Villingen wird Studentenstadt auf Zeit. Aktuell werden die Wohnblocks, in denen früher Unteroffiziere und Offiziere der französischen Armee mit ihren Angehörigen, danach Flüchtlinge lebten, von Grund auf saniert. Es entstehen 130 Wohnungen, in denen bis 2021 500 Studenten der Polizei-Hochschule unterkommen. Möglich macht das ein ungewöhnliches Bündnis dreier Wohnungsbauer, die früher in vielen Bereichen auch einmal konkurrierten, wie es Sebastian Merkle, geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei der Baugenossenschaft Familienheim ausdrückte. Familienheim, eine 100 prozentige Tochter der Baugenossenschaft Villingen und die Wohnungsbaugesellschaft sind bei dieser 35 Millionen Euro-Investition mit im Boot.

Video: Hauser, Gerhard

Das Bündnis für faires Wohnen steht unter einem enormen Zeitdruck, denn am 1. März ziehen bereits die ersten 92 Studenten ein, dann folgen nach und nach jeweils zu Semesterbeginn bis 2021 weitere Polizeischüler. Die Wohnungen entlang von Kirnacher-, Pictorius- und Dattenbergstraße werden erst in "sechs bis sieben" Jahren VS-Familien als preisgünstiger Wohnraum zur Verfügung stehen. "Das war der Kompromiss", betonte Merkle. Die Stadtverwaltung wollte die Polizei-Hochschule halten und deswegen musste sie die Studentenunterkünfte bereitstellen. Auf 19 000 Quadratmeter Grundstücksfläche entsteht 12 000 Quadratmeter Wohnraum. Es sei eines der größten Sanierungsvorhaben der nächsten Jahre, erläuterte Rainer Müldner, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft. Die drei Unternehmen gründeten eine eigene Gesellschaft, um den Zuschlag zu erhalten. Gestern wurden auch die Generalverträge unterzeichnet.

Die Verträge sind unterzeichnet von Martin Renner, Sebastian Merkle (Familienheim), Rainer Müldner (WBG) und Sebastian Bausch (Baugenossenschaft Villingen).
Die Verträge sind unterzeichnet von Martin Renner, Sebastian Merkle (Familienheim), Rainer Müldner (WBG) und Sebastian Bausch (Baugenossenschaft Villingen). | Bild: Hahne, Jochen

Nun rücken die Handwerker an, sie entkernen die Wohnungen – im Grunde sei es ein Neubau, berichtete Familienheim-Vorstandsmitglied Martin Renner. Zwischenwände werden eingezogen, die später bei Bedarf auch wieder herausgenommen werden, um größere Drei-, Vier- oder Fünfzimmer-Familienwohnungen zu schaffen. In den Gebäuden entlang der Kirnacher Straße werden die Walmdächer abgenommen, um noch ein weiteres Geschoss aufzusetzen, jedes dieser Häuser bekommt auch zwei Aufzüge. "Für die Studenten hätten wir sie nicht benötigt", betonte Sebastian Bausch, der technische Leiter der Baugenossenschaft Villingen. Doch für die künftige Nutzung seien sie wichtig. Ganz barrierefrei zugänglich werde allerdings nur das oberste Stockwerk sein.

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Zwischen den Gebäuden, derzeit mit großzügigen Grünflächen ausgestattet, sollen künftig Parkplätze entstehen. 130 muss das Bündnis für faires Wohnen nachweisen. Ob dies allerdings für 500 Studenten ausreicht, ist derzeit völlig offen. Möglicherweise werden in der Umgebung weitere Behelfsparkplätze gebaut werden, zudem stehen einige Garagen zur Verfügung.

Das schöne alte Treppenhaus in einem früheren Offiziersgebäude.
Das schöne alte Treppenhaus in einem früheren Offiziersgebäude. | Bild: Hahne, Jochen

Wann, wie viele und zu welchen Kosten die Wohnungen dann Mitte der 2020er Jahre für VS-Familien zur Verfügung stehen, sei derzeit völlig offen. Es habe daher keinen Sinn, sich jetzt schon zu bewerben. Auch zur Miethöhe können die Verantwortlichen derzeit nichts sagen. Das Bündnis für faires Wohnen möchte sich künftig auch auf dem benachbarten, früheren Kasernengelände Mangin engagieren. Dort sollen in wenigen Jahren auch günstige Wohnungen entstehen.

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