Es ging um mehr als 70 Straftaten mit rund 30 Kilogramm Marihuana, 6,5 Kilogramm Haschisch, 800 Gramm Kokain und 1200 Ecstasy-Tabletten. Die Zweite Strafkammer des Landgerichts Konstanz sieht es als erwiesen an, dass die sieben Angeklagten, teilweise als Bande, teilweise gewerbsmäßig, mit dem Stoff handelten. Sechs Beschuldigte bekamen Haftstrafen zwischen sechs Jahren und neun Monaten sowie drei Jahren und drei Monaten. Ein Angeklagter wurde wegen kleinerer Geschäfte zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Seine Strafe ist durch die Untersuchungshaft getilgt, in der er und die anderen Beschuldigten seit fast einem Jahr sitzen. Die Verurteilten können Revision einlegen.

Große Menge Rauschgift

Vier der Angeklagten haben sich als Bande formiert, um mit großen Mengen Rauschgift zu handeln, das geht aus dem Urteil hervor, das der Vorsitzende Richter Joachim Dospil verkündete. Bei Einzelpersonen sei es um das Beschaffen und Verteilen von bis zu 20 Kilogramm Cannabis gegangen. Allein schon auf das bandenmäßige Handeln stehe mindestens eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Strafmindernd wurde bei einigen Angeklagten berücksichtigt, dass sie geständig waren, dass durch ihre Aussagen weitere Straftaten aufgeklärt werden konnten und in einigen Fällen, dass sie selbst abhängig waren. Auch persönliche Umstände wurden berücksichtigt. Einer der Angeklagten, ein Flüchtling aus Syrien, hat durch ein Kriegsgeschoss ein Bein verloren und dauerhaft Schmerzen. Seine Ehefrau und seine sechs Kinder waren kurz vor seiner Verhaftung in einem Asylbewerberheim angekommen. Hätten alle geschwiegen, wäre es nie gelungen, 70 Fälle in sechs Tagen aufzuarbeiten, so die Einschätzung des Vorsitzenden Richters Dospil. Dann hätte etwa das umfangreiche Material aus dem Abhören von Telefonaten noch viel detaillierter analysiert werden müssen, was viel Zeit gekostet hätte.

Gutachter wegen Geburtsdatum eingeschaltet

Kopf der Bande ist nach Ansicht der Kammer der jüngste Angeklagte, über dessen Geburtsdatum es keine Klarheit gab. Ein Gutachter wurde eingeschaltet, um herauszufinden, ob der Mann, der vermutlich aus Algerien kommt, zu den Tatzeiten ab 2017 möglicherweise unter 21 Jahre und damit ein Heranwachsender war, der nach dem milderen Jugendstrafrecht verurteilt werden kann. Der Angeklagte selbst hatte im Prozess geschwiegen. Die Strafkammer kam nach Hinweisen im Gutachten und eigenen Eindrücken zu dem Schluss, der Mann sei als Erwachsener anzusehen und entsprechend zu verurteilen. „Sie machen auf uns nicht den Eindruck eines Heranwachsenden“, stellte der Vorsitzende Richter fest. Dagegen spreche auch die zentrale Rolle, die er innerhalb der Bande eingenommen habe. Man habe zu seinen Gunsten aber berücksichtigt, dass es der junge Mann in einem fremden Land nicht einfach habe. Die Kammer rechnete den Wert der Rauschmittel, die durch die Hände der Angeklagten gingen, auf rund 200 000 Euro hoch. Die Kammer verfügte, die Gelder einzuziehen, sollten sie jemals auftauchen.