„Wir machen heute keine Radtour, sondern eine Stadtführung mit dem Fahrrad im nördlichen Umfeld von Villingen“, betont Stadtführer Franz Kleinbölting. 5 Kilometer in dreieinhalb Stunden hatte er dafür angesetzt. Kleinbölting, in Villingen aufgewachsen, kennt jede Ecke und ihre Geschichten innerhalb der Stadtmauern und viele außerhalb ganz genau.

Ganz entspannt startete die Fahrt zum ersten Halt in der Ringanlage mit Blick auf das Theater am Ring. Hier ging es um die Geschichte des Hubenlochs, die ehemalige Jahnturnhalle und ums Hollerithgebäude. Die erste Herausforderung war dann der Anstieg die Vöhrenbacher Straße hinauf. Für fünf Fahrer wurde klar, was es bedeutet, E-Bikes in der Gruppe zu haben.

Video: Dürrhammer Roland

Beim Hochgericht stand man dann schließlich am Wechsel vom Kalksteingebiet ins rote Sandsteingebiet. Ein Stein erinnert hier an den ehemaligen Gerichtsplatz von Villingen. „Hier wurden die Verurteilten erhängt und im Boden verscharrt“, erzählt Kleinbölting. Der Friedhof sei nur für die ehrwürdigen Villinger gewesen. „Es war 1773, als mit Josef Ferdinand, wegen bösartigen Diebstahls, die letzte Hinrichtung erfolgte“, berichtet Kleinbölting.

Heilig-Geist-Spital und Lorettokapelle waren weitere Stationen, um dann über den Hammerhaldenweg an den Rand von Volkertsweiler zu gelangen. Kornelia Leicht war aus Bad Dürrheim gekommen. Sie kurt dort und hat sich für die Tour einfach angemeldet. „Es ist eine sehr interessante Stadtführung und ich habe schon viel über Kelten, Schwaben und Badener erfahren“, sagt Kornelia Leicht aus Münsingen. „In diesem Waldstück bei Volkertsweiler zeigte im Zweiten Weltkrieg ein französischer Pilot Menschlichkeit und hat dort, entgegen seines Befehls, die Bomben abgeworfen und damit die Stadt verschont“, weiß Kleinbölting. Ein Aupair-Mädchen aus Villingen sei in seiner Familie gewesen und damit sie nicht zu Schaden komme, habe er die Bomben über dem Wald abgeworfen.

Bei jedem Halt hatte Stadtführer Franz Kleinbölting (rechts) spannende Geschichten zu erzählen.Bild: Roland Dürrhammer
Bei jedem Halt hatte Stadtführer Franz Kleinbölting (rechts) spannende Geschichten zu erzählen. Bild: Roland Dürrhammer

Spannende und interessante Geschichten folgten und waren auch für den Villinger Norbert Peter lehrreich. „Ich bin soviel mit meinem Mountainbike unterwegs und wollte mal eine geführte Tour mitmachen, bei der ich auch noch etwas lernen kann“, sagt er auf seinem Hightech-Mountainbike mit E-Antrieb. Über das Kurgebiet führte der Weg zur Kapelle im Kurgarten, wo dann das begann, was sich durch heftiges Grollen am Himmel schon seit einiger Zeit angedeutet hatte. Ein kräftiger Regen setzte ein und sorgte für eine Zwangspause in der Konzertmuschel im Kurgarten. Über Vockenhausen und die Wöschhalde ging es dann über den Steinkreuzweg und die Mönchweiler Straße zurück in die Innenstadt. Schlusseinkehr war im Biergarten am Sudhaus und noch immer erzählte Franz Kleinbölting von der Villinger Geschichte.