Das Thema Müll brennt den Bürgern der Doppelstadt auf den Nägeln, das hat die SÜDKURIER-Sommerredaktion vergangene Woche gezeigt: Viele Leser kamen vorbei, um von ihrem Ärger über vermüllte Plätze, Straßen und Wege zu berichten, über fehlende Mülleimer und verdreckte Altkleider-Container.

Der SÜDKURIER hat jetzt bei der Stadt nachgefragt, was in Sachen Müll eigentlich passiert, wie Oberbürgermeister Jürgen Roth sein Wahlvesprechen „Sauber, sicher, schön“ umsetzen will und welche Maßnahmen er dafür einleitet.

Neue Ideen umgesetzt

Wie Pressesprecherin Madlen Falke dem SÜDKURIER mitteilt, habe sich OB Roth in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema Stadtreinigung und Müllaufkommen in Villingen-Schwenningen befasst. „Er hat mit den zuständigen Dienststellen gesprochen und auch neue Ideen und Konzepte mit auf den Weg gebracht.“ Vieles wurde bereits umgesetzt und Verbesserungen seien bereits deutlich sichtbar, so die Pressestelle. Weitere Anpassungen seien noch „in der Mache“.

Mehr Personalkapazitäten schaffen

Konkret hatten Leser ja bemängelt, dass mehr Mülleimer gerade am Brigachufer aufgestellt werden sollten. Dies sei aber nur mit den notwendigen Personalkapazitäten bei der Stadtreinigung möglich, so Madlen Falke. Ein konzeptionelles Ziel stellt daher die Schaffung neuer Personalkapazitäten für die Stadtreinigung bei den Technischen Diensten Villingen Schwenningen dar. Die Stadt analysiere derzeit die Notwendigkeit aller Standorte für Abfallbehälter. Standorte, die keinen Bedarf mehr aufweisen, werden abgebaut, um Kapazität für die Umsetzung neuer Standorte zu schaffen. Auch die Zusammenlegung von Abfallstandorten kann neue Kapazitäten und gleichzeitig eine Umfeldverbesserung bewirken, teilt Madlen Falke mit.

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Modellversuch in Schwenningen

Am Standort Busbahnhof Schwenningen läuft in Kürze hierzu ein Versuch an. Hier gibt es derzeit acht kleine veraltete Abfallkörbe aus Drahtgeflecht, diese werden durch vier moderne große, geschlossene Abfallbehälter aus Edelstahl mit integrierten Aschern ersetzt, erläutert Madlen Falke den Modellversuch. Die Abfallbehälter sind dann nicht mehr an den Masten der Haltestellen angebracht, sondern stehen an zentralen Stellen des Bussteiges. Die Anzahl der wöchentlichen Leerungen reduziert sich von 56 auf 28 Leerungen. So könne die Stadt auch die notwenige Arbeitszeit reduzieren, das Personal könne dadurch an anderer Stelle im Bereich Stadtreinigung sinnvoll eingesetzt werden. Sollten sich hier die gewünschten Ergebnisse in Sachen Sauberkeit einstellen, wird die Stadt diese Strategie auch an anderen Stellen weiter verfolgen, erklärt die Pressestelle.

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Mülleimer nachrüsten

Zudem werden bestehende Mülleimerstandorte mit Aschern nachgerüstet, wie das schon in Teilen in der Innenstadt von Villingen passiert ist, und offene Behälter sukzessive durch Behälter mit Deckel ersetzt. Während der vergangenen Wochen und Monate wurden bereits stark frequentierte Mülleimer durch größere Behältnisse ausgetauscht. Die Häufigkeit der Leerung ist für die „Problemeimer“ bereits erhöht worden. „Ebenso ist erkennbar, dass parallel zu unseren Maßnahmen eine Zunahme der Müllmengen den Eindruck überquellender Mülleimer, zumindest bei den Brennpunktstellen, hinterlässt“, betont Falke. Grundsätzlich sei die Mehrzahl der Mülleimer im Durchschnitt nur zu ca. 60 Prozent gefüllt sind und zumindest für diese Mülleimer der Intervall für die Leerung ausreichend ist.

Neue Geräte

Um die Reinigungsprozesse zu optimieren, hat die Stadt auch neue technische Geräte angschafft. Außerdem gibt es zusätzliche Reinigungstouren an Sonn- und Feiertagen und an den Wochenenden, im Juli wurden die Mülleimer in der Innenstadt von Villingen nassgereinigt. Wenn die Behälter stark verschmutzt sind, sollen sie öfter gereinigt werden. Eine externe Firma unternimmt mit einem Spezialfahrzeug vermehrt Fahrten im Stadtgebiet, um nicht befahrbaren Engstellen, wie z.B. kleine Gassen, zu reinigen. Auch ein tragbares Laub-Sauggerät wird bereits laut Pressestelle mit Erfolg eingesetzt. Um vor allem die Innenstadt sauber zu halten, gibt es maschinelle Sonderreinigungen mit einer speziellen Nassreinigungskehrmaschine in der Färberstraße, in der Muslen, am Busbahnhof und in der Schwenninger Innenstadt.

Für achtlos weggeworfenen Müll kann ein saftiges Bußgeld in VS fällig werden.
Für achtlos weggeworfenen Müll kann ein saftiges Bußgeld in VS fällig werden. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Ärgernis Kaugummi

Besonders ärgerlich sind überall klebende Kaugummis, hier hat die Stadt für die Entfernung in den Bereichen, die maschinell nicht zugänglich sind, ein spezielles handgeführtes Gerät bestellt. Die Auslieferung wird in Kürze erfolgen.

Das sind die VS-Bußgelder für Müllsünder

Seit Anfang Juni erhebt die Stadt Villingen-Schwenningen höhere Bußgelder für das Entsorgen von wildem Müll, damit liegt die Doppelstadt im Vergleich mit anderen Städten eher im oberen Bereich. „Da spielen wir wirklich in der Liga der großen Städte mit“, so Pressesprecherin Madlen Falke. Es werden auch Zivilstreifen eingesetzt, die schon einige Vergehen geahndet haben. Hier hofft die Stadt mittel- und langfristig auf einen Abschreckungs-Effekt: Wer einmal ein hohes Bußgeld bezahlt hat, wird es sich überlegen, ob er nochmals Müll wegwirft. „Wir wollen hier wirklich harte Strafen zur Abschreckung verhängen“, betont Madlen Falke. Das sind die Bußgelder, die in der Doppelstadt verhängt werden können:

  • Für eine kleine Müllmenge, z.B. ein bis zwei Hausmülltüten sind 100 Euro fällig.
  • Für große Müllmengen verlangt die Stadt immerhin 250 Euro Bußgeld
  • Eine weggeworfene Zigarettenkippe kann ein Bußgeld von 60 Euro nach sich ziehen.
  • Wer einen Kaugummi wegwirft, muss mit einem Bußgeld von 100 Euro rechnen. Das Bußgeld ist höher als bei einer Zigarettenkippe, da ein Kaugummi schwerer zu entfernen ist als eine Kippe.

     

Auf alle Beträge kommt noch eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 28,50 Euro dazu, erklärt Madlen Falke. Wenn sich herausstellt, dass unter dem illegal entsorgten Müll Gefahrstoffe sind, könnte dies eine Straftat darstellen, die angezeigt werden und bestraft werden kann.