Zwei Jahre und drei Monate Haft verhängte das Landgericht Konstanz über einen drogensüchtigen 39-jährigen Mann aus dem Umland des Oberzentrums. Er hatte seinem betagten Vermieter die EC-Karte entwendet und damit mehrmals Beträge zwischen 500 und 1000 Euro von dessen Konto abgehoben. Mit dem Geld kaufte er Drogen aller Art. Neben der Haft ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Dort kann er nach Rechtskraft des Urteils so bald als möglich eine rund zwei Jahre dauernde Suchttherapie, zunächst auf einer geschlossenen Abteilung antreten.

Insgesamt fehlten 13 5000 Euro auf dem Konto

Es war ein Schock für den 86-jährigen Mann, als er Ende vorigen Jahres feststellen musste, dass von seinem Konto 13 500 Euro fehlten. Wer hatte seine EC-Karte benutzt? Auf der Suche nach dem Täter kam eigentlich nur der Mieter in Betracht. Er war täglich bei dem gebrechlichen Witwer ein- und ausgegangen und hatte Hilfsdienste für ihn erledigt. Dafür musste er weniger Miete bezahlen. Als der Senior ihn wegen des fehlenden Geldes ansprach, stritt er zunächst alles ab. Nach Ermittlungen der Polizei erhärtete sich dann aber der Verdacht, und der 39-Jährige räumte bei der Polizei schließlich alles ein.

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Zwölf Mal hatte er jeweils nachts, wenn der 86-Jährige eingeschlafen war, dessen EC-Karte an sich genommen, um Geld aus verschiedenen Geldautomaten der Region zu holen. Die zugehörige PIN hatte er zufällig entdeckt, als er dem gebrechlichen Vermieter bei der Suche nach seinen Autopapieren geholfen hatte. Auch, dass er mit dem Geld im Bereich des Bahnhofs in Villingen Drogen erworben hatte, gab der Angeklagte zu. Vor Gericht beteuerte er: „Es tut mir sehr leid, und ich möchte mich bei meinem Vermieter entschuldigen“.

Mann war als Drogenkonsument bekannt

Der 39-Jährige sitzt seit fünf Monaten in Untersuchungshaft. Er war der Polizei bereits als Drogenkonsument bekannt, weil er einige Male mit Kleinmengen von Marihuana oder Kokain erwischt worden war. Nachdem er im Februar 2018 bei dem Witwer eingezogen war, verdiente er sein Geld einige Zeit als Hilfskoch. Dann wurde er arbeitslos und konnte seine Drogensucht nicht mehr mit eigenem Geld finanzieren.

Einsicht wächst: Zeit für eine Drogentherapie

Er selbst berichtete, er sei früher auch heroinsüchtig gewesen, davon habe er sich selbst befreit. Eine richtige Drogentherapie habe er noch nie gemacht. Doch nun sei es an der Zeit. Er habe viel verloren durch die Sucht, unter anderem alle seine Zähne, ergänzte sein Anwalt. Aus dem vor Gericht verlesenen Opferhilfebericht über den 86-jährigen Geschädigten geht hervor, dass diesen der Verlust des Geldes zwar nicht ruiniert habe, er aber sehr enttäuscht sei über seinen Mieter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.