Was machen Schulen, um Gewalt vorzubeugen, wie dies vor kurzem in der Schwenninger Friedenschule der Fall war? Und wenn es zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt, wie können die Pädagogen reagieren? An vielen Schulen werden die Lehrkräfte durch Schulsozialarbeiter verstärkt. Eine von ihnen ist Christine Disch, die an der Villinger Bickebergschule arbeitet. Doch auch Verbände wie etwa der Verband Bildung und Erziehung sind auf das Thema aufmerksam geworden.

"Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, war Gewalt an Schulen noch kein Thema", sagt Christine Disch. Doch der jüngste Fall einer Lehrerin der Friedensschule, die nach dem Tritt eines Schülers ins Krankenhaus musste (der SÜDKURIER berichtete), verdeutlicht, dass sich in diesen 20 Jahren offenbar vieles verändert hat. Über den Vorfall an der Friedensschule könne sie nichts sagen, sagt Disch. Doch die Schulsozialarbeiterin kann einen Einblick geben, wie sie an ihrer Schule arbeitet. "Wichtig ist es, zusammen zu kommen, damit das Geschehene gemeinsam aufgearbeitet werden kann. Das betreffende Kind darf dabei nicht ausgegrenzt werden", betont sie. So entstehe ein konstruktiver Dialog. "Mit dem Kind soll eine Strategie entwickelt werden, wie Gewalt vermieden wird. So zeigen wir ihm einen alternativen Lösungsansatz für schwierige Situationen auf." Denn solche Situationen würden auch im späteren Leben noch auftreten.

Als Präventionsmaßnahme arbeiten die Pädagogen und Schulsozialarbeiter der Bickebergschule an mehreren Projekten. "Wir wollen gemeinsame Punkte für Lehrer und Schüler festlegen, wie man sich verhalten soll. Dazu gehören aber auch sinnvolle Konsequenzen, wenn diese Regeln gebrochen werden", sagt Christine Disch. Dann habe jeder die gleiche Grundlage. Unter sinnvollen Konsequenzen versteht die Schulsozialarbeiterin eine Maßnahme, durch die das Kind etwas lernt. "Wer seinem Sitznachbar Wasser ins Essen schüttet, wird für den Küchendienst eingeteilt. Und wer sein Handy nicht ins Schließfach legt, muss es abgeben und von den Eltern abholen lassen", erklärt Disch.

Für die Klassenstufen fünf und sechs wurde ein Sozialtraining eingeführt. "Das kann ganz unterschiedliche Thematiken behandeln", sagt Christine Disch. Wichtig sei, dass nicht nur ein Schulsozialarbeiter an diesem Training teilnimmt, sondern auch die entsprechenden Klassenlehrer. "Für die Zukunft wünsche ich mir gezielte Fortbildungen, die Lehrer und Schulsozialarbeiter gemeinsam absolvieren können", sagt Disch. Bei der Koordinierungsstelle Schulsozialarbeit habe es auf den Vorschlag positive Reaktionen gegeben. Mit dem aktuellen Personal sei die Bickebergschule gut aufgestellt: "Als ich alleine mit einer 50-Prozent-Stelle gearbeitet habe, war es definitiv zu wenig. Seit einer Weile habe ich allerdings eine Kollegin, jetzt passt es sehr gut", sagt Disch.

Die Pressestelle des Verbands Bildung und Erziehung verweist auf eine Broschüre mit Informationen für Lehrer. Dort heißt es: "In Baden-Württemberg gibt es keine festgelegte Vorgehensweise bei Gewaltvorfällen gegen Lehrkräfte." Ob ein betroffener Lehrer einen Vorfall der Schulleitung, der Polizei oder der Justiz meldet, müsse im Einzelfall entschieden werden. Da die Schulämter keine Statistik über Angriffe auf Lehrer führten, hat der Verband eine Umfrage beauftragt. 500 Lehrer in Baden-Württemberg wurden zum Thema "Gewalt gegen Lehrkräfte" befragt. Das Ergebnis: 13 Prozent der Lehrer wurden schon mal von Schülern angegriffen. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 21 Prozent. 59 Prozent der Befragten sagten, dass "Gewalt gegen Lehrkräfte ein Tabuthema ist."