Christian Hesse hat allen beim VS-Forum etwas vorgerechnet. Und fast 750 Gäste ließen sich von der Materie überhaupt nicht abschrecken sondern zeigten sich spätabends an der Forums-Bar fasziniert von der Tiefe dieser Welt der Logik.

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Der Referent hat es seinen Zuhörern leicht gemacht. Würfeln, Lotto, Elfmeterschießen – da wurde gespannt zugehört, geschmunzelt, ungläubig den Kopf geschüttelt und vor allem: Viele ließen es sich in der Tonhalle nicht nehmen, selbst öfters mitzurechnen. Man kann ja schließlich nie wissen, was so ein Professor aus Stuttgart alles so erzählt.

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Aber: Christian Hesse hat bei seinem Auftritt auf dem SÜDKURIER-Podium durchweg begeistert. Gradmesser dafür war der Belagerungs-Zustand des Büchertisches der Villinger Buchhaltestelle von Sabine Hauser. Zu Dutzenden musste der Gelehrte seine Werke signieren, Widmungen formulieren und Fachdebatten zu vorgerückter Stunde führen.

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Hesse formulierte so sachlich und glasklar, wie er sich den ganzen Abend über immer wieder an stillem Wasser labte. Gegen 23.30 Uhr zog er sich schließlich in sein Villinger Hotelzimmer zurück, da am anderen Tag schon die nächste Berufung wartete. Mit dem Morgenflieger von Stuttgart nach Berlin udn dort direkt zum Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, derzeit auch immer einmal wieder als Kanzler der Reserve in den Medien benannt. Schäuble lässt den Deutschen Bundestag von Christian Hesse beraten, weil im Maschinenraum des deutschen Parlaments schon seit geraumer Zeit das Für und Wider einer Wahlrechtsreform abgewogen wird.

Vor seinem Gastspiel bei der deutschen Bundestagsverwaltung traf der 58-Jährige auf der größten Villinger Bühne auf Marven Korte. Das 18-Jährige Mathe-Talent aus dem Donaueschinger Ortsteil Aasen wollte von ihm wissen, warum komplexe Mathe-Themen häufig komplizierte Bezeichnungen tragen. Als Beispiel nannte Korte die imaginären Zahlen.

Gäste auf der Bühne: Mathelehrer Marc Gunzlé, Matheschüler Marven Korte sowie Jörg-Peter Rau und Christian Hesse (von links).
Gäste auf der Bühne: Mathelehrer Marc Gunzlé, Matheschüler Marven Korte sowie Jörg-Peter Rau und Christian Hesse (von links). | Bild: Hans-Juergen Goetz

Der Schüler, der häufig erstaunte Blicke von Menschen erntet, die erfahren, dass er ein „Mathefreak“ ist, sieht darin einen möglichen Grund, warum Mathematik bei vielen Menschen ein schlechtes Image hat. Dieser Vermutung konnte Hesse nur zustimmen, erklärte dem Publikum die Notwendigkeit dieser schwer vorstellbaren Zahlen. Korte stört sein Mathe-Image nicht. „Ich führe ein ganz normales Leben“, sagt er. Er trifft sich mit Freunden, geht ins Fitnessstudio, fährt Fahrrad, spielt Fußball, oder er verbringt freie Zeit vor dem Computer und dem Fernseher.

Warum Hesse sich ausgerechnet der Stochastik verschrieben habe, wollte der 18-Jährige weiter wissen. Ein Bereich, der Korte nicht ganz so begeistert. Der Auslöser sei ein Buch über Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik gewesen, antwortete ihm der Professor. Das habe ihn so begeistert, dass er in seiner Freizeit die Aufgaben darin löste.

Korte geht in die 13. Klasse der Schwenninger Feintechnikschule und nimmt dort zusammen mit vier Mitschülern an einem Mathe-Förderprogramm für begabte Rechner teil. Im Schulalltag bedeutet das zwei zusätzliche Mathe-Stunden pro Woche. „Ich mache das freiwillig, weil es mir Spaß macht“, so der 18-Jährige. Im Gegensatz dazu liegen ihm die Fächer Spanisch und Deutsch weniger gut. Auch in der Realschule sei er nicht der allerbeste Schüler gewesen. Das Rechnen sei ihm schon immer leicht gefallen. Gute Noten waren die Regel. So richtig bewusst wurde ihm seine Begabung aber erst im Alter von 16 Jahren. Seither versucht er sein Talent zu fördern und strebt ein Studium in den Bereichen Mathematik, Physik oder Elektrotechnik an.

„Mich fasziniert die Logik in der Mathematik“, erklärt Korte. Obwohl er kein Experte im Kopfrechnen sei, ertappe er sich im Alltag manchmal dabei, wie er Dinge berechnet. Beim Abkochen von Nudeln habe er vor kurzem das Volumen des Topfes berechnet, da dieser keine Füllstand-Skala besaß. Allen Schülern, die Angst vor schwierigen Mathe-Aufgaben haben, gibt er folgende Tipps: Nicht einschüchtern lassen, gelassen rangehen und versuchen, die Aufgabe in kleinere Abschnitte aufzuteilen. Es könne auch helfen, die Fragestellung in seinen eigenen Worten noch einmal aufzuschreiben, oder sich vorzustellen.

Ja – Mathe macht Spaß, wenn der harte Stoff auf so besondere Weise wie beim VS-Forum des SÜDKURIER vermittelt wird.
Ja – Mathe macht Spaß, wenn der harte Stoff auf so besondere Weise wie beim VS-Forum des SÜDKURIER vermittelt wird. | Bild: Hans-Juergen Goetz