, berichtet die Polizei.

In der Folge sei die Heimkehrergruppe verbal und schließlich körperlich angegriffen worden. Es kam zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, wobei zwei der Heimkehrer durch Schläge erheblich verletzt wurden. Als die beiden Männer im Alter von 50 und 53 Jahren zu Boden gingen, sei weiter auf sie eingeprügelt worden, so die Polizei. Ein weiterer Heimkehrer bekam einen Faustschlag ab und eine der weiblichen Begleitungen, eine 49-jährige Frau, eine Ohrfeige.

Als die Polizei eintraf, flüchteten die jungen Angreifer. Lediglich ein 23-Jähriger konnte laut der Behörde von Zeugen festgehalten werden. "Unter anderem war Alkohol im Spiel", erklärt Dieter Popp, Sprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen. Gegen den 23-Jährigen sei nun ein Ermittlungsverfahren eröffnet worden. Mit einem Zeugenaufruf will die Polizei außerdem die restliche Gruppe ausfindig machen. "In einem solchen Ausmaß hatten wir bisher keine Probleme mit Asylbewerbern", sagt Popp. Lediglich Lokalverweise habe es hin und wieder in der Färberstraße gegeben.

Bei den Gastwirten in der Färberstraße nachgefragt, positioniert sich etwa Werner Hergert, Geschäftsführer des Irish Pubs, deutlich: "Es gibt immer mal wieder Probleme mit Gästen, egal welcher Nationalität." Wer die Regeln seines Hauses befolge, werde keine Schwierigkeiten mit ihm bekommen. "Bisher gab es keine Auffälligkeiten, bei uns ist alles in Ordnung", sagt Hergert. Zur angegebenen Tatzeit seien weder er noch seine Mitarbeiter im Pub gewesen. Sein Geschäftspartner, Michael Steiger, ergänzt: "An der Ecke Färberstraße und Romäusring ist die Wartestation für Taxis. Dort geraten nachts immer wieder Gruppen aneinander."

Zeugen der Auseinandersetzung werden gebeten, sich beim Polizeirevier Villingen zu melden. Telefon: 07721 6010.

Immer wieder Gewalttaten in der Innenstadt

Nicht nur auf der Kneipenmeile kommt es immer wieder zu Vorfällen mit Sachbeschädigungen und Verletzten. Beispiele aus den vergangenen Monaten gibt es genügend:

  • Einen Gürtel als Waffe setzte am 15. Januar 2017 ein 19-Jähriger während einer Schlägerei in der Färbergasse ein.
  • Mit Messern und Baseballschlägern gingen am 5. Juli 2017 mehrere Männer aufeinander los. Ein 27-Jähriger erlitt mehrere Schnittwunden und einen Messerstich in den Bauch. Laut den Ermittlern handelte es sich bei der Tat um eine Racheaktion für einen vergangenen Angriff, ebenfalls mit Baseballschlägern. Dabei sei ein 23-Jähriger mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht worden.
  • Messerstich: Zu einer hässlichen Auseinandersetzung kam es im Oktober 2017 in der Villinger Innenstadt bei einer Schlägerei zwischen mehreren Personen in der Paradiesgasse. Ein 28-Jähriger wurde mit einer Stichverletzung im Rücken in die Notaufnahme des Klinikums gebracht. Die Beteiligten wurden von der Polizei in der Färberstraße und am Bahnhof aufgegriffen.
  • Zu einer Schlägerei zwischen zwei Gruppen junger Männer ist es nach Polizeiangaben am 22. Juli in der Färberstraße gekommen. Hierbei wurden einige Personen verletzt und mussten ärztlich behandelt werden.
  • Eine Bilanz: Auch wenn sich Berichte häufen, gebe es laut Polizeipräsidium Tuttlingen keine steigende Zahl an Vorfällen in der Färberstraße. Sie habe kein besonders gefährlichen Status. In Bereichen mit vielen Kneipen komme es einfach häufiger zu Konflikten. Das sei in vergleichbaren Ausgehvierteln nicht anders, so die Polizei.