Es sind ehrgeizige Ziele, die hinter dem neuen VS-Musikfestival stehen, welches im Herbst 2019 in der Schwenninger Neckarhalle an den Start geht. Langfristig gesehen ist die dreitägige Großveranstaltung lediglich ein Startschuss, um die Doppelstadt wieder als beliebten Veranstaltungsort für bedeutende Konzerte im Bereich der populären Musik zu etablieren. Die Stadt möchte sich wieder einen Namen machen, bei Agenturen, Veranstaltern und Gästen gleichermaßen. Die Besonderheit: In vielen Bereichen, von der Idee bis zur Umsetzung des Festivals, sollen Jugendliche aktiv mitgestalten.

  • Was bislang geschah: Die Idee für ein Musikfestival hatten Jugendliche im Rahmen der Beteiligungswerkstatt Anfang des Jahres. Aus ihrer Idee eines Sommerfestivals wurde in weiteren Gesprächen die jetzt beschlossene Herbstveranstaltung, um ähnlichen Veranstaltungen in der Region terminlich aus dem Weg zu gehen. Parallel dazu habe es nach dem Aus von „VS-Swingt“ die Idee gegeben, ein großes Festival mit mehreren Schauplätzen und Stilrichtungen ins Leben zu rufen. Nach Gesprächen mit Veranstaltern aus der Stadt sei man davon wieder abgekommen, erklärt Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier. Der Grund: Zu teuer. Lieber konzentriere man sich jetzt auf das auf ein junges Publikum zugespitzte Festival in der Neckarhalle. „Dafür haben wir den Anspruch, dass es richtig gut wird“, so Dobmeier. Im Oktober wurde das Konzept im Gemeinderat vorgestellt. Vor einer Woche hat der Verwaltungsausschuss zugestimmt.
  • Wie es weiter geht: Erste Vorbereitungen für das Festival laufen bereits. Als letzte Hürde muss der Gemeinderat noch den Haushaltsentwurf verabschieden. Erst dann können die Organisatoren konkret aktiv werden und verbindlich Bands über Agenturen buchen. Weil Jugendliche auch die Idee hatten, das neue Jugendkulturzentrum mit After-Show-Partys in das Festival einzubinden, stehen noch Gespräche mit dem künftigen Träger an. Der steht aber noch nicht endgültig fest.
  • Organisation: Infrastruktur, Sicherheitskonzept und alle betriebswirtschaftlichen Belange liegen in der Verantwortung des Kulturamtes und der Kultur- und Tagungsräume GmbH (KTVS). Die Programmplanung sowie die Künstlerbuchung werden von Holger Gaus vom Jugendhaus Spektrum, Daniel Leguy-Madzar, der nach seinem Ausscheiden beim Jugendhaus K3 weiterhin ehrenamtlich mitarbeitet, und von Vertretern aus dem Jugendgemeinderat übernommen. Ab Januar wird dann auch der Nachfolger von Leguy-Madzar in die Planungen mit einsteigen. Dabei sollen auch die Jugendlichen selbst zu Wort kommen und bei der Umsetzung mithelfen.
    Eigentlich wollte Sören Pfundstein beim Jugendgemeinderat aufhören. Damit er beim Festival mitwirken kann, will er sein politisches Engagement für eine Amtszeit verlängern.
    Eigentlich wollte Sören Pfundstein beim Jugendgemeinderat aufhören. Damit er beim Festival mitwirken kann, will er sein politisches Engagement für eine Amtszeit verlängern. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Türöffner: Ein echter Glücksfall für das Projekt ist Jugendhausmitarbeiter Holger Gaus. Der 44-jährige lebt in Oberndorf. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Seit Anfang 2015 arbeitet er als pädagogischer Mitarbeiter im Schwenninger Jugendhaus. Gaus hat viel Erfahrung mit solchen Veranstaltungen. Seit 25 Jahren organisiert er Konzerte und Festivals, war 18 Jahre lang Vorsitzender im Verein Oberndorfer Musikinitiative, die dort unter anderem das Easter-Cross-Festival ausrichtet. Er kennt viele Veranstalter und pflegt gute Kontakte zu Künstleragenturen. Genau das soll nun helfen, mehrere Top-Bands in die Neckarhalle zu holen. Das ist mitunter gar nicht so einfach. Viele Konzertveranstalter vereinbaren einen Gebietsschutz, was bedeutet, dass eine Band in einem bestimmten Zeitraum und Umkreis nicht anderswo auftreten darf. Diese Fristen und Gebiete werden laut Gaus immer größer, was es kleineren Festivals immer schwerer mache, große Namen zu bekommen.
    Holger Gaus hat viel Erfahrung als Veranstalter von großen Konzerten und Festivals. <em>Bilder: Jens Fröhlich</em>
    Holger Gaus hat viel Erfahrung als Veranstalter von großen Konzerten und Festivals. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Name: Noch fehlt eine offizielle Bezeichnung für die Veranstaltung. Der interne Arbeitstitel lautet schlicht „Festival VS“. Mit den Worten „Roundabout VStival“ wurde auch schon eine erste Idee formuliert. Entschieden ist aber noch nichts. Zudem sollen bei diesem Thema auch die Jugendlichen selbst noch zu Wort kommen und Ideen entwickeln.
  • Programm: Drei Tage lang wird die Veranstaltung dauern, von Donnerstag, 3. Oktober, bis Samstag, 5. Oktober. Bis zu fünf Bands könnten jeweils ab 18 Uhr auftreten. Am Donnerstag wird die Bühne Künstlern aus dem breiten Hip-Hop Spektrum gehören. Der Freitag ist für Rock-, Metal- und Punk-Bands reserviert. Am Samstag werden Vertreter populärer Musik für Stimmung sorgen. An allen Festival-Tagen treten zuerst lokale Vorbands auf, gefolgt von überregional bekannten Künstlern. Für 1200 Besucher ist in der Halle Platz.
  • Eintritt: Tages-Tickets sollen im Durchschnitt 22 Euro kosten. Es wird auch Festival-Tickets für alle Veranstaltungstage geben. Der endgültige Kartenpreis sei jedoch abhängig davon, welche Bands auftreten, so Gaus. Es könne zum Beispiel sein, dass die Samstag-Karte ein paar Euro mehr kostet, wenn an diesem Tag echte Stars zu sehen sind.
  • Kosten: 120.000 Euro sind veranschlagt. Das seien jedoch nur die externen Kosten, so Dobmeier. Aufwendungen des Kulturamtes und der KTVS sind darin nicht enthalten. Die Stadt gewährt eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 50.000 Euro. Die Organisatoren sind zuversichtlich und motiviert, dass am Ende keine rote Zahl unter dem Strich stehen wird.
  • Probelauf: Damit man mit der dreitägigen Großveranstaltung nicht ins kalte Wasser springt, sollen nach der Eröffnung der Neckarhalle ab März bereits erste Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. Mehr Details wollten die Verantwortlichen aber noch nicht verraten.
  • Zukunft: Das Festival soll ein Auftakt für eine rege Nutzung der Neckarhalle sein, ein Signal an Veranstalter, Agenturen und Besucher, in der Doppelstadt wieder häufiger Station zu machen. „Die Halle wurde genau für solche Veranstaltungen gebaut“, erinnert sich Dob-
    meier. Villingen-Schwenningen soll demnach wieder kulturelles Oberzentrum werden. Auch andere Veranstaltungsräume, wie zum Beispiel das neue Jugendkulturzentrum, würden davon profitieren, da sind sich die Organisatoren einig.