Villingen-Schwenningen – Wenn am Sonntagmorgen im Franziskaner-Konzerthaus bekannte Melodien von George Gershwin erklingen, liegen hinter den jungen Musikerinnen und Musiker des Jugendblasorchesters Villingen anstrengende und intensive Probenzeiten. Die 25-jährige Miriam Raspe hat die Aufgabe übernommen, das aus den Jugendorchestern der Stadtmusik und der Stadtharmonie bestehende Orchester zu dirigieren. Es ist das zweite Konzert dieser Art, vor zwei Jahren teilten sich Stadtmusikdirektor Markus Färber und Benno Kilzer von der Stadtharmonie das Dirigat. Das Projekt kam großartig an, so war schnell sicher, dass es eine Neuauflage gibt. Allerdings unter anderen Vorzeichen: Ein externer Dirigent oder eine Dirigentin sollte das Orchester auf das Konzert vorbereiten.

Die 25-jährige Miriam Raspe probt gerade intensiv mit dem Jugendblasorchester Villingen für das große Konzert am Sonntag, 1. Juli. <em>Bilder: Hans-Jürgen Götz</em>
Die 25-jährige Miriam Raspe probt gerade intensiv mit dem Jugendblasorchester Villingen für das große Konzert am Sonntag, 1. Juli. Bilder: Hans-Jürgen Götz | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Das Projekt: Über die Musikakademie kam der Kontakt zu Miriam Raspe zustande, die in der Region nicht unbekannt ist. Sie dirigiert den Musikverein Unterkirnach und die Stadtkapelle Trossingen. Die Musikerin sprüht vor Temperament und weiß ganz genau, was sie will: "Ich bin eine akribische Arbeiterin und ich bevorzuge eine straffe Probenführung, da müssen schon alle hochkonzentriert sein." Sie räumt ein, dass sich manche der jugendlichen Musiker im Alter zwischen elf und 25 Jahren an diese Arbeitsweise erst gewöhnen mussten. "Das verlangt enorm viel Disziplin."
Die Jugendlichen sind stark gefordert, die Arbeitsweise von Miriam Raspe erfordert hohe Konzentration.
Die Jugendlichen sind stark gefordert, die Arbeitsweise von Miriam Raspe erfordert hohe Konzentration. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Aber Miriam Raspe lobt das Projektorchester als sehr motiviert, sehr zuverlässig und vor allem gut ausgebildet. Für sie war schnell klar, dass Programm unter das Motto "Summertime" zu stellen. "Die Stücke sollen zur Jahreszeit passen, alles sollte etwas lockerer sein und unterhaltsam, aber keine volkstümliche Musik." Die Queens Park Melody war das erste Stück, das Miriam Raspe in den Sinn gekommen ist, drumherum hat sie dann weitergedacht."

Vor allem das Gershwin-Medley stellt hohe Anforderungen an das Jugendblasorchester, aber Miriam Raspe arbeitet unermüdlich mit den Jugendlichen.
Vor allem das Gershwin-Medley stellt hohe Anforderungen an das Jugendblasorchester, aber Miriam Raspe arbeitet unermüdlich mit den Jugendlichen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Ein Arrangement mit Gershwin-Melodien gehört für sie zur Allgemeinbildung. "Rhapsody in Blue oder ein Amerikaner in Paris muss man mal gespielt haben."

Für Miriam Raspe ist ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar: Sie hat in Trossingen ihren Bachelor Posaune gemacht mit Blasorchesterleitung im Nebenfach und ein zweijähriges Masterstudium in Karlsruhe angeschlossen. Danach hat sie die Leitung der Stadtkapelle Trossingen übernommen, dieser Job ist mit einer Dozentur für Blasorchesterleitung verbunden, das heißt, Miriam Raspe bildet selbst schon Dirigenten aus. Damit aber nicht genug: Seit März macht die junge Frau ihren Master in Klassenmusizieren und hat aktuell die Aufnahmeprüfung für das Masterstudium Blasorchesterleitung geschafft. "Das ist eine tolle Sache, hier kann ich meine Kenntnisse deutlich vertiefen, da dies jetzt keine Nebenfachausbildung mehr ist."

Klar und präzise ist ihr Dirigat, genauso klar sind Miriam Raspes Vorstellungen von ihrer musikalischen Zukunft: Sie will einmal eine richtig gute Stadtkapelle leiten.
Klar und präzise ist ihr Dirigat, genauso klar sind Miriam Raspes Vorstellungen von ihrer musikalischen Zukunft: Sie will einmal eine richtig gute Stadtkapelle leiten. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Für Miriam Raspe ist dieses Masterstudium eine gute Gelegenheit, noch mehr zu lernen, um irgendwann ihr großes Ziel zu erreichen: "Eine gute Stadtkapelle zu leiten." Die Musikerin ist sich sicher: "Ich mache etwas Gutes hier für die Region." Sie weiß, dass es viele Kapellen gibt, die Dirigenten suchen und da sieht sie ihre Zukunft.
Angefangen hat die in Düsseldorf aufgewachsene Miriam Raspe mit Klavier, wechselte dann zur Posaune. Da war sie zehn Jahre alt und ab diesem Zeitpunkt hat sie ihre Zukunftsvorstellungen recht konsequent umgesetzt. Gibt es für jemanden, der von sich behauptet, seine ganze Leidenschaft gilt der Musik, noch andere Hobbys? "Ja klar", lacht Miriam Raspe. Wenn sie Zeit hätte, würde sie mehr tanzen und reiten. Aber jetzt spielt sie ja auch noch Klarinette, beim Musikverein Fischbach, das ist für Miriam Raspe ein Hobby.

Stimmen zum Jugend-Projekt

Das gemeinsame Konzert ist ein Projekt, das allen Beteiligten viel Spaß macht. Wie sieht es in Zukunft aus? Wird es langfristig nur noch ein Jugendorchester geben?

  • Henry Greif, Vorsitzender der Stadtharmonie, betont: "Für beide Orchester besteht keine wirkliche Not, die Jugendorchester zu verschmelzen." Musikalisch sei es natürlich toll, alle Register üppig besetzt zu haben: "Das erzeugt eine ganz andere Klangfülle." Sowohl Stadtmusik und Stadtharmonie würden eine gute Nachwuchsarbeit machen, so Greif. Vor dem Eintritt ins Jugendorchester sammeln Kinder und Jugendliche erste Erfahrungen bei den Pimpfoniker der Stadtmusik und dem Vororchester der Stadtharmonie. Allerdings ist Greif auch ein Verfechter der These: "Gestalte, solange du nicht der Not gehorchen musst." Man müsse viele Faktoren berücksichtigen, wenn man an die Zukunft denke. Im Moment ist klar: "Ein gemeinsames Jugendorchester ist momentan ein Projekt, das allen Beteiligten viel Freude macht und auch alle voranbringt."
  • Stadtmusikdirektor Markus Färber meint: "Wir sehen das ganz klar als Projekt, das für alle Beteiligten ein Gewinn ist." Der große Vorteil durch das Dirigat von Miriam Raspe für ihn und Benno Kilzer als ständige Dirigenten der Jugendorchester ist: "Wir können unsere Musiker quasi aus dem Off beobachten und viele interessante Schlüsse ziehen." Dies bliebe einem natürlich verwehrt, wenn man selbst dirigiert. Toll sei das Miteinander in dem Projektorchester: "Alle verstehen sich gut." Das erste gemeinsame Konzert vor zwei Jahren sei schon ein Novum gewesen: "Das gab es bis dahin noch nie." Allerdings herrsche ein so gutes und offenes Verhältniss zwischen Musikern und aber auch den Verantwortlichen der beiden Orchester, so dass diese Kooperation auf ganz breiter Basis Unterstützung findet.