Villingen-Schwenningen – Er war als heißer Kandidat für die vakante Rektorenstelle an der Musikhochschule in Trossingen gehandelt worden: Michael Hampel. Nach dem Wechsel von Elisabeth Gutjahr ans Mozarteum in Salzburg hatte Hampel als Prorektor die Hochschule interimsweise länger als ein Jahr geführt. Am Ende hat er seinen Hut doch nicht in den Ring geworfen und folgt einem Ruf an die Musikhochschule nach Freiburg, wo er ab April als Gitarrenprofessor tätig sein wird. In VS ist der in der Villinger Südstadt lebende Michael Hampel als erfolgreicher Gründer der Musikakademie bekannt, einer Tochtergesellschaft der Trossinger Hochschule. Seine Frau Padmini Baun betreibt in Villingen die Tanzbühne und realisiert immer wieder große Tanztheater mit vielen Schülern.

  • Wichtige Gründe: Der Grund für die Entscheidung nach Freiburg zu gehen: "Ich habe die künstlerische Arbeit vermisst, eine Leitungsfunktion ist mit viel Verwaltungstätigkeit verbunden." Hampel wolle jetzt wieder mehr selbst Gitarre spielen und vor allem unterrichten. An der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen hat er 25 Jahre lang die Gitarrenklasse mitgeprägt und weiterentwickelt, sechs Jahre war er als Prorektor tätig. Er hat den allgemeinen Masterstudiengang "Klassenmusizieren" eingeführt und war einer der Autoren des neuen Trossinger Landeszentrums Musik-Design-Performance. Der Abschied fällt Michael Hampel schon "sehr schwer". Aber er sei jetzt 57 Jahre alt: "Da ist nicht mehr so viel Raum für wichtige Entscheidungen."

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  • Innovative Struktur: In Villingen-Schwenningen ist er vor allem durch die Gründung der Musikakademie im Jahr 2005 bekannt geworden. Nach der heftig kritisierten Schließung der Städtischen Jugendmusikschule im Jahr 2004 mussten damals neue Wege gefunden werden: "Die Gründung der Musikakademie als Tochtergesellschaft der Staatlichen Hochschule war ein innovativer Ansatz." Von Anfang an sollte eine ganz andere Struktur aufgebaut werden: "Wir wollten der Musik einen größeren Stellenwert einräumen und einfach mal andersherum denken", erinnert sich Hampel. Wichtig sei gewesen, den Kindern gleich die Perspektive zu eröffnen, auf einer Bühne ihr Können unter Beweis zu stellen. "So konnte man immer auf ein Ereignis hinarbeiten." Schon mit der Gründung sei der Grundstein für die vielen Kooperationen mit verschiedenen Schulen gelegt worden, die noch heute die Arbeit der Akademie prägen. Michael Hampel legte Wert auf Ensemblearbeit, auf die Gemeinsamkeit. "Es gab und gibt viele Auftritte an ungewöhnlichen Orten." Nur so könnten die Kinder lernen: "Eine Bühne kann überall sein, der Künstler und das Publikum machen die Bühne aus, nicht das Haus." Ganz wichtig war für Michael Hampel: "Die Transparenz. Wir bekommen öffentliche Gelder, da muss genau nachvollziehbar sein, was damit geschieht." Eine wichtige Aufgabe übernehme die Musikakademie auch bei der Teilhabe am kulturellen Leben, die vielen Kindern durch zahlreiche Projekte ermöglicht wird: "Das sind auch Projekte, die Geld kosten und wenig Ertrag bringen und hier liegt eben der besondere Auftrag der Musikakademie."
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  • Vorreiter-Rolle: Michael Hampel erinnert sich an eine "wunderbare Zeit mit wahnsinnig viel Arbeit." Gerhard Wolf, der 2007 die Leitung übernommen hat, habe alles auf eine professionelle Basis gestellt und die Akademie mit viel Herzblut stetig weiterentwickelt. Für die Trossinger Hochschule genieße die Musikakademie einen hohen Stellenwert: "Hier wirkt die Hochschule in die Gesellschaft hinein und kann zeigen, dass sie nicht im Elfenbeinturm sitzt." Trossingen hatte damals eine Vorreiterrolle inne: "Es war die erste Gründung einer Tochtergesellschaft." Der Aufsichtsratsvorsitz wird Michael Hampel an den neugewählten Rektor der Hochschule, Christian Fischer, abtreten. "Ich würde aber gerne im Aufsichtsrat bleiben", bekennt Hampel, schließlich "hängt mein Herz an der Musikakademie."
  • Neue Tätigkeit: Bei seiner neuen Tätigkeit in Freiburg, seiner Geburtsstadt übrigens, reizt Michael Hampel die Aufgabe, den Reformprozess im Fachbereich Gitarre weiter zu gestalten und den künstlerisch-pädagogischen Aspekt mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Er hinterfragt auch die Professor als übergeordnete Instanz, da Studenten heute so viel wissen. Michael Hampel hat in seiner Laufbahn immer den Mut gehabt, neue Wege zu beschreiten, so hat er in Trossingen couragiert künstlerisches Neuland betreten, etwa mit der Gründung des innovativen Gitarrenensembles "Open Source Guitars" vor zehn Jahren. Jetzt steht wieder Neuland an und Michael Hampel freut sich darauf.