Weiße Tücher, weiße T-Shirts, weiße Schals – mit diesen Kleidungsstücken sollen Frauen und Männer am kommenden Sonntag zum Fronleichnamsgottesdienst nach Tannheim in die St. Gallus Kirche kommen und damit Solidarität mit der Bewegung Maria 2.0 zeigen. Mit dieser Aktion im Rahmen eines Gottesdienstes wollen engagierte Frauen am 23. Juni ihre Sorge um die katholische Kirche zum Ausdruck bringen.

  • Hintergrund: Im Frühjahr 2019 hat sich ein Lesekreis der Pfarrei Heilig Kreuz in Münster (Westfalen) mit dem ersten Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus auseinandergesetzt. In einem daraufhin formulierten offenen Brief an Papst Franziskus forderte diese Gruppe den Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und Aufhebung des Pflichtzölibats. Schon zuvor gärte es in zahlreichen Gruppen der katholischen Kirche im Zusammenhang mit diesem zentralen Themenkomplex. Zum einen gibt es „großen Frust und die Sehnsucht nach Neubeginn in der Kirche“, zum anderen möchten die Frauen aber bewusst innerhalb der Kirche ihren Forderungen Nachdruck verleihen.

Das stellt sowohl für die engagierten Frauen als auch für die kirchlichen Würdenträger eine völlig neue und auch fast nicht lösbare Situation dar. Papst Johannes Paul II. hatte vor über 25 Jahren unmissverständlich postuliert, dass „es ein Weiheamt für Frauen nicht geben kann“. Neben dem Ausschluss der Frauen von kirchlichen Ämtern verstörte in den vergangenen Jahren die Aufdeckung zahlreicher Missbrauchsfälle viele Kirchenmitglieder. Parallel dazu müssen die beiden großen Volkskirchen auch anhaltend Kirchenaustritte wahrnehmen; ebenfalls Anlass zur Sorge um die Kirche.

  • In der Kirche: In einem Pressegespräch mit dem SÜDKURIER betonen die Initiatorinnen der Seelsorgeeinheit zwischen Brigach und Kirnach, dass sie ihren Protest und ihre Forderungen bewusst innerhalb der Kirche laut werden lassen wollen. Absichtlich wurde auch der Festgottesdienst zu Fronleichnam gewählt, um zu zeigen, dass es um keinen Boykott der Eucharistie geht. Vielmehr soll der Protest in der Kirche, in einem Gottesdienst deutlich werden.

Die Frauen sowie viele Männer der Seelsorgeeinheit schließen sich den Forderungen der zahlreichen Maria 2.0-Gruppen an, die den Zugang zum Priesteramt für Frauen sowie die Gleichberechtigung von Frauen und Männern innerhalb der Kirche fordern. Auch die Aufhebung des Zwangszölibats steht im Forderungskatalog. Des Weiteren schließen sich die Initiatorinnen aus Brigachtal, Unterkirnach, Tannheim und Pfaffenweiler den Forderungen der Osnabrücker Thesen aus dem Jahr 2017 an. Bei diesem ökumenischen Kongress wurden sieben Thesen verfasst, welche die Gleichstellung von Frauen und Männern in kirchlichen Ämtern fordern.

  • Für die Kirche: Judith Ottnad-Grenzdörffer aus Brigachtal hat dabei vor allem auch diejenigen, die aus Frust und Wut der Kirche den Rücken gekehrt haben im Blick: „Wir sind die Frauen, die immer noch da sind.“ Und weiter: „Wir haben große Sorgen um die Kirche. Wir wollen mit der Kirche, in der Kirche, für die Kirche und für den Glauben Flagge zeigen und hoffen, dass mit dieser Initiative Bewegung in die Kirche kommt“, so die Frauen einhellig.

Alle Beteiligten wünschen sich, innerhalb der Kirche gehört und ernst genommen zu werden; auch von denen, die der Initiative Maria 2.0 eher kritisch gegenüber stehen. Betont wurde auch, dass die Aktion nicht im Zusammenhang mit der krankheitsbedingten Abwesenheit von Pfarrer Dominik Feigenbutz zu sehen ist. Die Aktion sei mit ihm abgesprochen und er stehe ihr offen gegenüber, so die Aktivistinnen. Auch im Pfarrgemeinderat wurde das Thema angesprochen und befürwortet, sich damit auseinanderzusetzen. Ebenso sei der Zelebrant am kommenden Sonntag, Pfarrer Ewald Beha, über die Aktion informiert.