„Klein aber oho!“ So kurz lässt sich die Trossinger Eisenbahn beschreiben. Klein weil sie mit ihrer Streckenlänge von nur 4 Kilometern zu den kleinsten Nebenbahnen in Deutschland zählt. Oho weil die Trossinger Eisenbahn anerkanntermaßen zu den Pionieren des elektrischen Eisenbahnbetriebs zählt.

Von 1898 bis 2003 verband diese ehemalige Privatbahn die Stadt Trossingen mit dem damaligen „Staatsbahnhof“ auf der Gemarkung Deißlingen, an der Bahnstrecke zwischen Schwenningen und Rottweil. Trossinger Unternehmer hatten die Bahn seinerzeit gebaut um ihre Produkte besser und schneller aus der schwäbischen Provinz in alle Welt ausliefern zu können, allen voran der Musikinstrumenten-Fabrikant Hohner.

Video: Hans-Juergen Goetz

Nach der Stilllegung wurde die Strecke saniert um Trossingen gleich wieder an das neu entstandenen Ringzug-Netz anschließen zu können.

Damit die historischen Fahrzeuge der Nachwelt erhalten bleiben hat sich dann bereits 2004 der Freundeskreis der Trossinger Eisenbahn gegründet. Mit großer Unterstützung der Stadt Trossingen, des Landes und vieler Spender kümmern sie sich seit dem um die Restaurierung und vor allem dem Betrieb der wertvollen Museums-Fahrzeuge.

Dabei zählt die Elektrolok „Lina“ aus dem Jahre 1902, zusammen mit den zugehörigen Wagen und dem Triebwagen T1 aus dem Jahre 1989 weltweit als ältester betriebsbereiter Elektrozug.

Ein Museum muss leben und so fahren die Mitglieder des Freundeskreises regelmässig ihre Fahrzeuge auf der Strecke zwischen Trossingen und dem Staatsbahnhof.

Und da es mehr Spaß macht, wenn man das Vergnügen mit Gästen teilen kann, führen sie unter anderem alle drei Wochen eine sogenannte „Mondscheinfahrt“ durch.

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Diese Mitfahrgelegenheiten sind kostenlos und erfreuen sich immer großer Beliebtheit. Die begeisterten Fahrgäste honorieren es dafür gerne mit Spendenbeiträgen, zumal ja während der 12 Minütigen Fahrt auch keiner verdursten muss, der Freundeskreis hat für ausreichend „Proviant“ im Wagen gesorgt.

Da die eingleisige Strecke ja auch Fahrplanmässig vom Ringzug benutzt wird muss alles präzise mit der HZL und der Fahrdienstleitung im fernen Karlsruhe abgestimmt sein.

Unmittelbar nach Einfahrt des Ringzuges im Trossinger Bahnhof geht es pünktlich um 20 Uhr 13 los.

Die Weichen zum Museum werden von Hand umgestellt, die Fahrtfreigabe per Mobiltelefon in Karlsruhe eingeholt und die Schranken am nächsten Bahnübergang per Fernsteuerung gesenkt.

Dann kann Lokführer Moritz Scherzinger endlich die Bremsen des elektrischen Triebwagens „Zeug Christe“, Baujahr 1898 lösen und den Fahrregler gefühlvoll hochschalten. Fast geräuschlos setzt sich der kleine Zug mit seinen 20 Fahrgästen in Bewegung.

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Hier darf man während der Fahrt auch noch mit dem Lokführer reden und ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. Viele Fahrgäste schätzen auch das besondere Erlebnis neben dem Lokführer auf der offenen Plattform des historischen Triebwagens stehen zu können und den ungehinderten Blick auf die Strecke zu genießen.

Dabei braucht niemand Angst zu haben vom Fahrtwind weg geblasen zu werden. Schließlich bummelt der Zug mit gemütlichen 25 Stundenkilometern Talwärts zum 4 Kilometer entfernten Endziel, dem Staatsbahnhof.

Der Lokführer ist trotzdem voll beschäftigt und hoch konzentriert bei der Arbeit. Gilt es doch die Signale zu beachten, die Bahnübergänge zu steuern, die Bremsen auf der Talstrecke gefühlvoll zu betätigen und die Geschwindigkeitsvorgaben penibel einzuhalten.

So haben auch alle Lokführer des Freundeskreises eine vollwertige 2 jährige Ausbildung nebst offizieller Prüfung hinter sich.

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Selbst eine Erholungspause am Ziel im Staatsbahnhof ist weder für Fahrgäste noch dem Zugpersonal drin. Gerade mal 4 Minuten Zeit bleiben um den Zug für die anstehende „Bergfahrt“ zurück nach Trossingen vorzubereiten.

Per Handy wird die Fahrt bei der Fahrdienstleitung in Karlsruhe angemeldet und deren Freigabe zur Abfahrt eingeholt. Denn von dort werden alle Signale und Weichen auf der Hauptstrecke ferngesteuert und der Ringzug wartet bereits darauf die eingleisige Strecke unmittelbar nach dem passieren des Musuemszuges wieder Fahrplanmässig benutzen zu können.

Bei der Rückfahrt zieht die 1902 gebaute Elektrolok „Lina“ den kleinen Zug. Bedient wird sie von Lokführer Kilian Schmidt, der auf dieser Fahrt auch seinen Sohn Raoul in die Geheimnisse der „alten Dame“ einweiht.

Mondscheinfahrt mit dem Freundeskreis Trossinger Eisenbahn e.V.
Elektrolok "Lina, Baujahr 1902.
Mondscheinfahrt mit dem Freundeskreis Trossinger Eisenbahn e.V. Elektrolok "Lina, Baujahr 1902. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Nach der Fahrt ist auch vor der Fahrt. Und so kümmern sich die Mitglieder des Vereins nach der Ankunft in Trossingen gleich wieder liebevoll um den Zug, der bis zur nächsten Fahrt wieder in der großen Fahrzeughalle am Ende des Bahnhofs eingestellt und dort gewartet wird. Im Gegensatz zur „großen Bahn“ sind hier ständig alle Fahrzeuge einsatzbereit und die Zugfahrten des Vereins finden immer garantiert fahrplanmässig auf die Minute genau statt. „Es sei denn der Ringzug verspätet sich einmal“ schmunzelt dann ein glücklicher Vereinsvorstand, Stefan Ade am Ende eines weiterne schönen Fahrtages mit seiner historischen Trossinger Eisenbahn.