VS-Villingen – Die Opfer sind zwei junge Männer, der eine 24 Jahre alt, der andere gerade einmal 18. Was am Samstag und Sonntag geschehen ist, ist schwer zu begreifen und macht viele Menschen fassungslos. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Unterdessen werden die beiden Unfallstellen zu Orten, wo Trauernde versuchen, das Geschehene zu verarbeiten und ihre Anteilnahme zu zeigen.

Am Klosterring, kurz vor dem Oberen Tor, wo am Samstag gegen 3 Uhr in der Nacht der 18-jährige Motorradfahrer in einer Kurve mit seinem Motorrad verunglückte – einer 650er Kawasaki – wurden am Wochenende erste Blumen abgelegt. Immer wieder hielten Motorradfahrer an, sichtlich bewegt.

Ein junger Mann befestigt am Montagnachmittag ein Bild an der Unglücksstelle.
Ein junger Mann befestigt am Montagnachmittag ein Bild an der Unglücksstelle. | Bild: Jens Frölich

Trauerarbeit an Schule

Am Montagmorgen besuchten rund 40 Schüler des Gymnasiums am Romäusring die Unfallstelle, um vor Ort um ihren beliebten Mitschüler zu trauern. Alle hatten ihr Abi-T-Shirt an.

Abiturienten des Romäusgymnasiums trauern am Montag an der Unfallstelle um ihren 18-jährigen Mitschüler. Bilder: Jens Fröhlich / Jochen Hahne</span>
Abiturienten des Romäusgymnasiums trauern am Montag an der Unfallstelle um ihren 18-jährigen Mitschüler. Bilder: Jens Fröhlich / Jochen Hahne | Bild: Jens Frölich

Viele brachten Blumen mit. Bilder, Kerzen und kleine, ganz persönliche Gegenstände, wie Anhänger und Feuerzeuge, die an den Verunglückten erinnern sollen, wurden vor und an dem Verkehrsschild-Masten abgelegt und angebracht. Die Schüler umarmten sich und spendeten sich gegenseitig Trost. Andere weinten, sprachen miteinander, oder saßen einfach nur eine Stunde lang still da. Mehrere Lehrer standen den Schülern zur Seite.

Bilder: Jens Fröhlich
Bilder: Jens Fröhlich | Bild: Jens Froehlich

„Dieser Besuch war Teil unserer Trauerarbeit“, erklärt Schulleiter Jochen von der Hardt, der selbst noch um Fassung ringt. Am Samstagvormittag habe ihn die schreckliche Nachricht erreicht. Das siebenköpfige Krisenteam der Schule beriet sich, wie man mit der Situation umgehen soll, den Schülern Hilfestellung geben kann. Am Montag fand daher in St. Fidelis eine Informationsveranstaltung für alle Schüler statt. „Wir wollten damit Gerüchten und Mutmaßungen vorbeugen“, so der Schulleiter. Danach wurde über das Geschehene gesprochen. Schüler erzählten von ihren Erlebnissen mit ihrem Mitschüler.

Bilder: Jens Fröhlich
Bilder: Jens Fröhlich | Bild: Jens Froehlich

„Wir haben auch einen Trauerraum mit einem Kondolenzbuch eingerichtet“, so von der Hardt. Dieser werde von der Schulsozialarbeiterin und zwei Schulseelsorgerinnen betreut. Der Raum soll Schülern bis zur Beerdigung zur Verfügung stehen. Danach sei ein Trauergottesdienst geplant. Beeindruckt zeigte sich der Schulleiter von dem großen Zusammenhalt seiner Schüler: „Sie haben sich am Wochenende intensiv um die Familie des 18-Jährigen gekümmert und geholfen.“

Auch an der zweiten Unfallstelle, rund 150 Meter weiter, zeugen Kerzen und Blumen von der großen Anteilnahme.

Hier starb am Sonntag ein junger Motorradfahrer. Ob auf dem Benediktinerring (im Hintergrund) polizeiliche oder bauliche Maßnahmen notwendig sind, darüber wird jetzt kontrovers diskutiert. <em>Bild: Jens Fröhlich </em>
Hier starb am Sonntag ein junger Motorradfahrer. Ob auf dem Benediktinerring (im Hintergrund) polizeiliche oder bauliche Maßnahmen notwendig sind, darüber wird jetzt kontrovers diskutiert. Bild: Jens Fröhlich

Hier hatte am Sonntag ein 24-Jähriger nach einem Hochstart und einer 60 Meter langen Fahrt auf dem Hinterreifen die Kontrolle über seine Maschine – eine Yamaha R6, ein so genanntes Superbike – verloren. Zufällig waren Abiturienten vom Romäusgymnasium Zeugen und leisteten sogar erste Hilfe. „Diese Schüler sind natürlich besonders betroffen“, so von der Hardt.

Am Sonntag tödlich auf Villingens Benediktinerring verunglückt ist der 24-jährige Fahrer dieser Yamaha. Bild: Norbert Trippl
Am Sonntag tödlich auf Villingens Benediktinerring verunglückt ist der 24-jährige Fahrer dieser Yamaha. Bild: Norbert Trippl

Polizei ermittelt

Die Polizei geht weiterhin davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Unfällen gibt. So lange es keinen Hinweis gebe, werde in diese Richtung auch nicht ermittelt, so Dieter Popp vom Polizeipräsidium Tuttlingen.

Beide Fahrer stammen aus Gemeinden im Schwarzwald-Baar-Kreis. Während die Beamten beim Unfall am Sonntag von einem nicht straßenverkehrsgerechten Verhalten des 24-Jährigen als Unfallursache ausgehen, ist das beim Unfall des 18-Jährigen noch unklar. In beiden Fällen prüfe ein Sachverständiger alle Fakten und Zeugenhinweise, so Popp. Auch werde untersucht, ob Alkohol oder Drogen im Spiel waren.

Bild: Jens Froehlich