VS-Marbach – Fassungslos steht die 73-jährige Vermieterin in ihrer Wohnung in Marbach: "Wir haben ja wirklich mit dem Schlimmsten gerechnet, aber das hier ist ein Albtraum." Die eigentlich schöne und helle Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Marbach ist eine Müllhalde: Die Küche ist nicht begehbar, überall stapeln sich Teller voll mit verschimmeltem Essen, geöffnete Dosen, angebrannte Essensreste in Töpfen, Katzenfutter und Berge von Müllsäcken.

"Der Gerichtsvollzieher musste als erstes auf den Balkon und frische Luft schnappen", erzählt die Frau, die mit ihren Nerven völlig am Ende ist. Sie rät, den Kühlschrank nicht zu öffnen: "Da fallen ihnen die Maden entgegen." Das Parkett hat dunkle, aufgequollene Flecken: Hier haben die Katzen mangels eines Katzenklos ihr Geschäft verrichtet.

Die Zwangsräumung und Wohnungsöffnung durch einen Gerichtsvollzieher ist der Höhepunkt eines Dramas, das im August 2014 begonnen hat. Da hat die 73-jährige ihre Wohnung, sie selbst lebt mit ihrem Partner im Nachbarhaus, an eine Frau, ihren Lebensgefährten und damals 15-jährigen Sohn vermietet. Was sie nicht wusste: Bereits 2008 hat ihre neue Mieterin, ebenfalls in Marbach, eine Wohnung völlig vermüllt und hat diese erst nach einer Räumungsklage verlassen.

"Ich hatte so ein komisches Bauchgefühl, auf das hätte ich hören sollen, aber mein Lebensgefährte meinte, wir sollen es mal versuchen." Der Ärger fing schon mit den Katzen an: "Das hat sie uns erst gesagt, als der Mietvertrag unterschrieben war", so die 73-Jährige. Als die erste Nebenkosten-Abrechnung kam, war eine Nachzahlung in Höhe von 1500 Euro fällig. Natürlich erhöhten sich auch die Abschlagszahlungen und die Vermieter haben davon aber nur einen Bruchteil bekommen.

Jetzt schalteten sie einen Anwalt ein. Als der Lebensgefährte ihrer Mieterin ausgezogen ist, bezahlte diese noch einige Monate die Miete, stellte dann aber die Zahlungen ein. Seit Oktober 2016 haben die Vermieter kein Geld mehr erhalten. "Und jetzt noch die kosten für den Gerichtsvollzieher, die Anwalts- und Gerichtskosten und die Räumung der Wohnung", stöhnt der Lebensgefährte der Vermieterin. Sie schätzt, dass alles in allem Kosten von rund 8000 Euro aufgelaufen sind. Eine Lohnpfändung bringe nicht viel, da es zahlreiche andere Gläubiger gebe.