Das Fortuna-Areal mit der Bickenstraße 16 und 18 sowie das Haus 14 wurden verkauft. Darüber berichtete der SÜDKURIER in seiner gestrigen Ausgabe – nun meldet sich eine Vertreterin der Mieter aus der Bickenstraße 14 zu Wort. Außerdem erreichte die Redaktion eine Stellungnahme der betroffenen Objektentwicklungsgesellschaft. Sie äußerte sich zu den Sorgen der Mieter, aber auch zu den Plänen. So soll der beabsichtigte Abriss des Brauereigebäudes überdacht werden. (siehe "Diesen Teil der Altstadt für künftige Generationen erhalten")

Eine betroffene Mieterin, die ungenannt bleiben möchte, da sie ansonsten mit Nachteilen rechnet (ihr Name ist der Redaktion bekannt), berichtete von den Konsequenzen für sich und weitere Parteien im Haus. Sie fasst ihre Erfahrungen so zusammen: „Für uns ist das eine Katastrophe, was da abläuft.“ Sie habe von einer Objektentwicklungsgesellschaft Ende Januar einen Brief erhalten, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass das Gebäude veräußert ist. Eine zweite Gesellschaft habe das Fortuna-Areal gekauft.

Nun sollen in den kommenden Monaten die Wohnungen saniert und modernisiert werden, unter anderem will der neue Eigentümer die Böden und Bäder erneuern. Da dafür sämtliche Sanitäreinrichtungen wie Toiletten und die Duschwanne entfernt werden müssten, sollen die Bewohner mobile Camping-Toiletten erhalten. Außerdem werde im Innenhof des Anwesens ein Duschcontainer aufgestellt. Für sie sei das schwer zumutbar, allerdings sei es für andere noch schwerer, so lebe auch eine bettlägerige Frau in dem Haus. Betroffen seien noch sechs Mietparteien, eine sei bereits ausgezogen.

Nach der Sanierung soll ein Teil der Kosten auf die Miete umgelegt werden, die derzeit sehr niedrig sei. Im Fall der Bewohnerin, die sich nun äußert, gehe es nach ihren Angaben um eine Mieterhöhung von rund 100 Prozent. Das könne sie sich nicht leisten, auch wenn sie einräumt, dass die Miete nicht sehr hoch sei. Allerdings habe sie auch viel in die Wohnung gesteckt, sie immer gut in Schuss gehalten, sodass sie sich eine Mieterhöhung von rund 20 Prozent vorstellen könne.

Offen ist, ob das Brauereigebäude abgerissen wird.
Offen ist, ob das Brauereigebäude abgerissen wird. | Bild: Jochen Hahne

Doch müssen die Betroffenen das akzeptieren? Birgitta Schäfer, SPD-Gemeinderätin und Rechtsberaterin des Mieterbundes Villingen-Schwenningen, betont auf Anfrage, dass Vermieter modernisieren dürfen und Mieter dies dulden müssen, solange es „angemessen und sinnvoll“ sei. Über die Ausgabe von mobilen Camping-Toiletten könne man sicher streiten, aus Sicht Schäfers sei aber der Aufbau eines Duschcontainers im Innenhof nicht zumutbar und müsse daher auch nicht geduldet werden. Dagegen könnten die Betroffenen vorgehen. Bei der Modernisierung könnten elf Prozent der die Wohnung betreffenden Sanierungskosten auf die Miete umgelegt werden. Auch das sei nicht in jedem Fall zumutbar. Das sei aber vor Gericht sehr schwierig nachzuweisen.

Sie würde auch ausziehen, sagt die Mieterin. Allerdings sei der Wohnungsmarkt in Villingen schwierig. „Wir brauchen mehr Zeit“, betont sie. Sie habe sich natürlich sofort bei einer Baugenossenschaft um eine Wohnung gekümmert – doch auf die Schnelle sei nichts zu bekommen. Der Wohnungsmarkt ist wie leer gefegt, was auch Matthias Mager, Prokurist bei der Baugenossenschaft Familienheim und Leiter der Abteilung Vermietung bestätigt. Für Notfälle könnte die Genossenschaft gar keine Wohnungen bereithalten, da die Lage viel zu angespannt sei. 1500 Gesuche gebe es auf der Warteliste. Im Monat würden nur ganz wenige Wohnungen gekündigt und die, die tatsächlich frei werden, gingen sofort auf den Markt.

Es ist also eine schwierige Situation für die Betroffenen in der Bickenstraße, aufgeben wollen sie nicht, wie die Mieterin stellvertretend betont: „Wir gehen auf die Barrikaden“. Auch die Stadtpolitik solle wissen, was für „ein Wahnsinn hier abläuft.“

 

Für die Objektentwicklungsgesellschaft meldete sich am späten Mittwochabend Alexander Schikorr mit einer Stellungnahme auf drei Fragen der Redaktion zu Wort. Wir drucken seine Antwort im Wortlaut ab:

  1. Sind die Schilderungen der Mieter richtig und welche Stellung beziehen Sie dazu? "Nach erster Einschätzung wäre ein Abriss des Brauereigebäudes die vernünftigste Lösung, jedoch werden wir mit unseren Projektpartnern bei der Planung auch eine Sanierung durchspielen, was uns am liebsten wäre, um dem gesamten Areal seinen alten Charme zurück zu geben. Die Objekte Bickenstraße 16 und 18 marodieren vor sich hin, es gab größere Wasserschäden und dass Dach ist undicht. Es besteht akuter Handlungsbedarf und eine Kernsanierung im Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt, ist die einzige Möglichkeit die historische Bausubstanz zu wahren und vor dem Verfall zu schützen. Auch das Objekt Bickenstraße 14 hat dringende Investitionen nötig. Es soll neue Fenster, Bäder und Böden erhalten. Für alle vier Gebäude soll es künftig eine zentrale Heizungsanlage geben. Die Mieter des Objektes Bickenstraße 14/16/18 sind informiert dass eine umfängliche Sanierung ansteht und dass es zu Ausfällen bei den Sanitäreinrichtungen kommen kann, diese sind natürlich zeitlich begrenzt und werden so kurz wie möglich gehalten. Für den Notfall wird es einen modernen Container mit Duschen und WC-Anlage im Innenhof geben, welcher einfach über die leerstehende Gewerbeeinheit im EG, mit Zugang zum Innenhof, zu erreichen ist."

  2. Wie sieht es mit der Mieterhöhung aus? "Die Mieten liegen momentan auf einem sehr niedrigen Niveau, was selbst bei der jetzigen Ausstattung deutlich unter einem angemessenen Mietpreis liegt. Die sanierten Wohnungen werden im Teileigentum an Eigennutzer und Kapitalanleger veräußert. Bei den Wohnungen, welche an Anleger veräußert werden kann die Mieterhöhung im Einzelfall in der Tat bis zu 100 Prozent betragen, jedoch aber dem Mietspiegel entsprechend. Natürlich werden wir, wie auch potentielle Käufer sich an geltendes Recht ins unserem Land halten, der Mieterschutz wird vollumfänglich eingehalten. Wir haben kein Bestreben Mieter aus der Wohnung zu drängen, jedoch sollte man mit Einschränkungen mit offenen Karten spielen, damit die Mieter wissen, was Sie in Zukunft erwarten können. Unser höchstes Bestreben, wie das auch unserer Partner, liegt darin diesen Teil der historischen Altstadt von Villingen für künftige Generationen von Villingern und Besuchern denkmalgerecht zu erhalten, dies ist jedoch nur bei einer Sanierung von Grund auf gewährleistet. Es muss leider in Kauf genommen werden, dass es unter Umständen zu einer Lärmbelästigung und Unannehmlichkeiten für einzelne Mieter kommt. Ein Vorgehensweise nach dem Motto: „wasch mir den Pelz und mach mich nicht nass“, ist leider nicht möglich."