70 – na und? Lebensbejahend, mutig, temperamentvoll, fröhlich und stark. Das sind Attribute, die für Margot Schaumann stehen – und das seit Jahrzehnten, natürlich auch immer noch heute an ihrem 70. Geburtstag. Für das Energiebündel ist dieser Geburtstag nach 70 Lebensjahren zwar durchaus ein Tag zum Innehalten (wo ist die Zeit nur geblieben) – aber in erster Linie Grund für ein fröhliches Fest, Grund zum Feiern mit Familie, Freunden und Wegbegleitern.

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Margot ist famos

Die Spittelsänger brachten es schon vor zehn Jahren beim 60. Geburtstag auf den Punkt und sangen: „Jo bi isere Margot, mir finded’s famos, do isch immer epps bote, do isch immer epps los.“ Das ist heute nicht anders, auch wenn gelegentlich die Gesundheit doch leise anklopft und ein bisschen mehr Pflege anmahnt. Denn „70 Jahre Margot Schaumann“, das ist ein energiegeladenes, aber auch anstrengendes Bündel an gelebtem Leben, ein spannendes und quirliges Villinger Leben, in dem auch im 70. Lebensjahrzehnt kein Platz für Rentnerbänkle oder Seniorentanz ist. Und wenn die Oberjungfer der Altjungfere tanzt, dann auf der Bühne mit ihrem explosiven Temperament, mit dem sie beim traditionellen Jungfere-Obed die Gäste zu Beifallsstürmen hinzureißt.

Sie kann alles

Ob als Queen Elisabeth, als Tanzmariechen, als ruppige Krankenschwester Rabbiata, als Next Top Model oder als Dotsch vom Land auf der Suche nach einem Mann – Margot Schaumann kann sie alle, schlüpft problemlos in alle Rollen – die Oberjungfer ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Zudem sind alle Texte Marke Eigenbau – und sie zünden immer. Als Tochter „vum Götze Richard“, dem Stegreif-Dichter mit der Drehorgel, der die kleine Margot schon im Kinderwagen mit Mutters altem Sonntagshut auf dem Kopf an Fasnet mit „uff d‘Gass“ nahm, hat Margot Schaumann diesen Fasnetvirus bereits in die Wiege gelegt bekommen.
 

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Zahlreiche Auszeichnungen

Neben zahlreichen Auszeichnungen für ihr närrisches Engagement bekam Margot Schaumann 2013 auch den Narrenbecher, eine hohe Auszeichnung an der Villinger Fasnet und für Margot Schaumann zusätzlich ein besonderes Erlebnis, da 1994 ihr Vater Richard Götz den Narrenbecher ebenfalls erhalten hat. Es ist vermutlich einmalig, dass zwei Narrenbecher in einer Familie verliehen wurden. Nicht zuletzt ist die Oberjungfer seit einigen Jahren auch im „Villinger Wachsfigurenkabinett“, in der Ausstellung der Jaag’schen Puppensammlung im Franziskaner verewigt.

Erste Rolle

30 Jahre ist es her, als sich Margot Schaumann bei den traditionellen Alt-Jungfere mit ihrer ersten Rolle als „die Neue“ auf der Bühne vorstellte. Eine Erfolgsgeschichte begann, obwohl sie die erste „Evangelische“ in der Traditionsgemeinschaft war, wie die Altvorderen der damals 39-jährigen Debütantin stirnrunzelnd mit auf den Weg gaben. Doch Margot Schaumann war längst eine „alte Häsin“ in der Villinger Traditionsfasnet, Mitglied der Narrozunft, aktiv beim Zunftball, hatte bereits mit 16 im Zunftballett und später im legendären Morbili-Ballett getanzt. Heute ist sie seit 20 Jahren Oberjungfer, organisiert und textet für die Jungferebälle, verwaltet und repräsentiert mit Herzblut mit den Altjungfere eine Villinger Tradition.

In der Kutsche unterwegs

Mit großem Aufwand organisierte Margot Schaumann auch 25 Jahre lang den mit Mimosen geschmückten Landauer für die Umzüge. Natürlich fuhr sie auch mit, brachte jedoch die randvoll mit Brezeln, Süßigkeiten und Schnäpsle gefüllte Kutsche gelegentlich aus der Spur und das Begleitpersonal ins Rotieren, wenn sie mal wieder anhalten ließ, um mit ihrem unbändigen Temperament mit den Zuschauern zu feiern. Heute ist „Margots Fasnetstüble“ Anlaufpunkt und Geheimtipp für zahlreiche Freunde und Hästräger.

Leben außerhalb der Fasnet

Man sollte es kaum glauben, aber es gibt auch ein Leben außerhalb der Fasnet für Margot Schaumann. Denn sie ist auch Mutter zweier Töchter, leidenschaftliche Großmutter von fünf Enkeln, Mittelpunkt eines Familien-Clans, der zusammenhält – ob man sich einfach gegenseitig hilft, zu Familienfesten oder in der Adventszeit zum Weihnachtslieder-Singen trifft, oder ob Oma Margot mal wieder für alle kocht. Sie selbst, im alten Krankenhaus in der Herdstraße geboren, hatte ein Villinger Leben genossen wie viele.

Kindergarten, Mädchenschule, Lehre bei der Stadtverwaltung, Weiterbildung zur Chefassistentin. Doch dann entschied sich Margot Schaumann statt für die Karriere für Familie und Kinder. Kathrin und Hilke wurden 1975 und 1978 geboren. Sie blieb bei der Stadt, es sollten insgesamt 45 Jahre in städtischen Diensten und im Schuldienst daraus werden. Margot Schaumann arbeitete im Bauverwaltungsamt, wechselte später ins Jugendamt, erlebte eine turbulente Zeit im Büro des Familienparks, bis sie 1999 als Schulsekretärin in die Brachat-Realschule wechselte.

Langeweile bleibt Fremdwort

2009 dann der Ruhestand – doch Ruhe, Sofa-Fasnet oder Langeweile blieben wie bisher Fremdwörter für Margot Schaumann. Ihr Platz blieb weiter am Regie-Pult bei allen möglichen Unternehmungen. Seit sieben Jahren organisiert sie in der Weihnachtszeit die 24 Villinger Adventsfenster. Drei Jahre lang war sie Mitorganisatorin des Weihnachtsmarktes. Immer wieder hat Margot Schaumann neue Pläne. Das einzige, was sie heute bewusst täglich genießt, ist eine „geschenkte Zeit“ morgens im Bett. „Ich kann ausschlafen“, war ihr Jubelruf zum Eintritt in den Un-Ruhestand. Margot Schaumann ist zufrieden mit sich und ihrem Leben, auch wenn im Rückblick nicht immer alles nur Zuckerschlecken war. Irgendwie hatte alles seinen Sinn. Sie genießt „die Feste wie sie fallen“, gerne unternimmt sie auch Reisen mit dem Geschichtsverein. Ihr Resümee: „Mein Umfeld stimmt und gibt mir Kraft.“