Marcel Klinge ist sauer. Der FDP-Bundestagsabgeordnete aus Villingen fühlt sich übergangen. Grund ist, dass Klinge nicht zu dem Gesprächskreis eingeladen wurde, der sich am Dienstagmorgen auf Einladung des Landtagsabgeordneten Karl Rombach (CDU) in einem Villinger Hotel getroffen hat.

CDU bleibt mit dem Bahnchef (fast) unter sich

Zu Gast war Thorsten Krenz, der Bevollmächtigte der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg. Krenz tauschte sich am Dienstag neben Rombach unter anderem mit dem stellvertretenden Bundestagsfraktionsvorsitzenden Thorsten Frei, Landrat Sven Hinterseh, VS-OB Jürgen Roth und dem Ersten Bürgermeister Detlev Bührer aus. Allen gemein ist das schwarze Parteibuch der CDU. Außerdem zugegen: Rombachs Kollegin Martina Braun, die für die Grünen im Landtag sitzt. Nur ein Mandatsträger aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis fehlte: Marcel Klinge.

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Fototermin am Villinger Bahnhof

Bei dem Treffen, zu dem auch einige Pressevertreter eingeladen und anwesend waren, wurde unter anderem über die Sanierung des Villinger Bahnhofs, der Anschluss der Gäubahn an den Stuttgarter Hauptbahnhof während der Stuttgart-21-Bauarbeiten und die Verzögerung bei der Lieferung von neuen Intercity-Zügen, inklusive Fototermin am Bahnsteig. Der Nachrichtenwert beschränkte sich im Großen und Ganzen darauf, dass es Anfang 2020 mit der Sanierung des Bahnhofs Villingen losgehen soll. Die Debatte darum wird indes seit mehr als einem Jahrzehnt geführt.

Machen sich vor Ort ein Bild von der Situation am Villinger Bahnhof: der Erste Bürgermeister Detlev Bührer, OB Jürgen Roth, Landrat Sven Hinterseh, Bahnbevollmächtigter Thorsten Krenz, die Landtagsabgeordneten Karl Rombach und Martina Braun sowie die Behindertenbeauftragten von Landkreis und Stadt, Manfred Kempter und Beate Bea, und CDU-MdB Throsten Frei.
Machen sich vor Ort ein Bild von der Situation am Villinger Bahnhof: der Erste Bürgermeister Detlev Bührer, OB Jürgen Roth, Landrat Sven Hinterseh, Bahnbevollmächtigter Thorsten Krenz, die Landtagsabgeordneten Karl Rombach und Martina Braun sowie die Behindertenbeauftragten von Landkreis und Stadt, Manfred Kempter und Beate Bea, und CDU-MdB Throsten Frei. | Bild: Rodgers, Kevin

Klinge vermutet politische Gründe

Als nun am Dienstag das mediale Bärenfell verteilt werden sollte, fehlt ausgerechnet der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Das erregt unter den Teilnehmern zunächst keine größere Aufmerksamkeit. Termingründe, Reisen – Bundestagsabgeordnete sind viel beschäftigte Menschen.

Der Bahnhof Villingen wird 2020 barrierefrei umgebaut. Künftig können die Passagiere die Züge mit Aufzügen erreichen.
Der Bahnhof Villingen wird 2020 barrierefrei umgebaut. Künftig können die Passagiere die Züge mit Aufzügen erreichen. | Bild: Kevin Rodgers

Die CDU lädt den FDP-Kollegen gar nicht erst ein

Einen Tag später dann die Erkenntnis: Die CDU hat den Kollegen von der FDP gar nicht erst eingeladen. Klinge erkundigt sich am Mittwochmorgen telefonisch, aus welchen Gründen er nicht eingeladen wurde. Nicht nur bei Rombach, auch beim SÜDKURIER klingelt am Vormittag das Telefon. Hörbar erzürnt macht der ansonsten für sein besonnenes Auftreten bekannte FDP-Abgeordnete seinem Unmut Luft. Auch er habe sich seit Monaten um einen Termin mit Bahnchef Krenz bemüht und sich für die Sanierung des Bahnhofs eingesetzt. Dass nun exakt so ein Termin auf Betreiben der CDU und ohne ihn stattgefunden habe, habe politische Gründe. Am Nachmittag folgt dann eine deutlich diplomatischere Pressemitteilung.

Was sagt Karl Rombach?

Karl Rombach möchte die Kritik auf Nachfrage des SÜDKURIER derweil nicht gelten lassen. „Ich habe mich seit langer Zeit für dieses Thema eingesetzt“, so der 68-Jährige. Viele Gespräche habe er dazu in der Vergangenheit geführt. Der Termin mit Krenz sei bereits im Januar zustande gekommen. Außerdem entscheide er grundsätzlich immer noch selbst, wen er zu seinen Gesprächen einlade, und wen nicht, ruft er in den Hörer seines Schonacher Wahlkreisbüros.

Karl Rombach kann die Kritik nicht nachvollziehen: Er entscheide selbst, wen er zu Gesprächsrunden einlade, und wen nicht.
Karl Rombach kann die Kritik nicht nachvollziehen: Er entscheide selbst, wen er zu Gesprächsrunden einlade, und wen nicht. | Bild: Jürgen Dreher

Danach gefragt, warum Martina Braun von den Grünen die CDU-Männer komplettiert hat, antwortet Rombach, dass er seine Landtagskollegin aus Kollegialität mit ins Boot genommen habe. Außerdem, so Rombach, komme es in der Politik nicht nur darauf an, schöne Bilder zu machen, sondern sich auch im Hintergrund langfristig für politische Fortschritte einzusetzen.

Die Erklärung von Marcel Klinge im Wortlaut

„Der hiesige FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Marcel Klinge begrüßt, dass in die umfassende Sanierung des Villinger Bahnhofs nun endlich Bewegung kommen soll. Klinge: „Ich bin froh, dass der neue BW-Chef der Deutschen Bahn die Zeit gefunden hat, sich ein persönliches Bild der Lage bei uns vor Ort zu machen. Nachdem 2018 nicht – wie ursprünglich geplant – mit dem Umbau begonnen werden konnte, ist es gut, dass jetzt ein Fahrplan und auch ein Termin für den Beginn der Sanierungsarbeiten feststeht. Ich hoffe, dass wir dann nach Abschluss der drei Bauphasen 2021 endlich einen Bahnhof in VS haben, der unseren Anforderungen als Oberzentrum gerecht wird. Unser nächstes großes Ziel sollte es dann sein, ICE-Stadt zu werden, damit wir für unsere Menschen hier vor Ort und auch aus touristischer Sicht eine noch bessere Anbindung schaffen.“

Der tourismuspolitische Sprecher der FDP im Bundestag nutzt selbst häufig auf Reisen zwischen Berlin und dem Wahlkreis die Bahn, um zum Stuttgarter Flughafen zu kommen. „Das Problem der Geruchsbelästigung in der Unterführung und fehlender Aufzüge, wenn man viel Gepäck hat, kenne ich aus eigener Erfahrung. Es hat mich selbst auch genervt, dass sich diese unbefriedigende Situation immer weiter in die Länge gezogen hat.“ Deshalb hatte auch Klinge in seiner Funktion als Bundestagsabgeordneter bereits im Januar diesen Jahres den Baden-Württembergbeauftragten der Bahn, Thorsten Krenz, persönlich nach VS eingeladen.

„Dass nun eine Begehung stattgefunden hat, finde ich gut“, sagt der 38-jährige Villinger. „Ehrlich gesagt, hätte ich mich auch gefreut, wenn dieser Termin gemeinschaftlich erfolgt wäre. Gerne hätte ich meine Gedanken und Ideen ebenfalls beigesteuert und weitere Fragen angesprochen, beispielsweise, wie eine zügige Elektrifizierung der Strecke VS-Rottweil erfolgen kann oder wie die WLAN-Ausstattung in den Regionalbahnen vorangeht. Hier fände ich eine Pilotstrecke in unserer Region sehr interessant. Ich hoffe, dass sich zukünftig noch einmal die Gelegenheit für einen persönlichen Austausch ergibt. In ein so wichtiges Thema für unsere Stadt sollten alle mit einbezogen werden.“