Ihr musikalischer Bogen spannt sich von der Vokalpolyphonie der Renaissancezeit bis zur Klangwelt der Gegenwart, ihre Ausdrucksmöglichkeiten reichen von tiefem Lebensernst bis zu witziger Ausgelassenheit: Trotz dieses außerordentlich weiten Spektrums lässt das Londoner A-cappella-Ensemble Voces8 in wirklich jeder Phase seines Auftritts im Franziskaner eine gesangliche Geschlossenheit hören, die faszinierend ist. Wie ist das möglich? „Wir atmen gemeinsam.“ So erklären die drei Sängerinnen und fünf Sänger ihre bewundernswerten Fähigkeiten.

Jazz und Pop kommen beim Publikum im Franziskaner in Villingen gut an. Voces8 wissen ihr Publikum auch im Schwarzwald zu begeistern.
Jazz und Pop kommen beim Publikum im Franziskaner in Villingen gut an. Voces8 wissen ihr Publikum auch im Schwarzwald zu begeistern. | Bild: Gunter Faigle

Als Konzertmotto haben sie „Vom Kirchenschiff zur Bühne“ gewählt. Zu hören ist geistliche und weltliche Musik. Die sehr unterschiedlichen charakteristischen Merkmale einer Fülle von musikalischen Genres sind für sie kein Problem. Das Ensemble Voces8 achtet bei jedem der 15 dargebotenen Stücke nicht nur auf gesangstechnische Perfektion und feinsinnige Klangästhetik, sondern auch auf eine absolut stimmige Präsentation in Sachen Körperhaltung, Bewegung, Mimik und Gestik – ein durch nichts getrübter Genuss.

Die erste Konzerthälfte ist der menschlichen Religiosität und starken Empfindungen gewidmet. Als ältestes Werk erklingt ein Magnificat von Giovanni Pierluigi da Palestrina für achtstimmigen Doppelchor in makelloser Intonation, in ruhig fließendem Dialog und sauberer kirchenlateinischer Formulierung. Eine überaus behutsame Deutung erfährt die deutschsprachige achtstimmige Motette „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, in der Eleonore Cockerham ihren glockenklaren und nahezu vibratofreien Sopran zur Geltung bringt.

Der Beifall des Publikums während des ganzen Konzerts der Voces8 drückt zugleich Anerkennung und Begeisterung aus.
Der Beifall des Publikums während des ganzen Konzerts der Voces8 drückt zugleich Anerkennung und Begeisterung aus. | Bild: Gunter Faigle

Sorgfalt in der Lautbildung und intensive Übung ermöglichen Voces8 eine vielseitige mehrsprachige Ausrichtung. Eine Art Ave-Maria in der dunkel gefärbten Liturgiesprache Kirchenslawisch, vertont von Sergei Rachmaninow, trifft anrührend den Ton stiller und tiefer Frömmigkeit. In seiner Muttersprache Englisch – mit hebräischem Einschub – interpretiert das Vokaloktett das harmonisch extrem dichte und von großer Ruhe durchzogene „Love Endureth“ seiner Landsfrau Roxanna Panufnik.

Die zweite Konzerthälfte gestalten die Voces8 mit Musik von Größen des Jazz und Pop des 20. Jahrhunderts wie etwa Nat „King“ Cole und Duke Ellington oder Simon and Garfunkel. Die Londoner Stimmartisten verstehen sich ebenso prächtig auf pfiffige Stimmeffekte wie auf den weichen Swingsound. Sie finden mit Leichtigkeit durch komplizierte Melodiegeflechte und haben ein sicheres Gespür für das Tempo. Und sie kennen sich aus mit den Geheimnissen des Rhythmus und haben viel Sinn für eine heitere und dabei filigrane Choreografie fürs Auge. Dabei bleibt alles sehr gepflegt, mit Finesse kontrolliert und von einfallsreicher Varianz. Voces8 bieten dem Publikum Gesangskunst aus einem Guss und ernten enthusiastischen Beifall.