Der rote Teppich ziert das Gleis 1, als der Regionalexpress aus Karlsruhe kurz nach 20 Uhr in den Bahnhof Villingen einrollt. Gut 20 Kollegen haben es sich nicht nehmen lassen, das Ende der letzten Schicht des geschätzten Lok-Betriebsinspektors Otto Simon mit einem Sektempfang unvergessen zu machen.

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Sichtlich gerührt steigt Otto Simon aus dem Führerstand der E-Lok 146 239 und kann es kaum fassen, dass der Abschied aus dem geliebten Berufsleben mit einem Gläschen Sekt versüßt wird. Die letzte Fahrt begleitet hatte Jochen Seeburger, seines Zeichens Transportkontrolleur und Otto Simons Vorgesetzter.

  • 50 Jahre im Dienst der Bahn: Otto Simon weiß in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER nur Gutes über den Lokführerberuf zu berichten. Bereits sein Vater stand am Regler großer Dampfloks, Sohn Otto durfte in seiner Jugend schon mal mit dem Salzbähnle von Villingen ge Diiere fahren – seinerzeit quer durch Simons Heimatort Marbach, wo er noch heute in unmittelbarer Nähe zur Schwarzwaldbahn wohnt. „Eisenbahnfan war ich nie“, schmunzelt der Jungpensionär, „aber ich habe meinen Beruf immer geliebt.“
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  • Nach seinem Schulabschluss an der Klengener Hauptschule hieß es, einen Beruf zu erlernen. Da die Elektrifizierung der Schwarzwaldbahn anstand (Aufnahme des elektrischen Zugbetriebes 1974), wurden im damaligen Bahnbetriebswerk Villingen in der Ausbildungswerkstatt Lehrlinge für den Beruf des Starkstromelektrikers gesucht. Pro Jahrgang wurden zehn Lehrlinge ausgebildet, aus denen sich dann viele Lokführerkarrieren entwickelten. Genau das Richtige für den damals 15-Jährigen. Am 1. September 1969 trat Otto Simon in die Dienste der damaligen Bundesbahn. Nach der Ausbildung zum Lokführer durfte er aber nicht gleich auf den Führerstand. Da er noch keine 18 Jahre alt war, musste er zunächst in der Lokleitung Bürodienst verrichten, was ihm später als Diensteinteiler in der Region sehr zugute kam.
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  • Legendäre V200: Nach einigen Jahren im Rangierdienst auf kleineren Dieselloks wurde Otto Simon dann auf der Schwarzwaldbahn Kapitän der legendären Dieselloks des Typs V200. Mit ihren 2000 PS waren sie in der Lage, bis zu 550 Tonnen von Hausach auf die Schwarzwaldhöhen zu ziehen. „Besonders schlimm war es im Frühjahr und Herbst, wenn die Schienen rutschig und schmierig waren“, so der Lok-Altmeister: „Da war viel Erfahrung und Sand vor den Rädern von Nöten, um den Zug aus der Steigung wieder zum Laufen zu bringen.“ In den 80er Jahren war es Otto Simon auch vergönnt, die schmucken TEE-Triebzüge vom Typ VT11 zu steuern. Unvergessen der Notfalleinsatz im Winter 1978/79 in Nordfriesland, wo meterhohe Schneeberge jeglichen Verkehr zum Erliegen brachten.
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  • Mit der Villinger Schneefräse fuhr Simon als dringender Hilfszug von Villingen bis Husum, um einen Kesselwagenzug zur Gasversorgung der Stadt Niebüll aus den Schneemassen freizuschaufeln. Sogar die Strecke über den Hindenburgdamm nach Sylt wurde mit Villinger Hilfe wieder befahrbar gemacht. „Das war das absolute Erlebnis in meiner 46-jährigen Lokführerlaufbahn“, so Simon. In der Einführung der E-Loks auf der Schwarzwaldbahn sah Simon eigentlich nie ein großes Problem, allein dass die Loks eine wesentlich höhere Beschleunigung hatten, musste beim Fahren berücksichtigt werden.
  • Lokführer – ein Traumberuf: „Auf jeden Fall, immer wieder!“, so die kurze und überzeugende Antwort auf die Frage, ob er diesen Beruf abermals ergreifen würde. Der Lokführerberuf ist immer mit Überraschungen verbunden: „Man weiß nie was heute noch so alles kommt“ – und das mache den Beruf auch so interessant. Schichtdienst oder Sonntagsarbeit waren für ihn und seine Familie nie ein Problem: „Wer kann schon unter der Woche mal gemütlich einkaufen gehen?“. Simon war aber nicht nur Lokführer, sondern auch Diensteinteiler und Notfallbetreuer in der Region.
  • Heimatverbundenheit: Otto Simon ist aber auch in Marbach kein Unbekannter. Über 34 Jahre betreute er bei der Feuerwehr die Kameradschaftskasse und hat in seiner aktiven Zeit als Maschinist bei der Marbacher Wehr Dienst am Nächsten verrichtet. Sein Sohn Florian Simon stellt heute den Abteilungskommandanten in Marbach.