Die Planung eines Verwaltungszentrums für 350 städtische Mitarbeiter auf dem Kasernengelände Mangin in Villingen stößt bei einigen Schwenninger Stadträten auf Vorbehalte. Der SÜDKURIER befragte die Oberbürgermeister-Kandidaten, die aktuell Wahlkampf machen, wie sie mit dem Thema umgehen und welche Lösungsvorschläge sie anbieten würden.

Gaetano Cristilli: Der 51-jährige Inhaber eines Fitness-Studios ist der Meinung, dass die Unterbringung dieser öffenlichen Einrichtung eigentlich in den Zentralbereich gehört, so wie dies ursprünglich mit dem geplanten zentralen Rathaus, das 2012 am Widerstand der Bürgerschaft scheiterte, vorgesehen war. „Wenn es so weitergeht wie in der Vergangenheit, wird es nie eine gemeinsame Stadt geben“, klagt Cristilli. Dann werde sich einer der Stadtbezirke immer benachteiligt fühlen. Allerdings habe er als Unternehmer stets auch die Kostenseite im Blick. Und da verweist Cristilli auf die Millionen-Zuschüsse, die die Stadt erwarten kann, wenn sie das ehemalige Kasernen-Gelände in Villingen saniert und einer neuen Nutzung zuführt. Wenn diese Lösung aufgrund der Zuschüsse wirtschaftlicher sei als ein Neubau im Zentralbereich, sei dies wohl der bessere Weg, räumt er ein.

Jörg Röber: „Grundsätzlich ist es sinnvoll und richtig, über die Konzentration der städtischen Ämter nachzudenken angesichts von 13 Verwaltungsstandorten in der Stadt“, betont der 37-jährige OB-Referent. Voraussetzung sei: „Es muss sich halt lohnen.“ Lohnend sei das Projekt dann für die Stadt, meint Röber, wenn die Kosten passen, die Verwaltung effizienter geführt werden könne und die Arbeitsbedingungen für die städtischen Mitarbeiter verbessert würden. Dies sei die rein fachliche Betrachtung. Es gebe aber auch eine emotionale Seite, nämlich die Sorgen einiger Bürger, der Stadtbezirk Schwenningen könnte bei einem Verwaltungsschwerpunkt in Villingen politisch bedeutungslos werden. Diese „Befindlichkeiten“ will Röber ernst nehmen. „Ich verstehe die Schwenninger, die einen Bürgermeister in ihrem Rathaus wollen.“ In dieser Frage sehe er „Nachbearbeitungsbedarf“. „Die Frage, wo sitzt künftig die Verwaltungsspitze, muss man offen diskutieren.“ Der Bürgerentscheid von 2012 habe gelehrt, dass ein Thema nicht nur fachlich sondern auch emotional überzeugen müsse, um die Bürger zu gewinnen.

Jürgen Roth: „Eine Neuausrichtung der Verwaltung ist erforderlich“, betont auch der Tuninger Bürgermeister. Wesentlicher Teil davon sei die Standortfrage. Bislang aber, so bemängelt der 55-Jährige, seien nur die Verwaltung und der Stadtrat in diesen Prozess einbezogen worden. „Mangin ist zwar Bestandteil des Stadtentwicklungskonzepts, wurde aber nicht in einer breiten Bürgerumfrage wie bei den anderen Projekten erarbeitet. Warum? Hier würde ich neu ansetzen, um die Bürger in diesen Prozess einzubeziehen.“ Einen festen Sitzungssaal des Gemeinderates in Villingen sieht Roth skeptisch. „Der Gemeinderat wird bei meiner Wahl abwechselnd zwischen Villingen und Schwenningen tagen. Wir haben Räume dafür und nutzen diese.“ Zur Sorge aus Schwenningen, der Stadtbezirk könnte politische Bedeutung verlieren, wenn in Villingen der OB und der Erste Bürgermeister ihre Büros haben, erklärt Roth: „Wir haben eine gemeinsame Stadt, mit zwei großen selbstbewußten Stadtbezirken Villingen und Schwenningen. Mir ist es wichtig dass wir Villingen-Schwenningen insgesamt weiterbringen.“ Er werde immer auf eine Balance innerhalb der Gesamtstadt achten, versichert Roth.

Marina Kloiber-Jung: Die 36-jährige OB-Kandidatin hält nichts davon, die Stadtpolitik nach den Befindlichkeiten einzelner Stadtbezirke auszurichten. Vielmehr sei es wichtig, das Wohl der Gesamtstadt ins Auge zu fassen. „Ich finde, wir sollten zusammenwachsen als Villingen-Schwenningen.“ Deshalb sei sie dafür, dass das neue Verwaltungszentrum wie beschlossen auf dem Mangin-Areal realisiert werde. Wo die Führungsspitze der Stadt angesiedelt sei, sei nachrangig. Wichtig sei vielmehr, dass die Führungsspitze zum Wohle der Stadt gut zusammenarbeite. Es könne nicht sein, dass in einem Stadtbezirk etwas gebaut werde, und der andere dann beklage, dass er nichts bekomme. Entscheidungen müssten am Bedarf ausgerichtet werden, wo etwas dringend gemacht werden müsse, unabhängig von Stadtbezirksgrenzen.